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Impfungen

Müller: Wer Astrazeneca ablehnt, hat seine Chance zur Impfung vertan

  • vonSebastian Richter
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Astrazeneca steht gegen das Coronavirus in der Kritik, doch Fachleute verteidigen das Mittel. Berlins Bürgermeister Müller reagiert auf die Ablehnung des Impfstoffs.

  • Der Astrazeneca Impfstoff gegen Corona wird inzwischen in Deutschland verabreicht.
  • Die körperlichen Reaktionen auf den Impfstoff führen zu Verunsicherung in der Bevölkerung.
  • Experten verteidigen den Impfstoff von Astrazeneca.

Update vom Freitag, 19.02.2021, 10.03 Uhr: Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) will verhindern, dass Astrazeneca-Impfdosen in der Hauptstadt ungenutzt bleiben. „Ich werde nicht zulassen, dass Zehntausende Impfdosen in unseren Schränken lagern, wenn sich gleichzeitig Millionen Menschen bundesweit sofort damit immunisieren lassen würden“, sagte Müller dem „Tagesspiegel“ (Freitag). Wer den Impfstoff nicht wolle, habe damit erst einmal seine Chance vertan, so der SPD-Politiker. „Wir werden den Impfstoff dann anderen anbieten.“

Der Regierungschef will sich laut Bericht schnell mit den anderen Bundesländern auf das Vorgehen verständigen. Es müsse geprüft werden, welche Gruppen als Nächstes mit Astrazeneca geimpft werden könnten. Müller schlägt demnach Angebote für Lehrkräfte, Erzieher, Polizei und Feuerwehr vor. Aber auch Impfungen für den Einzelhandel und für Mitarbeiter im Nahverkehr seien denkbar. „Diese Berufsgruppen haben täglich Hunderte Kontakte..“

Im Berliner Impfzentrum Tegel, das Astrazeneca anbietet, ist die Nachfrage mit rund 5000 Immunisierungen bisher laut Gesundheitsverwaltung „etwas hinter den Erwartungen“ zurückgeblieben.

Coronavirus: Karl Lauterbach lässt sich mit Astrazeneca-Impfstoff immunisieren

+++ 14.27 Uhr: Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach will sich mit dem Vakzin von Astrazeneca impfen lassen, um sich gegen das Coronavirus zu immunisieren. Wie der „Tagesspiegel“ berichtet, wird der Mediziner Ende kommender Woche als Impfarzt in einem Leverkusener Impfzentrum arbeiten. Im Zuge dessen soll er den stark kritisierten Impfstoff von Astrazeneca verabreicht bekommen.

Karl Lauterbach will mit diesem Schritt der Skepsis gegenüber dem Vakzin von Astrazeneca entgegenwirken. „Wir wollen auch dort ein klares Bekenntnis zu Astrazeneca abgeben, das ist ein sicherer und guter Impfstoff“, sagte Lauterbach gegenüber dem „Tagesspiegel“.

Gesundheitsexperte Karl Lauterbach will sich mit dem Astrazeneca-Impfstoff gegen das Coronavirus immunisieren lassen.

Astrazeneca-Vakzin: Karl Lauterbach spricht sich gegen Änderung der Impfreihenfolge aus

Der Gesundheitsexperte sprach sich trotz der Skepsis dagegen aus, die Impfreihenfolge zu ändern oder erstmal nur Freiwillige mit Astrazeneca zu impfen. „Das würde bedeuten, dass die größten Risikogruppen, also auch Ärzte und Pfleger unter 65 Jahren, länger gefährdet sind.“

Update vom Donnerstag, den 18.02.2021, 10.20 Uhr: In der Diskussion um die Wirksamkeit des Corona-Impfstoffs von AstraZeneca sind Ärzte und Immunologen bemüht, Zweifel an dem Vakzin zu zerstreuen. Der Impfstoff sei gut und wirksam, betonten der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, und der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, Carsten Watzl.

Der Immunologe Watzl sagte der „Augsburger Allgemeinen“ (Donnerstag): „Das Mittel von AstraZeneca ist ein sehr guter Impfstoff, auch wenn die anderen noch ein bisschen besser sind.“ Durch den in Deutschland verlängerten Abstand zwischen erster und zweiter Dosis werde die Wirksamkeit von AstraZeneca mutmaßlich auf 80 Prozent erhöht. Der Impfstoff biete einen deutlichen Schutz vor einer Corona-Erkrankung, der um ein Vielfaches besser sei, als wenn man nicht geimpft sei.

Das AstraZeneca-Vakzin unterscheide sich bei den Nebenwirkungen kaum von den anderen Wirkstoffen, sagte Watzl weiter. „Ein Unterschied zwischen den Impfstoffen ist, dass diese Nebenwirkungen bei mRNA-Impfstoffen in mehr Fällen und stärker nach der zweiten anstelle der ersten Impfung auftreten. Bei AstraZeneca ist es genau umgekehrt.“ Watzl schlug zugleich eine spätere Nachimpfung mit einem anderen Mittel vor. „Man kann die Immunität, die man mit dem AstraZeneca-Impfstoff ausgelöst hat, ohne Probleme mit einem mRNA-Impfstoff später noch einmal verstärken.“

Der AstraZeneca-Impfstoff ist umstritten.

Coronavirus: Misstrauen gegenüber AstraZeneca-Impfstoff

Erstmeldung vom 17.02.2021: Der Impfstoff des britisch-schwedischen Herstellers AstraZeneca sorgt weiter für Ärger. Nach den Lieferschwierigkeiten in die EU, einem stark kritisierten Zulassungsverfahren und schließlich den Diskussionen über die generelle Wirksamkeit des Impfstoffes entwickeln sich auch nach Beginn der Impfungen Probleme. Viele Personen, die mit AstraZeneca geimpft wurden, klagen über die starken Nebenwirkungen der Impfung. Der Ruf des Vakzins ist schlecht, viele lassen sich lieber gar nicht impfen, als das Mittel von AstraZeneca zu nehmen, einige Impftermine sollen nicht wahrgenommen sein.

Nebenwirkungen mit AstraZeneca Impfstoff – Kliniken setzten Impfungen aus

In einigen Kliniken in Deutschland wurde der Impfplan als Reaktion auf die heftigeren Nebenwirkungen des Impfstoffes abgeändert. Das Herzogin-Elisabeth Hospital in Braunschweig hat die Impfungen mit dem AstraZeneca-Mittel ganz ausgesetzt. Laut der „Braunschweiger Zeitung“ seien die Impfreaktionen bei 37 Krankenhausmitarbeiter:innen so heftig ausgefallen, dass sie nicht zur Arbeit antreten konnten. Das Krankenhaus hatte am 11.02.2021 begonnen, 88 Personen des Personals mit dem Vakzin von AstraZeneca zu immunisieren.

Ein ähnliches Bild zeichnet sich am Klinikum Emden. Dort meldeten sich 15 Prozent der Geimpften in den nächsten Tagen krank. „Die Impfreaktionen sind schlimmer ausgefallen als gedacht“, sagte ein Oberarzt dem NDR. Die Impfungen wurden daraufhin ausgesetzt, damit der Betrieb auch trotz übermäßiger Ausfälle gewährleistet bleibt. Bisher sei die Patientenversorgung allerdings trotz der Krankmeldungen sichergestellt. Einige Experten raten dazu, mit AstraZeneca nur die Hälfte der Belegschaft einer Station gleichzeitig zu impfen. So sollen die Ausfälle im Rahmen gehalten werden.

Experten verteidigen den Impfstoff von AstraZeneca

Aus verschiedenen Richtungen wird der Impfstoff von AstraZeneca verteidigt. Die Impfreaktionen sind „überhaupt nicht unerwartet“, sagte der Erlanger Infektionsimmunologe Christian Bogdan gegenüber der Deutschen-Presse-Agentur (dpa). „Die Symptome sind Ausdruck der Immunantwort, die zeigt, dass im Körper tatsächlich etwas nach der Impfung passiert“, so Bogdan weiter. Auch aus dem Robert-Koch-Institut (RKI) wird der Impfstoff verteidigt. Solche Reaktionen können bei allen drei zugelassenen Impfstoffen auftreten, heißt es vom RKI. In der Regel beginnen die Symptome kurz nach der Impfung und halten wenige Tage an. „Die ständige Impfkommission hat alle drei Impfstoffe als gleichermaßen geeignet für den Individualschutz bezeichnet“, sagte auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn bei einer Pressekonferenz Anfang Februar.

„Derzeit sind die gemeldeten Reaktionen so, wie wir sie aufgrund der Erkenntnisse aus unserem klinischen Studienprogramm erwarten würden“, teilte Hersteller AstraZeneca mit. In den Nebenwirkungen sieht das Unternehmen keinen Grund zur Beunruhigung. Lokale Reaktionen wie beispielsweise Schmerzen an der Injektionsstelle und generelle Symptome wie Müdigkeit, Kopfschmerzen und Unwohlsein, seien normal. Nach der ersten Impfung sollen sie häufiger vorkommen, nach der zweiten Dosis dann aber seltener auftreten.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) verteidigt den AstraZeneca Impfstoff.

Auswahlmöglichkeit bei Impfstoffen gefordert – Karl Lauterbach

Momentan können sich Bürgerinnen und Bürger in Deutschland nicht aussuchen, welchen Impfstoff sie bekommen. „Es muss eine Auswahlmöglichkeit der Impfstoffe für die Menschen geben, damit die Impfbereitschaft hoch bleibt“, sagte der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, der Rheinischen Post. Zwar sei der Impfstoff genauso sicher wie die anderen, „doch die geringere Wirksamkeit lässt sich nicht wegdiskutieren“. Außerdem äußerte er Verständnis für medizinisches Personal, dass sich nicht mit AstraZeneca impfen lassen wolle. Es sei „genau die Verunsicherung aufgetreten, die alle vermeiden wollten.“

Manche werten das als Aufforderung, den AstraZeneca Impfstoff nicht mehr zu verwenden. „Der Boykottaufruf von Montgomery gegen Astra Impfstoff für medizinisches Personal ist mE völlig verantwortungslos“, schrieb der SPD-Abgeordnete und Gesundheitsexperte Karl Lauterbach auf Twitter. „Astra Impfstoff kann bei meisten Mutationen schwere Verläufe und Tod verhindern, vielleicht bei allen.“ Lauterbach kündigte an, sich selbst mit dem AstraZeneca-Impfstoff behandeln zu lassen, wenn er ab Ende Februar als Impfarzt arbeite. Auch sein gesamtes Team wolle den britisch-schwedischen Impfstoff nutzen. „Wir vertrauen ihm“, schrieb Lauterbach. (Sebastian Richter)

Rubriklistenbild: © Luka Dakskobler

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