1. Startseite
  2. Panorama

Versteckte Pools

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Stefan Brändle

Kommentare

Bei immer heißeren Sommern, kommt oft ein eigener Pool sehr gelegen.
Bei immer heißeren Sommern, kommt oft ein eigener Pool sehr gelegen. © Hendrik Schmidt/dpa

Der französische Fiskus spürt steuerpflichtige Schwimmbecken neuerdings aus der Luft auf.

So verhöhnt eine Vereinigung verärgerter Steuerzahler:innen die neuste Erfindung des französischen Fiskus: „Baden Sie. Dann: Zahlen Sie!“ Denn der setzt auf Luftaufnahmen, um nicht deklarierte Privatschwimmbäder ausfindig zu machen. Möglich macht dies eine Software namens „innovativer Grund und Boden“, die mit Künstlicher Intelligenz arbeitet. Beim Testversuch in neun Departements an der Côte d’Azur, der Ardèche, in der Bretagne und Savoyen entdeckte das System auf Anhieb 20 000 noch nicht erfasste Wasserbecken.

Sie am Fiskus vorbei zu bauen, ist eine französische Spezialität wie das Schneckenessen. Nicht von ungefähr spült der Test laut der Steuerdirektion DGFiP rund zehn Millionen Euro in die Kasse betroffener Gemeinden. Die Software kostete zwar 24 Millionen Euro, soll aber schon nächstes Jahr amortisiert sein. Denn der Fiskus weitet den Versuch auf das ganze Land aus. Neu sollen ihm auch steuerpflichtige Veranden, Terrassen oder Anbauten ins digitale Adlerauge stechen. Das soll den Ertrag im nächsten Jahr auf 40 Millionen vervierfachen.

Zumal der Pool-Verkauf in Frankreich boomt: Hersteller vermelden zweistellige Zuwachsraten. Viele Bürgerinnen und Bürger zögen sich heute in ihr Landgut zurück und arbeiten von zuhause aus, erklärt sich Marktleader Desjoyaux den Trend. Homeoffice mit den Zehen im türkisblauen Wasser – was will man mehr?

Künstliche Gegenintelligenz

Doch da ist noch ein gegenläufiger Trend. Ein Ökotrend. Frankreich hat einen extremen Dürresommer erlebt und vielen Gemeinden, Flüssen und Stauseen ist das Wasser ausgegangen. Die Pool-Bewirtschaftung wurde daher vielerorts eingeschränkt, wenn nicht sogar untersagt. Grünenchef Julien Bayou regte nun ein Verbot privater Schwimmbäder an. Angesichts des Aufschreis von drei Millionen Pool-Besitzer:innen im Land musste er aber zurückkrebsen. Dafür begrüßt er die neue Aufspürsoftware des Fiskus. Sie wurde zwar nicht aus Klimagründen geschaffen, passt aber in die Epoche.

Die widerspenstigen Pool-Fans geben sich nun auch grün – auf ihre Art: Das Finanzportal „francetransactions“ empfiehlt, den Pool mit einer „grünen Schwimmbad-Abdeckung“ zu kaschieren, wenn er nicht benutzt werde. Den Drohnen- oder Satellitenaugen soll so ein (steuerfreies) Rasenstück vorgegaukelt werden. Das nennt sich dann wohl künstliche Gegenintelligenz.

Auch interessant

Kommentare