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Reinigungsteams am Strand von Solaro. afp
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Reinigungsteams am Strand von Solaro. afp

Umwelt

Verschmutzung mit Vorsatz

  • Stefan Brändle
    VonStefan Brändle
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Hohe Strafen gefordert: Ein Schiff lässt vor Korsika tonnenweise Öl ab. Solche Umweltvergehen bleiben oft unbemerkt

Es ist zwar keine ausgewachsene Umweltkatastrophe, doch der ökologische und wirtschaftliche Schaden für die französische Mittelmeerinsel Korsika ist erheblich. Die Kors:innen sind vor der Badesaison konsterniert – und wütend, weil niemand weiß, wer hinter der zweifellos vorsätzlichen Verschmutzung steckt.

Am vergangenen Freitag hatten Flugzeuge erstmals zwei Ölteppiche südöstlich von Korsika gesichtet. Der größte Teil treibt mit der Strömung auf das Meer hinaus. Doch an mehreren Stränden der Orte Porto-Vecchio, Solaro und Conca werden faustgroße Granulatstücke angeschwemmt. Sie verteilen sich auf einer Länge von insgesamt 500 Metern. Die Strände mussten geschlossen werden. Spezialeinheiten haben bereits mehrere Tonnen des verhärteten Schlicks eingesammelt. Mit fortschreitender Zeit kommen aber immer kleinere Stück an, die nur schwer zu entfernen sind.

Am Ursprung steht nach Ansicht aller Expertinnen und Experten ein unbekannter Kapitän, der eine Schiffstank geleert hat. Das ist illegal. Die Staatsanwaltschaft in der südfranzösischen Hafenstadt Marseille ermittelt. Sie versucht in einer ersten Phase, die Schiffsbewegungen der vergangenen Woche nachzuvollziehen. „Die Eingrenzung läuft“, teilt die Behörden mit. „Sie hat es bereits erlaubt, eine gewisse Anzahl verdächtiger Schiffe zu identifizieren.“

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1,5 Millionen Tonnen Öl entleeren Schiffe laut WWF-Schätzung jährlich allein im Mittelmeer

Bei dem Ablassen von Gasen, die im Schiffsrumpf explodieren könnten, kommt auch rund ein Fünftel flüssiges Öl frei. Kapitän:innen und Reedereien tun dies des Öfteren nachts und auf freiem Meer, um so die Kosten von Tankreinigungen zu umgehen. Ein Grund, dass diese Umweltvergehen selten zur Rechtfertigung gezogen oder die Schuldigen gar gefasst werden, ist die mangelnde Kooperation der betroffenen Anrainerstaaten.

Wie verbreitet solche Tankleerungen sind, ist naturgemäß schwer zu sagen. Vor Jahren hatte die Umweltorganisation WWF das Volumen in einem Bericht auf 1,5 Millionen Tonnen Öl im Jahr geschätzt – wohlgemerkt nur im vergleichsweise kleinen Mittelmeer. Diese Menge entspricht fast hundert schweren Erdölkatastrophen berüchtigter Tanker wie „Prestige“ (2002 in Nordspanien) oder „Erika“ (1999 in der Bretagne).

Frankreich bestraft diese illegale Praxis mit Geldstrafen, deren Höhe nach oben offen ist und mehrere Millionen betragen kann. Vor einem Jahr hatte ein Gericht in Brest in der Bretagne einem russischen Schiff eine Strafe von 800 000 Euro für die sogenannte „dégazage“ – das unerlaubte Ablassen – aufgebrummt.

Der Vorsteher des korsischen Exekutivrates, Gilles Simeoni, verlangt, dass „die Täter und die dahinter stehenden Verantwortlichen schwer bestraft werden“. Für Korsika ist der Imageschaden groß. Die „Insel der Schönheit“ hatte seit mehr als einem Jahr schwer unter der Pandemie gelitten. Die Reservierungen Reisender für die Sommermonate liefen auf vollen Touren. Jetzt machen bekannte Strände wie Santa Giulia Negativschlagzeilen. Ob es zu Stornierungen um den beliebten Badeort und Freizeithafen Porto-Vecchio kommt, ist noch nicht bekannt. Sicher ist, dass sich die angeschwemmten Ölteile auf einen sehr limitierten Bereich der langen korsischen Küste beschränken. Einige Strände an der Ostküste öffneten am Mittwoch bereits wieder.

Die angespülten Granulatstücke werden zusehends kleiner. afp

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