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In diesem Hotel in der südspanischen Provinz Málaga waren die Eltern mit ihrem krebskranken Sohn untergekommen.
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In diesem Hotel in der südspanischen Provinz Málaga waren die Eltern mit ihrem krebskranken Sohn untergekommen.

Zeugen Jehovas

Vergebliche Flucht

  • Martin Dahms
    VonMartin Dahms
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Eltern holen ihren fünfjährigen krebskranken Sohn aus dem Krankenhaus und fliehen mit ihm durch halb Europa. Doch die Polizei findet die Flüchtenden in Südspanien und machen der Odysee ein Ende.

Brett King macht einen gefassten und fürsorglichen Eindruck. Der 51-jährige Brite sitzt auf einem Hotelbett und hält seinen fünfjährigen Sohn Ashya auf dem Schoß, der über eine Sonde durch die Nase ernährt und mit Medikamenten versorgt wird. „Wir vernachlässigen ihn nicht“, sagt King in die Kamera, „er hat alles, was er im Krankenhaus hatte.“

Zwei Tage zuvor, am Donnerstag, hatten King und seine Frau den gemeinsamen Sohn aus einer Klinik im südenglischen Southampton geholt, wo ihm ein Hirntumor entfernt worden war. Nun ist die Familie in einem kleinen Hotel in der südspanischen Provinz Málaga untergekommen und nimmt ein Video auf, um sich zu erklären. Wenige Stunden später, am Samstagabend, kommt die Polizei, nimmt die Eltern fest und lässt den fünfjährigen Ashya in ein Kinderkrankenhaus nach Málaga bringen. Das Ende einer Flucht ins Nirgendwo. Die Geschichte der Familie King hatte ein paar Tage lang in ganz Europa Schlagzeilen gemacht. Die britische Polizei nannte die Kindesmitnahme eine „Entführung“ und ließ die Eltern über Interpol suchen. Der Junge schwebe in Lebensgefahr, wenn die Familie nicht bald gefunden werde. Schnell wurde bekannt, dass die Eltern den Zeugen Jehovas angehören, was Spekulationen über mögliche religiöse Motive der Flucht anheizte.

Währenddessen reisten die Kings unerkannt im Auto quer durch Frankreich und Spanien bis in die andalusische Provinz Málaga. Die Rezeptionistin des Hotels im Küstenort Benajarafe, in dem sich die Familie am Samstag einquartierte, hatte von deren Geschichte in den lokalen Medien gehört und informierte die Polizei: Sie glaube, dass die Gesuchten in ihrem Hotel seien. Kurz darauf kamen Beamte und machten der Odysee ein Ende.

Medizinische Gründe

Doch zuvor hatte Brett King die Gelegenheit genutzt, in einem zehnminütigen Video, das auf Youtube zu sehen ist, seine Beweggründe zu erläutern. Und wenn stimmt, was er sagt, waren die nicht religiöser, sondern medizinischer Art: Die Eltern fürchteten, dass die Strahlentherapie nach der operativen Entfernung des Tumors ihrem Jungen mehr Schaden als Nutzen bringe. Stattdessen schlugen sie eine sogenannte Protonentherapie vor, die weniger schädliche Nebenwirkungen habe. Sie seien bereit gewesen, das Geld für die Protonentherapie selber aufzubringen, erzählt der Vater im Video. Doch die Ärzte in Southampton hätten ihnen erklärt, dass diese Therapie im Falle ihres Sohnes „keinerlei Nutzen“ habe.

Die Kings wollten sich dem Verdikt der englischen Ärzte nicht beugen, und als sie immer wieder ihre Zweifel zur Sprache brachten, sei ihnen gedroht worden, ihnen die Besuchserlaubnis zu entziehen. Deshalb hätten sie sich entschlossen, mit Ashya das Krankenhaus in Southampton zu verlassen, auf der Suche nach einer Klinik irgendwo in der Welt, die sich auf bessere Weise um ihren Sohn kümmern würde.

Die Eltern sollen am Montag einem Richter des Nationalen Gerichtshofes in Madrid vorgeführt werden. Ob sie sich einer Straftat schuldig gemacht haben, ist gänzlich ungewiss.

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