Niederlande

Vater war Sektenmitglied

Auch Oberhaupt der isolierten Bauernhof-Familie in den Niederlanden festgenommen.

Im rätselhaften Fall der isolierten Familie auf einem Bauernhof in den Niederlanden richten sich die Ermittlungen nun auch gegen den Vater. Der 67-Jährige wurde ebenso festgenommen wie zuvor der österreichische Mieter des Hofes. Beide Männer stehen unter Verdacht, die sechs heute erwachsenen Kinder der Familie gegen deren Willen auf dem Gehöft im Dorf Ruinerwold festgehalten zu haben.

Neun Jahre lang sollen sie dort völlig isoliert gehaust haben. Die Männer werden der Freiheitsberaubung, Misshandlung und Geldwäsche verdächtigt, wie die Polizei am Donnerstagabend in Assen in der ost-niederländischen Provinz Drenthe mitteilte. „Wir denken, dass die sechs Personen dort nicht aus freiem Willen gelebt haben“, sagte Polizeisprecherin Nathalie Schubart.

Die Gründe sind zwar weiter unklar. Aber nach der eingehenden Durchsuchung des Hofes und Vernehmungen schließt die Polizei nicht aus, dass die Hintergründe in einer Art Sekte liegen könnten. Es werde untersucht, ob „eine bestimmte Lebens- oder Glaubensüberzeugung“ zu der Lebenssituation der Jugendlichen geführt habe. Zumindest der Vater war Mitglied einer Sekte.

Große Geldsumme gefunden

Ein Sprecher der sogenannten Vereinigungskirche des selbst ernannten und bereits verstorbenen koreanischen „Messias“ Sun Myung Moon bestätigte, dass der Mann vor Jahren Mitglied gewesen sei. Zu der Familie sollen noch drei weitere Kinder gehören. Sie seien bereits vor acht Jahren geflohen, hieß es in einer Erklärung von Angehörigen, die niederländische Medien veröffentlichten. Danach hatte der Vater schon vor Jahren den Kontakt zu seiner Familie abgebrochen.

Im 4000-Einwohner-Dorf Ruinerwold herrsche „Fassungslosigkeit und Ohnmacht“, sagte der Bürgermeister der Kommune De Wolden, Roger de Groot, in der Nacht zum Freitag. „Offensichtlich ist es möglich, dass eine Familie so lange unter dem Radar bleiben kann.“ Auf dem abgelegenen Hof in der Provinz Drenthe hatten die Ermittler auch eine große Summe Bargeld sichergestellt. Da die Herkunft nicht bekannt ist, wird der 67-jährige Vater auch der Geldwäsche verdächtigt. Einen Betrag nannte die Polizei nicht.

Die Kinder im Alter von 18 bis 25 Jahren würden versorgt und seien an einem sicheren Ort, sagte die Polizeisprecherin. Der Vater werde der Misshandlung verdächtigt, da er möglicherweise den Kindern ärztliche Versorgung vorenthalten habe. Ein 25 Jahre alter Sohn hatte den Fall überhaupt erst ans Licht gebracht, als er in der Dorfkneipe um Hilfe bat.

Mit den Kindern könne man kommunizieren, sagte ein Sprecher der Polizei am Freitag, und auch festgenommene Vater sei ansprechbar. Die Ermittlungen konzentrieren sich nun auf sein motiv. Die Kinder hätten heftig auf die Festnahme des Vaters reagiert, sagte die stellvertretende Polizeichefin in Drenthe, Janny Knol, im niederländischen Fernsehen. Die Polizei und auch Psychologen würden mit ihnen reden. „Dass sie nicht unbedingt dasselbe Verhalten zeigten wie wir, ist deutlich.“

Neun Jahre lang hätten sie in einem abschließbaren isolierten Raum mit mehreren Kammern gehaust, sagte sie. Nur ab und zu seien sie im Garten gewesen, aber sie hätten das Gelände nie verlassen. Die heute 18- bis 25-jährigen Kinder hatten nach Polizeiinformationen nie eine Schule besucht, doch sie können lesen und schreiben und würden alle niederländisch sprechen. (dpa)

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