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Nimm das: Den mülleimertauglichen Strauß gibt’s online schon für 7,50 Euro.

Valentinstag

Für dich soll’s tote Rosen regnen

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Am Valentinstag ist der perfekte Tag zum Schlussmachen. Das findet jedenfalls ein niederländisches Unternehmen – und verschickt verwelkte Blumen.

Damit geht es doch schon los. Nicht nur, dass die Wurzeln des Valentinstags nach wie vor nur vage geklärt sind. Alle Ursprungsgeschichten und Herleitungsversuche sind ungefähr so schön wie das deutsche Wetter im Februar. 

Die „Liebeslotterie“ im alten Rom, bei der die Herren Zettelchen mit Frauennamen aus dem Körbchen zogen, um dann für ein Jahr ein „scherzhaftes Liebesverhältnis“ einzugehen? Nur wenig romantisch. Die Hinrichtung des später heiliggesprochenen Märtyrers Valentin um 270 nach Christus? Eher ungemütlich. Der „Tag der offenen Herzen“, den deutsche Blumenhändler in den 1950ern ins Leben riefen? Hat mit echter Liebe eher weniger zu tun. 

Wie man’s dreht und wendet: Zumindest im Ursprung muss man den Valentinstag am morgigen 14. Februar eher mit hochgezogenen Augenbrauen denn durch eine rosarote Brille betrachten. Tun aber gar nicht mal so viele Deutsche, wie aktuelle Zahlen zeigen. Laut einer repräsentativen Forsa-Umfrage gibt mit 52 Prozent immerhin die Hälfte der Bevölkerung Geld für Valentinstagsgeschenke aus. 

Und was wird meist gekauft und weitergereicht? Genau, Blumen, die an zumindest einem Tag des Jahres sagen: Ich halte es auch weiterhin mit dir aus. Längst hat dieser Ablasshandel der Liebe gigantische Ausmaße angenommen. 2017 wurden Schnittrosen allein in Deutschland auf gut 323 Hektar angebaut, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Dienstag vermeldete. 

Das entspricht etwa der Fläche von 450 Fußballfeldern – und ist den hiesigen Turteltauben trotzdem nicht genug. Ein Großteil der Rosen, die ihr tristes Dasein in deutschen Vasen fristen, kommt nämlich gar nicht von diesen 450 Fußballfeldern, sondern aus Großfarmen in Afrika und Südamerika. „Gut, dass ich da nicht mitmache!“ – könnte sich der umweltbewusste Single sagen. 

Tun aber gar nicht mal so viele Deutsche, wie zahllose Mutmach-Artikel und Selbsthilfebücher zeigen. Gerade am Valentinstag wird der Single offenbar zum Pflegefall, um den sich gekümmert werden muss. Dabei stecken doch gar nicht mal so selten die vermeintlich Verliebten in der richtigen Misere, findet Max Pater: „Der Valentinstag hat neben seinen rein kommerziellen Absichten auch einen nicht gewollten Nebeneffekt“, lässt er verlauten. „Er vernebelt die Vorstellung und den wahren Status deiner aktuellen Liebe.“ 

Soll heißen: Spätestens am 14. Februar sehen die Partner den Wald vor lauter Rosen nicht. Konfrontiert mit all den Herzpostkarten, merken sie gar nicht, dass sie längst nichts mehr zum Draufschreiben haben. „Dadurch verlängert sich mitunter eine Beziehung, die eigentlich ein Ende finden sollte“, so Pater. „Wir sehen einen Bedarf für diese Produkte.“

„Diese Produkte“ – das sind „verwelkte Blumen“, „unartige Briefe“ oder „widerliche Parfüms“, die online bestellt und verschickt werden können, gerne anonym. „Ein Blumenstrauß mit verwelkten Blumen kostet 7,50 Euro, für noch geringere Wertschätzung gibt es die einsame Rose für zwei Euro“, wirbt Paters niederländisches Unternehmen Pleurop, der Duft „Eau de Poisson“ für Sie riecht nach vergammeltem Fisch, „Eau de Vinaigre“ für Ihn nach Essig.

Eigentlich wäre das ja Botschaft genug. Pleurop aber bietet das beziehungsendzeitliche Rundum-sorglos-Paket: „Die Poeten unter den (Un-)Liebenden können zudem eine kurze Nachricht mit dem miserablen Valentinstagsgeschenk verbinden. Für alle Schreibfaulen erledigt Pleurop das in einem fiesen Brief, für nur einen Euro.“ Praktisch – und günstiger als jede Fußballfeldrose. 

Natürlich bietet sich das Angebot von Pleurop – was ganz programmatisch so viel wie „Verpiss dich“ auf Holländisch heißt – längst nicht nur für unglücklich Verpartnerte an, die ihre schlechtere Hälfte endlich los werden wollen. Ähnlich wie der aus Kinderstreichen bekannte „Hundehaufen in brennender Papiertüte auf Fußmatte“ oder die tote Ratte im Briefkasten lassen sich natürlich auch die Pleurop-Präsente an jeden verschenken, der einem ganz und gar unlieb und gar nicht mal so teuer ist. Was die Sache erst so richtig interessant macht. 

Denn wenn auch nicht jeder jemanden zum wahlweise Lieben oder Schlussmachen hat – jemanden, der sich verpissen soll, kennt doch auch der einsamste Single.

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