Verändertes Wahlverhalten

US-Wahl 2020: Donald Trump gegen Joe Biden - Wo das Rennen besonders eng wird

  • Marcel Richters
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Nach dem furiosen Sieg von Donald Trump bei der letzten US-Wahl 2016 ist vier Jahre später nur eines sicher: Die Wählerschaft macht, was sie will. In manchen Bundesstaaten wird es deshalb besonders spannend.

  • In den USA zeigt sich in vielen Staaten ein verändertes Wahlverhalten.
  • Die Gründe sind vielfältig, einige Umschwünge kamen schnell, andere dauern schon Jahrzehnte.
  • Auch nach der Präsidentschaftswahl 2020 könnten die Änderungen nachwirken.

Washington - Donald Trump hat mit seinem Wahlkampf die USA nachhaltig verändert. Schon bei der Präsidentschaftswahl 2016 zeichnete sich ab, dass alte Gewissheiten beim Wählerverhalten in den USA nicht mehr die große Rolle spielen. Eine Analyse der Website FiveThirtyEight.com macht deutlich: Es könnte noch weiter gehen.

Deutliche Verschiebung bei der Präsidentschaftswahl im Rust Belt

Eine deutlich sichtbare Bewegung beim Wählerverhalten fand im Rust Belt statt. Einer Region, die einst für ihre Arbeiterkultur und starke Industrie bekannt war. Dort veränderte der Bedeutungsverfall der Schwerindustrie nicht nur die wirtschaftliche Struktur, auch die Präferenzen der Wähler*innen wandelten sich - und zwar nach rechts. Staaten wie Iowa, Ohio, Michigan und auch Maine mit ihrer großen, unteren Mittelschicht waren lange Zeit Hochburgen der Demokraten. Während das bei den Wahlen 2008 und 2012 noch deutlich zu sehen war, kam 2016 ein geradezu radikaler Wandel zum Tragen. Ganze sieben Prozent rutschte das Wahlvolk in Richtung der Republikaner und zu Donald Trump. Die größte Veränderung in allen untersuchten Staaten.

Eine Erklärung für diesen abrupten Wandel ist wohl darin zu suchen, dass sich viele der Weißen mit mittlerem Bildungsabschluss im Staat nicht von Hillary Clinton als Kandidatin angesprochen gefühlt haben. Denn diese Wählergruppe macht nicht nur einen Großteil der Einwohnerschaft des Rust Belts aus, sie wählte auch vornehmlich Donald Trump. Sicher ist das aber nicht, insbesondere in Maine ist laut der Untersuchung von FiveThirtyEight.com ein recht großer Unsicherheitsfaktor bei der Wahl zu beobachten.

Weniger deutlicher Trend zu Republikanern in anderen Regionen

Aber auch andere Staaten in und außerhalb der Region bewegten sich nach rechts. Minnesota und Wisconsin liegen ebenfalls im Norden, New Hampshire und Pennsylvania an der Westküste, Nevada im Südwesten. In diesen Staaten wuchs die Zustimmung zu Donald Trump und den Republikanern, wenn auch weniger stark. Das liegt möglicherweise an den Metropolregionen in vier dieser fünf Staaten. In diesen Metropolregionen wird für gewöhnlich eher links und demokratisch gewählt. Für New Hampshire und Wisconsin sagt die Analyse einen Gegentrend auf, sodass in diesen Staaten die Demokraten wieder an Bedeutung gewinnen könnten. Für Minnesota könnte sich ein weiteres Driften nach rechts abzeichnen.

Republikanische Hochburgen veschieben sich nach Links

Andere „Battleground States“ - wie die bei der Wahl hart umkämpften Staaten in den USA genannt werden - bewegen sich von republikanischen Hochburgen deutlich nach links. Besonders im Süden und Westen, namentlich Arizona, Georgia und Texas, ist eine solche Verschiebung zu beobachten. Ganze vier Punkte bewegten sich diese Staaten bei der Wahl 2016 nach links. In Arizona schafften es die Demokraten bei den Senatswahlen 2018 sogar einen Sitz zu erringen - zum ersten Mal seit 1988. Der Sieg in Texas war für die Republikaner 2018 nur ein knapper, genauso bei der Governeurswahl in Georgia - beides eigentlich absolute Hochburgen für die Partei von Donald Trump.

Wie aber kam es zu einer solchen Verschiebung in den ehemaligen konservativen Kernstaaten? Ein möglicher Grund ist die wachsende ethnische Diversität. Texas und Arizona haben einen großen Anteil an Hispanisch-stämmigen Menschen, in Georgia ist rund ein Drittel der Bevölkerung afroamerikanisch. Hinzu kommt, dass die eher dünn besiedelten Bundesstaaten ebenfalls große Metropolregionen beheimaten. Vorteil für die Demokraten.

Joe Biden kann teils neun Punkte Vorsprung gut machen

In einigen Staaten wie Colorado und Virgina vollzieht sich der Wechsel von einer republikanischen Stammwählerschaft zu einer eher linken Wählerschaft schon über rund zwei Jahrzehnte hinweg. Dort macht sich ebenfalls die Diversifikation der Bevölkerung bemerkbar - ein Fünftel der Einwohner in Colorado ist hispanisch, ein Fünftel in Virgina schwarz. Auch die gebildete weiße Oberschicht tendiert zunehmend zu den Demokraten. Hinzu kommen urbane Regionen rund um Denver und Washington, D. C. In diesem Umfeld ist es wenig verwunderlich, dass Joe Biden in Umfragen mit je rund neun Prozent vor seinem Gegenkandidaten liegt.

Nicht immer gelten die selben Regeln im Wahlverhalten

In einem gewissen Kontrast dazu stehen Florida und North Carolina. Beide Staaten haben zwar ebenfalls eine diversifizierte Bevölkerung, zeigen im Wahlverhalten aber einen rechten Einschlag, mit wenig Veränderung in den letzten Jahren. Florida hat zwar viele Hispanics und Schwarze unter den Einwohner*innen, aber auch viele Rentner, wobei letztere eher zu den Republikanern tendieren. Von den Hispanics sind allerdings auch viele Teil der kubanischen Diaspora. Diese wiederum tendiert traditionell dazu, konservativ zu wählen.

North Carolina ist ein Swing State, einer der Staaten, die mal republikanische, mal demokratische Mehrheiten haben. Allerdings gibt es in North Carolina einen größeren Anteil an weißen Wähler*innen ohne höheren Bildungsabschluss. Außerdem ist der Staat ländlicher geprägt, was ebenfalls den Republikanern einen Vorteil verschafft.

Veränderungen könnten auch nach der Präsidentschaftswahl 2020 wirken

Es zeichnet sich also ab, dass 2020 ein Wendepunkt werden könnte, was die Verteilung von Wahlstimmen in den USA angeht. Alte Gewissheiten könnten endgültig fallen, aber es könnte auch zu einer Gegenbewegung kommen. Viele der Bewegungen, die 2016 sichtbar wurden, könnten sich 2020 fortsetzen. Zugleich könnten sich diese Veränderungen auch auf die Parteien auswirken und sich damit noch lange nach der Wahl 2020 auswirken. (Von Marcel Richters mit FiveThirtyEight)

In den umkämpften „Swing States“ kämpfen die Präsidentschaftskandidaten um die Deutungshoheit. So nutzt Donald Trump den „Charlottesville-Hoax“, um die Realität zu seinen Gunsten zu verdrehen. Bei einer Wahlkampfveranstaltung in North Carolina missachteten Trump und seine Fans die Corona-Regeln.

Biden will mithilfe der Briefwahl den Kampf ums Weiße Haus manipulieren: Diese Verschwörungstheorie verbreitet Donald Trump immer wieder. Dem US-Präsidenten könnten die Äußerungen um die Ohren fliegen.

Rubriklistenbild: © Kyle Rivas / GETTY IMAGES NORTH AMERICA / Getty Images via AFP

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