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Portland, USA: Ein Mitglied einer rechtsextremen Gruppierung zielt mit seinem Gewehr auf einen Journalisten. Laut Polizei soll es sich um eine Airsoft-Waffe handeln.
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Portland, USA: Ein Mitglied einer rechtsextremen Gruppierung zielt mit seinem Gewehr auf einen Journalisten. Laut Polizei soll es sich um eine Airsoft-Waffe handeln.

USA

Proud Boys marschieren wieder – und sorgen in Portland für Unruhe

  • Lukas Rogalla
    VonLukas Rogalla
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Lange war es ruhig in Portland. Nun kehren die rechtsextremen Proud Boys zurück – und liefern sich Gefechte mit linken Gruppen.

Portland – Im vergangenen Jahr war die Stadt Portland eines der Zentren rechter Aufmärsche in den USA. Dabei gilt die Stadt im Bundesstaat Oregon an der Nordwestküste eigentlich als liberale Hochburg. Meist als Antwort auf Proteste gegen rassistische Polizeigewalt waren wiederholt rechte Gruppierungen angereist, darunter auch die sogenannten Proud Boys, die als treue Unterstützer des damaligen US-Präsidenten Donald Trump gelten. Bei den Protesten war es in Portland regelmäßig zu Gewalt gekommen. Eine Person starb.

Mit den Szenen am 6. Januar in Washington D.C., auf der anderen Seite des Landes, hatte sich die Lage wieder beruhigt, zumindest für sieben Monate. Denn nun haben sich erneut rechte Gruppen in Portland versammelt. Zu sehen waren Uniformen der Proud Boys, Waffen und ein Mann, der sich wegen der Ausschreitungen im Kapitol vor Gericht verantworten muss.

USA: Proud Boys kehren zurück – Auseinandersetzungen in Portland

Anlass für die Präsenz der Proud Boys in Portland am Samstag und Sonntag (7. und 8. August 2021) war der Auftritt eines Anti-LGBTQ-Priesters und eines Corona-Skeptikers im Rahmen einer religiösen Kundgebung. Das berichtet die Lokalzeitung Portland Mercury – wohl ein Event mit hoher Anziehungskraft. Rechte Gruppen spielten bewaffnet „Security“. Bald standen sie Gegendemonstrant:innen der Antifa gegenüber. Polizei sei kaum zu sehen gewesen.

Eine rechte Gruppierung hatte sich selbst dabei gefilmt, einen allein stehenden Mann homophob zu beschimpfen, bevor sie ihm seinen Becher Kaffee und sein Handy aus der Hand schlagen, ihn schlagen, zu Boden schubsen und mit einem Baseballschläger bedrohen.

Der bereits aus dem Kapitol bekannte Jeff G., der auf sein Gerichtsverfahren wartet, gab in einem Facebook-Video zu, nun auch in Portland dabei gewesen zu sein. „Leute sagen, man kann die Antifa nicht bekämpfen“, wird er zitiert. „Man kann das Böse nicht damit bekämpfen“, sagt er, als er seine Fäuste erhebt. „Stellt euch vor: Das könnt ihr. Solange er anführt, kann man die hier benutzen.“ Dabei zeigte er gen Himmel und hob seine Fäuste erneut an. Ein Foto zeigt ihn auf einem Pickup-Truck, zusammen mit sieben anderen Männern, ausgestattet mit Baseballschlägern, einem Schild und etwas, das an Pfefferspray erinnert. Die Gewalt am Wochenende in Portland sei auf die Linken zurückzuführen, behauptet Jeff G.

Erneut Unruhen in Portland: Rechte und linke Gruppen liefern sich Kämpfe

Ein Video des Journalisten Sergio Olmos zeigt Einsatz von Pfefferspray einer wohl linken Gruppe, die rechte Gruppierung antwortet mit Schüssen aus einer Paintball-Waffe. Die Polizei von Portland war direkt vor Ort, griff allerdings nicht ein. Eine Passantin, die aus Neugier auf dem Weg zur religiösen Kundgebung war, sei von „schwer bewaffneten Wachen“ angehalten worden, die sich zunehmend feindselig verhalten und sie aufgefordert hätten, das Gebiet zu verlassen. Weil die 50-Jährige verbalen Widerstand geleistet hatte, sei sie geschubst und ihr ein Schlagstock in den Brustkorb gedrückt worden. Ein anderer Mann habe gleichzeitig ihr Fahrrad genommen und es auf den Boden geschmissen.

Woanders in Portland wurde ein Gewehr in Richtung eines Journalisten und weiterer Personen gehalten, wie Fotos und Videos zeigen. Die Polizei gab später bekannt, dass es sich dabei nur um eine Airsoft-Waffe gehandelt habe. Über die orangefarbene Spitze, die solche nicht-tödlichen Waffen normalerweise auszeichnet, verfügt das Gewehr allerdings nicht.

Auch der bekannte Proud Boy Tusitala „Tiny“ Toese war vor Ort. Videos zeigen ihn in Auseinandersetzungen mit linken Gruppierungen. Er lebt zwar im Bundesstaat Washington, reist laut dem Nachrichtenportal The Daily Beast jedoch regelmäßig nach Portland. Weil er dort vor einigen Jahren einen Mann geschlagen hatte, ist er zur einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Indem er seinen Staat verlassen hatte und zu einer Pro-Trump-Versammlung nach Portland gereist war, verstieß Toese allerdings gegen Bewährungsauflagen und musste in Haft.

USA: Unruhen in Portland als Vorläufer der Kapitol-Erstürmung

Juan Chavez, Direktor einer Bürgerrechtsorganisation in Oregon, erinnert sich an weitere Versammlungen rechtsextremer Gruppen in der Region. Einige würden die Proud Boys noch immer als „Propaganda“ nutzen. Einmal habe die Gruppierung ungestört über eine Brücke in Portland laufen können, die eigentlich von der Polizei abgesperrt war. Abseits von Portland gelten Teile von Oregon als Hochburgen rechter Milizen.

„Es gibt dieses Bild, das wie ein Renaissance-Gemälde ist“, erzählt Chavez. „Mit mehreren Persönlichkeiten, die später im Kapitol waren und nun im Gefängnis sind oder strafrechtlich verfolgt werden.“ Die ausgebliebenen Konsequenzen nach Unruhen in Portland habe die Proud Boys ermutigt. „Natürlich können sie einfach in das Kapitol marschieren und tun, was sie taten. Sie haben das hier gelernt.“ Ein lokaler Bürgerrechtsaktivist, Zakir Khan, bezeichnet die rechten Versammlungen in Portland als Vorläufer der Kapitol-Erstürmung – und fürchtet neue Eskalationen, vor allem weil die rechten oder rechtsextremen Gruppierungen wie die Proud Boys von den Behörden nicht als ernsthafte Bedrohung eingeschätzt werden.

Auch Jeff G. vergleicht die Events: „Das ist das Gleiche, das ich bereits im Kapitol angerichtet hab“, heißt es im besagten Facebook-Video. „Ich habe nichts falsch getan. Ich habe stolz und friedlich protestiert. Was alle wissen, ist eine Lüge. Und wisst ihr was? Es wurde immer und immer wieder bewiesen. Also wisst ihr was? Ich habe euch erzählt, dass ich nicht kauern werde. Ich werde nicht aufhören, ich werde mich nicht beugen. Nein. Ich werde zurück sein.“ In Portland ist am Wochenende niemand verhaftet worden. (lrg)

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