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Schockierende Szenen aus den USA. Ein Mann stirbt in Polizeigewalt, eine Beamtin beschimpft ihn dabei noch.
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Schockierende Szenen aus den USA. Ein Mann stirbt in Polizeigewalt, eine Beamtin beschimpft ihn dabei noch. (Screenshot)

Tennessee

Neuer Fall von Polizeigewalt erschüttert die USA: „Du sollst gar nicht atmen können“

  • Yannick Wenig
    VonYannick Wenig
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Wieder stirbt in den USA ein Mann in Polizeigewahrsam. Eine Beamtin beschimpft das Opfer während seines Überlebenskampfes auch noch.

Lewisburg – Wieder einmal sorgt ein Fall von Polizeigewalt in den USA für Aufsehen. Diesmal in Lewisburg, im US-Bundesstaat Tennessee. Konkret geht es um den 48-jährigen, fünffachen Familienvater William Edward Jennette Jr., der in Gewahrsam der Polizei am 6. Mai 2020 im Marshall County Jail ums Leben kam.

Zunächst wurde dem Fall William Jennette nur wenig Aufmerksamkeit zuteil. Erst nachdem eine Tochter des Verstorbenen Klage gegen den Bezirk, die Stadt Lewisburg und mehrere Vollzugs- und Polizeibeamte wegen des „Schlagens, Erstickens und daraus resultierenden Todes“ von William Jennette eingereicht hatte, kam Bewegung in die Sache. Eine exklusive Recherche des regionalen Fernsehsenders Newschannel 5 aus Nashville brachte nun neue Details ans Licht. Speziell ein Video aus dem Gefängnis, das die letzten Minuten aus dem Leben Jennettes zeigt, sorgt dabei für Empörung. Spätestens seit dem gewaltsamen Tod des Afroamerikaners George Floyd durch den Ex-Polizisten Derek Chauvin schwelt in den USA ohnehin eine hitzige Debatte um – insbesondere rassistisch motivierte – Polizeigewalt.

Polizeigewalt in den USA: Fall im Bundesstaat Tennessee sorgt für Empörung

Das entsprechende Video, das dem Nachrichtensender Newschannel 5 vorliegt, zeigt das rigorose Vorgehen der Gefängniswärter im Marshall County Jail in Lewisburg am 6. Mai 2020, das schließlich zum Tod von William Jennette führte. Dem vorangegangen war die Festnahme Jennettes wegen Trunkenheit in der Öffentlichkeit und Erregung öffentlichen Ärgernisses zwei Tage zuvor. Bei der Festnahme soll sich Jennette den Beamten zudem widersetzt haben. Wie die investigative Recherchearbeit des örtlichen Nachrichtensender hervorbrachte, zeigen die Gefängnisprotokolle, dass Jennette in Gewahrsam der Polizei „halluziniert“ hat und „entgiftete“. Darüber hinaus musste er zu seinem eigenen Schutz auf einem Stuhl fixiert werden, da er seinen Kopf zuvor gegen die Wand seiner Zelle schlug.

Das Video des besagten Tages, dem 6. Mai 2020, zeigt, wie die Situation in dem US-Gefängnis eskalierte. Jennette weigerte sich, sich erneut von den Vollzugsbeamten an einem Stuhl fixieren zu lassen. Drei Gefängnisaufseher stürzten sich mit Unterstützung weiterer Polizeibeamter auf den Inhaftierten und drückten ihn zu Boden, wo sie ihn mit den Knien auf dem Rücken fixierten und ihm Handschellen anlegten.

Das Vorgehen der Beamten erinnert dabei stark an das des inzwischen verurteilten Ex-Polizisten Derek Chauvin im Fall George Floyd in Minneapolis. Dieser gilt als Startschuss für eine Welle der Proteste gegen Polizeigewalt und die „Black Lives Matter“-Bewegung in den USA sowie der ganzen Welt. Der neue US-Präsident Joe Biden hatte das Urteil gegen Chauvin im Anschluss als „Schritt in die richtige Richtung“ bezeichnet.

Polizeigewalt: „Du solltest gar nicht atmen können“ - Mann in den USA erstickt in Gewahrsam

Im weiteren Verlauf des Videos ist zu sehen, wie William Jennette nach Luft ringend, sich wehrend und um Hilfe schreiend mit dem Gesicht nach unten und in Handschellen auf dem Boden gehalten wird. Gegen dieses brutale Vorgehen der Polizei richtet sich auch die Klage von Dominique Jennette, der Tochter des Getöteten. „Sie hätten bewusster sein sollen. Sie hätten richtig geschult werden sollen, aber das wurden sie nicht“, sagte die Tochter des Getöteten. Als „nicht akzeptabel“ bezeichnet auch der Rechtsprofessor und ehemalige Polizeibeamte Seth Stoughton das Vorgehen der Polizei: „Das ist das genaue Gegenteil von dem, was allgemein akzeptierte Ausbildung die Offiziere in den letzten 25 Jahren gelehrt hat.“

Im Video ist außerdem zu sehen, wie William Jennette die Beamten verzweifelt und mehrfach dazu auffordert, von seinem Rücken herunterzusteigen da er nicht atmen könne. Die erschreckende Antwort einer beteiligten Beamtin, die in dem Video deutlich zu hören ist: „You shouldn‘t be able to breathe, you stupid bastard“. Übersetzt: „Du solltest gar nicht atmen können, du dummer Bastard“. Erst einige Momente später mahnte ein Beamter zur Vorsicht und warnte vor einer möglichen Erstickung des Inhaftierten. Dies wurde aber von dem auf dem Rücken von Jennette knienden Beamten ignoriert.

Wohl resignierend sind Jennettes letzte Worte: „I‘m good“ („Es geht mir gut“) zu hören. Die Antwort eines Beamten folgte auf dem Fuße: „No, you ain‘t good. You‘re going to lay right there for a fucking minute“ (Nein, es ist nicht gut. Du wirst hier noch für eine Minute liegen“). Wenige Augenblicke später war William Jennette tot. Das Video könnte die Debatte um Polizeigewalt in den USA erneut anheizen.

Polizeigewalt in den USA: Keine Anklage gegen Beamte - „Alles, was er wollte, war Hilfe“

Der ebenfalls vom US-Sender Newschannel 5 veröffentlichte Autopsiebericht enthüllt, dass als Todesursache eine „akute kombinierte Drogenvergiftung“ mit Amphetaminen festgestellt wurde. Allerdings, und auch das gibt der Bericht her, wurde „Erstickung“ als „mitwirkende Todesursache“ angegeben. Der Tod William Jennettes wurde somit von den verantwortlichen Gerichtsmedizinern als „Homicide“, kategorisiert. Eine Einstufung, die im amerikanischen Rechtsverständnis sowohl Mord, als auch Totschlag bedeuten kann. Außerdem stellte die Autopsie mehrere Rippenbrüche fest.

Der Fall William Jennette landete schließlich vor der Geschworenen-Jury. Eine Anklage gegen den beteiligten Beamten wurde allerdings nicht erhoben. Sheriff und Staatsanwalt in dem Bezirk im Bundesstatt Tennessee wollten den Vorfall und das Ergebnis auf Anfrage von Newschannel 5 nicht kommentieren. „Es fühlt sich einfach so an, als würde mir ständig das Herz aus der Brust gerissen, und da ist kein Frieden“, sagte Tochter Dominique Jennette.

Die Familie von William Jennette hofft nun, dass andere Polizei-Behörden in den USA von dem Vorfall lernen und etwas gegen die immer wieder vorkommende Polizeigewalt unternehmen. Tochter Calli Jennette sagte zum Tod ihres Vaters: „Alles, was er wollte, war Hilfe und alles, was er bekam, war Hass. Das ist nicht richtig“. (Yannick Wenig)

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