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USA: Polizei feuert tödliche Schüsse auf Teenager – „Er hatte nie eine Chance“

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Von: Nadja Austel

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Polizeiband blockiert die Straße in der Nähe des Tatorts. (Symbolbild)
Polizeibeamte in Philadelphia geben tödliche Schüsse auf 12-Jährigen ab. (Symbolbild) © dpa/Rich Pedroncelli

Zwei Polizeibeamte in Philadelphia (USA) eröffnen das Feuer auf einen Jungen, der angeblich bewaffnet ist. Die tödliche Kugel trifft ihn auf der Flucht in den Rücken.

Philadelphia – Am Dienstagabend (02.03.2022) kommt es in der Großstadt in den USA zu einer Tragödie: Ein Siebtklässler stirbt an der fatalen Schussverletzung, die ihm zwei Polizisten zugefügt hatten. Gegen 19.20 Uhr abends (Ortszeit) seien die Polizeibeamten zwecks Ermittlungen am Tatort gewesen, heißt es in einem Bericht von The Daily Beast. Sie waren dabei in Zivil unterwegs, das Fahrzeug der Beamten sei ebenfalls kein offensichtlicher Polizeiwagen gewesen. Laut Polizeiangaben hätten sie eine Person gesucht, die sie im Rahmen ihrer Ermittlungen befragen wollten. 

Der 12-jährige Thomas Siderio und ein 17-Jähriger hätten vor Ort an einer Ecke gestanden, Siderio habe eine Handfeuerwaffe bei sich geführt. Als die Beamten ihr Blaulicht einschalteten, sei ein Schuss auf ihren Dienstwagen abgegeben worden. Das Projektil habe das hintere Fenster durchschlagen und den Beifahrersitz getroffen. Zwei der Beamten hätten daraufhin das Feuer auf die zwei Jungen eröffnet; die seien geflüchtet, so der Artikel von The Daily Beast. Einer der Polizisten traf Thomas Siderio dabei in den Rücken. Die Kugel durchschoss den Brustkorb des Jungen und trat durch die Brust aus.

Links ist ein Porträt von Siderio zu sehen. Rechts das Fenster des Polizeiwagens mit Einschussloch im Fenster.
Der 12-jährige Thomas Siderio habe eine Handfeuerwaffe bei sich getragen. Bestätigt wurde dies noch nicht. © Screenshot ABCNews

USA – Philadelphia: Polizei feuert tödliche Schüsse auf 12-Jährigen

In einer Pressekonferenz am Mittwoch (02.03.2022) räumte Hauptkommissar Benjamin Naish laut Daily Beast jedoch ein, dass bisher nicht festgestellt werden könne, dass der initiale Schuss auf die Beamten tatsächlich von dem 12-Jährigen abgegeben wurde. Naish konnte außerdem keine Angabe darüber machen, ob die Beamten von Thomas Siderio vor der Eröffnung des Feuers gefordert hatten, stehenzubleiben oder die Waffe niederzulegen. Die Polizisten trugen auch keine Körperkameras, wie es in den USA sonst der Fall ist. Da die Beamten nicht vollständig uniformiert waren, sei dies nicht vorgeschrieben.

Auf Material von Überwachungskameras am Tatort allerdings, das unter anderem über ABC News Philadelphia öffentlich gemacht wurde, ist der Schusswechsel – mit einem initialen Schuss und vier weiteren kurz danach – hörbar, die Schützen sind jedoch nicht erkennbar. Auch die Reaktion der Beamten in den Momenten nach der Verwundung Siderios wurde von einer weiteren Kamera eingefangen: Sie laufen hektisch auf und ab, einer hält sich die Hand in offenbarer Verzweiflung an den Kopf.

USA – Polizeigewalt: Philadelphia trauert um Jungen, der „nie eine Chance hatte“

Der verwundete Siderio wurde anschließend in ein Krankenhaus transportiert, wo um 19.29 Uhr sein Tod festgestellt wurde. Eine Freundin der Familie, Brittany Golden, erklärt gegenüber The Daily Beast, Thomas habe es nicht leicht gehabt. Nachdem sein Vater ins Gefängnis gekommen war, sei er durch die Obhut mehrerer Familien gegangen. In 2020 sei er von seinem Wohnort abgehauen. „Er wollte nur, dass sich jemand um ihn kümmert“, so Golden.

Eine weitere Bekannte berichtet: „Er hatte es von Anfang an schwer. Er hatte nie eine Chance.“ Von einer Waffe, die sich in seinem Besitz befand, habe sie tatsächlich gehört. Er habe damit angeben wollen. Laut Daily Beast sei Thomas 17-jähriger Begleiter kurzzeitig in Haft genommen, jedoch schnell wieder entlassen worden. 

Der Vorfall werde nun intern aufgearbeitet; die zwei Beamten, die am tödlichen Schusswechsel beteiligt waren, wurden suspendiert. Siderios Schule hielt eine stille Gedenkveranstaltung zu seinen Ehren ab und bot Trauerberatung und Unterstützung an. Die Gewalt durch Polizeibeamte zeigt sich in den USA immer wieder als ein Problem. (na)

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