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Fötus nicht lebensfähig – Frau reist 4000 Kilometer für Abtreibung

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Von: Johanna Soll

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Frauenklinik in den USA (Symbolbild)
Frauenklinik in den USA (Symbolbild) © Angela Weiss/AFP

Ihr Fötus hat keine Überlebenschance, trotzdem wird Nancy Davis in Louisiana eine Abtreibung verweigert. „Ich müsste mein Baby austragen, um es zu begraben“.

Baton Rouge – Nancy Davis (36) lebt in Baton Rouge im US-Bundesstaat Louisiana. Als die damals Schwangere im ersten Trimester der Schwangerschaft erfährt, dass der Fötus nicht lebensfähig ist, entschließt sie sich zu einer Abtreibung. Da ihr diese in ihrem Heimatbundesstaat verweigert wird, reist sie rund 2500 Meilen (circa 4000 Kilometer), um den Eingriff in New York City vornehmen zu lassen. „Er war extrem traumatisierend“, sagt sie.

Ende Juli ist Nancy Davis in der zehnten Woche schwanger mit einem Wunschkind – ihrem vierten. Bei einer Ultraschalluntersuchung zeigte sich, dass ihr Fötus an einer Akranie, leidet – ein Teil der Schädeldecke fehlt. Babys mit dieser seltenen Diagnose sterben üblicherweise innerhalb von Tagen und manchmal sogar Minuten nach der Geburt. Nancy Davis entscheidet sich für einen Schwangerschaftsabbruch, doch die Klinik in Louisiana will die Abtreibung nicht vornehmen, da der Eingriff in dem Südstaat inzwischen fast komplett verboten ist.

Das Klinikpersonal fürchtete rechtliche Konsequenzen

Das Abtreibungsverbot sieht zwar Ausnahmen für nicht lebensfähige Föten vor, doch Akranie ist nicht auf der Liste aufgeführt. Die Mitarbeitenden der Frauenklinik in Baton Rouge weigerten sich, die Abtreibung durchzuführen, da sie ein mögliches Strafverfahren – Geld- oder Haftstrafen – oder den Verlust ihrer Berufserlaubnis fürchteten.

„Im Grunde müsste ich mein Baby austragen, um es zu begraben“, sagte Nancy Davis. Anfang September, in der 16. Schwangerschaftswoche, reiste sie nach New York, um dort abzutreiben, wie sie gegenüber The Guardian mitteilte. „Es belastet mich noch immer emotional“, sagte sie in der US-TV-Sendung „Dr. Phil“. „Es fällt mir schwer zu schlafen, es fällt mir schwer zu essen; es war emotional sehr belastend. Es war extrem traumatisierend“.

Der Supreme Court, der Oberste Gerichtshof der USA, hatte Ende Juni entschieden, die Grundsatzentscheidung zum Abtreibungsrecht Roe v. Wade von 1973 aufzuheben. Damit obliegt es nun den einzelnen Bundesstaaten, über die Legalität von Schwangerschaftsabbrüchen zu entscheiden. In über einem Dutzend Bundesstaaten sind Abtreibungen inzwischen verboten – teilweise ohne Ausnahmen für Vergewaltigung oder Inzest.

Schwangere in Louisiana, die eine Abtreibung wünschen, müssen für den Eingriff für die Hin- und Rückreise durchschnittlich insgesamt 1332 Meilen (rund 2144 Kilometer) zurücklegen. Dies ist laut dem Guttmacher Institute, einer gemeinnützigen Einrichtung für reproduktive Rechte in den USA, die längste Reise dieser Art im ganzen Land. (Johanna Soll)

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