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USA

Todesschütze von Kenosha posiert mit „Proud Boys“ und White-Power-Geste

  • Lukas Rogalla
    vonLukas Rogalla
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Ein Teenager erschoss in Kenosha zwei Demonstranten. Nun wird er mit rechtsextremen „Proud Boys“ in einer Bar gesehen. Die Staatsanwaltschaft fordert schärfere Auflagen für den 18-Jährigen.

  • Ein damals 17-Jähriger erschoss bei einer Demonstration gegen rassistische Polizeigewalt in Kenosha zwei Menschen.
  • Nun wird er von Rechtsextremen als Held gefeiert.
  • Die Staatsanwaltschaft in Kenosha fordert, dass er sich ab sofort von den rechtsextremen Proud Boys fernhält.

Kenosha – Gegen eine Kaution von zwei Millionen Dollar wurde der Todesschütze von Kenosha im November 2020 aus der Untersuchungshaft entlassen. Drei Monate zuvor hatte der damals 17-Jährige zwei Teilnehmer einer Demonstration gegen rassistische Polizeigewalt in Kenosha im US-Bundesstaat Wisconsin erschossen. Unter Rechtsgesinnten, die seinen Freispruch fordern, gilt er als Held.

Die Staatsanwaltschaft fordert nun eine Verschärfung seiner Auflagen. Man habe den mittlerweile 18-Jährigen zusammen mit Anhängern der „Proud Boys“ gesehen – und wie er mit dem „White Power“-Handzeichen posierte. Man sehe weiterhin Potenzial zur Gewalt.

Rechtsgesinnte US-Amerikaner:innen fordern die Freilassung von Kyle R., der im August zwei Teilnehmer einer Demonstration gegen rassistische Polizeigewalt erschoss. Kyle R. behauptet, aus Selbstverteidgung gehandelt zu haben.

Todesschütze von Kenosha: Teenager posiert mit Proud Boys und White-Power-Handzeichen

Am 23. August 2020 wurde der 29-jährige Afroamerikaner Jacob Blake von der Polizei in Kenosha, Wisconsin angeschossen und schwer verletzt. In der Stadt im Norden der USA brachen in den folgenden Tagen Proteste gegen rassistische Polizeigewalt aus, die sich bald zu Ausschreitungen entwickelten.

Nachdem es zu Plünderungen gekommen war, reiste der Todesschütze von Kenosha aus seiner Heimatstadt im benachbarten Illinois bewaffnet nach Kenosha an – um Eigentum zu beschützen, wie er behauptete. Bei einer Auseinandersetzung erschoss er zwei Demonstranten, bevor er schließlich nach Hause fuhr. Kurze Zeit später stellte er sich der Polizei und wurde verhaftet.

In rechtskonservativen Kreisen der USA ist die Figur des Todesschützen zum Helden aufgestiegen, der lediglich von seinem Recht auf bewaffnete Selbstverteidigung Gebrauch gemacht habe. Ein Staatsanwalt erklärte jedoch, wieso es sich nicht um Selbstverteidigung gehandelt haben kann. Selbst Donald Trump nahm den Todesschützen von Kenosha in Schutz und ging mit Hetze gegen Demonstrierende der Antifa und „Black Lives Matter“-Bewegung im Wahlkampf auf Stimmenfang. Der Großteil der zwei Millionen Dollar, um den Teenager unter Auflagen vorerst zu befreien, wurde durch Spenden gesammelt.

„Proud Boys“ und „White Power“: Staatsanwaltschaft in Kenosha fordert schärfere Auflagen

Im Verfahren gegen ihn plädierte der Todesschütze von Kenosha am 5. Januar 2021 auf nicht schuldig. Nach seinem Gerichtstermin hielt er sich einem Bericht der Staatsanwaltschaft zufolge mit seiner Mutter und weiteren Erwachsenen eineinhalb Stunden lang in einer Bar in Mount Pleasant, nördlich von Kenosha auf. Er soll ein T-Shirt mit der Aufschrift „Free as F**k“ (in etwa: „verdammt frei“) getragen haben. Bilder, die der Staatsanwaltschaft im Kenosha County vorliegen, zeigen, wie er vor der Bar mit den Männern in seiner Gruppe posiert und mit der Hand das OK-Zeichen gibt, das sich die White-Power-Bewegung in den vergangenen Jahren zu eigen gemacht hat.

Wenige Minuten nachdem er die Bar betreten hatte, sollen ihm fünf erwachsene Männer das Lied „Proud of Your Boy“ aus dem Disney-Film Aladdin (1992) vorgesungen haben. Die rechtsextreme Gruppierung „Proud Boys“ wurde nach diesem Lied benannt, heißt es im Antrag der Staatsanwaltschaft. Mitglieder würden es regelmäßig singen. Erneut posierten der Teenager und die Männer für Fotos. Auf jedem gab er das OK-Zeichen. Die ganze Zeit in der Bar soll er mit den „Proud Boys“ verbracht haben, steht geschrieben. Der 18-Jährige soll zudem drei Bier getrunken haben. Die örtliche Polizei wurde über seinen Besuch der Bar informiert. Die Beamt:innen sicherten sich Fotos und Videoaufnahmen der Überwachungskamera.

Teenager posiert nach Schüssen in Kenosha mit „Proud Boys“

Die Staatsanwaltschaft in Kenosha fordert mit dem Antrag, dass es dem 18-Jährigen erstens nicht erlaubt werden dürfe, Alkohol zu besitzen oder zu konsumieren. Der Konsum und die Tatsache, dass er des zwei Mordes beschuldigt wird, könnten die Wahrscheinlichkeit für gewalttätiges, kriminelles Verhalten steigern, heißt es. Zudem müsse er darin eingeschränkt werden, sich mit bekannten Mitgliedern rechter Milizen treffen zu können. Die Gruppierung der „Proud Boys“ hätte nämlich Gewalt befürwortet, sie sei an extremistischen Kundgebungen beteiligt gewesen und ihre Mitglieder seien aufgrund von Straftaten verhaftet worden.

„Die fortwährende Verbindung, die der Beklagte mit Mitgliedern einer Gruppierung hat, die Gewalt verherrlicht, und die Symbole die sie benutzen, werfen die signifikante Möglichkeit zukünftiger Gewalt auf“, soll es heißen. Der Todesschütze von Kenosha wird am 10. März vor dem Gericht in Kenosha County für seinen letzten Termin vor der Hauptverhandlung erscheinen. (Lukas Rogalla)

Rubriklistenbild: © MARANIE R. STAAB

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