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 Portland residents fill a cooling center with a capacity of about 300 people at the Oregon Convention Center June 27, 2021 in Portland, Oregon. Record breaking temperatures lingered over the Northwest during a historic heatwave this weekend.
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Aufgrund der Hitzewelle mit extremen Temperaturen im Nordwesten der USA wurden 300 Personen im klimatisierten Oregon Convention Center in Portland untergebracht.

Temperaturen über 40 Grad

Historische Hitzewelle in USA und Kanada: Hunderte Todesfälle bei fast 50 Grad Celsius

  • Yannick Wenig
    VonYannick Wenig
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Die Hitzewelle in den USA reißt nicht ab. Neben dem Nordwesten sind auch Teile Kanadas und inzwischen auch Regionen an der Ostküste betroffen. Die Lage ist bedrohlich.

Update, 10.45 Uhr: Neben Kanadas Westen erleben derzeit auch die benachbarten US-Staaten Washington und Oregon eine Hitzewelle mit zahlreichen Toten. Allein im Bezirk Multnomah County, der mit Portland die größte Stadt Oregons einschließt, seien seit Beginn der großen Hitze am Freitag 45 Menschen im Zusammenhang mit den exzessiven Temperaturen gestorben, teilte die Behörde für Gerichtsmedizin jetzt mit. In Oregons nördlichem Nachbarstaat Washington stieg die Zahl der Toten auf 13, wie die Zeitung The Seattle Times berichtete.

In Portland waren die Temperaturen zeitweise auf 47 Grad geklettert. Multnomah County öffnete am vergangenen Freitag drei „Kühlungszentren“, darunter das Kongresszentrum von Portland. In den Lokalitäten übernachteten dem Bericht der Gerichtsmedizin zufolge mehr als 1000 Menschen, mehrere Hunderte hätten tagsüber dort Zuflucht vor der Hitze gefunden und seien auch mit Wasser und Mahlzeiten versorgt worden.

Eine Hitzewelle überrollt den Pazifischen Nordwesten der USA mit Extremtemperaturen.

Update vom Donnerstag, 01.07.2021, 7.25 Uhr: Die anhaltende Hitzewelle im Westen Kanadas hat nach Angaben der Behörden zu Hunderten Todesfällen beigetragen. Von Freitag bis Mittwoch seien in der Provinz British Columbia 486 plötzliche und unerwartete Todesfälle gemeldet worden, teilte die Gerichtsmedizin der Westküsten-Provinz am Mittwochnachmittag (29.06.2021, Ortszeit) mit. Diese Zahl werde vermutlich noch steigen. Sie liege 195 Prozent über dem üblichen Durchschnitt eines vergleichbaren Zeitraums. Die Behörde geht davon aus, dass der starke Anstieg mit der extremen Hitze zusammenhängt.

49,6 Grad Celsius zeigte das Thermometer am Dienstag (29.06.2021) in Lytton (Provinz British Columbia) an, wie die örtliche Wetterbehörde auf Twitter mitteilte. Das sei ein „Allzeit-Temperaturrekord“. In der betroffenen Region wurden klimatisierte Zentren eingerichtet, in denen Menschen Zuflucht vor der Hitze finden können. Die Gerichtsmedizinerin Lisa Lapointe rief dazu auf, Vorsichtsmaßnahmen zu treffen und gefährdeten Personen zu helfen.

Temperaturen in British Columbia (Quelle)

StadtTemperatur (in Celsius)Tag
Lytton49,629.6.2021
Ashcroft48,129.6.2021
Lytton47,928.6.2021
Kamloops47,329.6.2021
Lillooet48,629.6.2021
Lytton46,627.6.2021

Historische Hitzewelle in den USA: Die Lage wird immer ernster

Erstmeldung vom Mittwoch, 30.06.2021, 16.06 Uhr: Portland – Die Hitzewelle im pazifischen Nordwesten der USA und Teilen von Kanada nimmt immer bedrohlichere Ausmaße an. Inzwischen ist aber auch auf der anderen Seite des Landes, an der Ostküste, ein parallele Hitzewelle ausgebrochen. Am Dienstag (29.06.2021) gab es laut nbcnews.com eine offizielle Hitzewarnung für zwölf Millionen US-Amerikaner im Westen der USA und eine weitere für den Nordosten. Diese betrifft etwa 44 Millionen Bürger und gilt für das gesamte Gebiet zwischen den US-Bundesstaaten Maine und Delaware. Darunter die Großstädte New York City, Boston und Philadelphia.

Die Hitzewelle in den USA hält an. Viele Regionen melden Temperaturrekorde. Die Menschen suchen nach Abkühlung.

Wie beispiellos die aktuelle Hitzewelle in den USA zeigt auch die Tatsache, dass am Montag (28.06.2021) in insgesamt 35 Städten neue Temperaturrekorde aufgestellt wurden. In einigen Regionen galt das bereits für den dritten Tag in Folge. In Portland, der größten Stadt im US-Bundesstaat Oregon, zeigten die Thermometer ein neues Allzeithoch von 46,67 Grad Celsius an. Auch in Seattle in Washington wurden 42 Grad Celsius gemessen. Damit wurden die Rekorde vom Wochenende bereits wieder egalisiert. Mancherorts hielten selbst Bürgersteige und asphaltierte Straßen der Hitze nicht stand und begannen sich zu wölben. In Portland fuhren Straßenbahnen nicht mehr, weil Stromkabel schmolzen.

Extreme Hitzewelle in den USA: Tausende Menschen ohne Strom

Verschärft wird die Problematik der Rekordhitze auch dadurch, dass der pazifische Nordwesten der USA eigentlich nicht für solche Bedingungen bekannt ist. Für gewöhnlich ist der Juni dort kühl und regnerisch. Die Durchschnittstemperatur im Juni liegt in Seattle (Washington) bei rund 21 Grad Celsius. Daher verfügt mehr als die Hälfte der Einwohner in der Region nicht über eine Klimaanlage. Die Glücklichen, die eine besitzen, nutzen diese ausgiebig. Andere greifen auf Ventilatoren zurück. Die Hitzewelle nimmt somit auch für die örtlichen Energieversorger ungeahnte Ausmaße an, denn der Energieverbrauch schnellte laut Behördenangaben vielerorts in die Höhe. Die Folge: Überlastete Versorgungsnetze und Stromausfälle.

Aufgrund der Hitzewelle mit extremen Temperaturen im Nordwesten der USA wurden 300 Personen im klimatisierten Oregon Convention Center in Portland untergebracht.

In Spokane waren am Montag mehr als 8000 der insgesamt 220.000 Einwohner der Stadt ohne Strom, wie NBC News berichtet. Mit weiteren Stromausfällen soll laut der Versorger in Anbetracht der anhaltenden Hitzewelle im Nordwesten der USA weiter zu rechnen sein. Für die kommenden Tage ist für Spokane eine Höchsttemperatur von 43,3 Grad Celsius vorhergesagt. „Dies ist der Beginn eines permanenten Notstandes. Wir müssen den Grund dafür angehen“, sagte Washingtons Gouverneur Jay Inslee und machte den vom Menschen geschaffenen Klimawandel für die extreme Hitzewelle verantwortlich.

Laut Wissenschaftler Zeke Hausfather vom Temperaturdatenprojekt Berkeley Earth habe sich die Durchschnittstemperatur in den vergangenen 50 Jahren im pazifischen Nordwesten der USA um etwa 1,7 Grad erhöht. Die derzeitige Hitzewelle in den USA sei zwar ohnehin extrem, die zusätzliche Hitze mache aber gerade älteren und Personen mit Vorerkrankungen zu schaffen, das berichtet weather.com.

Hitzewelle im Nordwesten der USA und in Kanada: „Ernsthafte Gesundheitsbedrohung“

Und so fordert die inzwischen seit mehreren Tagen anhaltende Hitze in den USA weiter ihren Tribut. Allein im Bundesstaat Oregon meldeten die Notaufnahmen seit Beginn der Hitzewelle am vergangenen Freitag (25.06.2021) bereits mehr als 200 Menschen, die mit hitzebedingten Erkrankungen eingeliefert wurden. Das geht aus den Daten der Oregon Health Authority hervor. In der Stadt Bend wurden zwei Tote in einem Obdachlosencamp aufgefunden. Sie starben vermutlich ebenfalls im Zusammenhang mit der enormen Hitze. Eine Obduktion soll nun Aufschluss geben.

„Meine wichtigste Botschaft ist es, dies als ernsthafte Gesundheitsbedrohung zu betrachten“ warnte Dr. Jennifer Vines, Gesundheitsbeamtin im Multnomah County in Oregon, vor den derzeit extremen Temperaturen in der USA. Wegen der enormen Hitze gingen in dem Bezirk alleine am Sonntag mehr als 400 Notrufe ein, 260 Menschen wurden infolgedessen im Krankenhaus versorgt. Gefährlich seien neben den Rekordtemperaturen am Tag auch die ungewöhnlich heißen Nächte. Die Menschen haben somit keinerlei Pause von der Hitze. Das sei gerade so früh im Sommer gesundheitsgefährdend, wenn sich der Körper noch nicht an die wärmeren Bedingungen gewöhnt hat, erklärt Vines.

Hitzewelle in den USA und in Kanada: Meldungen von Todesfällen häufen sich

Die Hitzewelle hat aber nicht nur die USA, sondern auch Teile Kanadas fest im Griff. In der Stadt Lytton in der kanadischen Provinz British Columbia wurde mit 47,78 Grad sogar ein nationaler Hitzerekord für Kanada aufgestellt. Hinzu kommt eine besonders hohe Luftfeuchtigkeit, durch die sich Temperaturen sogar noch etwas heißer anfühlen. Seit Freitag wurden in der Provinz mehr als 230 Todesfälle gemeldet. „Die Belastung durch Umgebungswärme kann zu schweren oder tödlichen Folgen führen, insbesondere bei älteren Menschen, Säuglingen und Kleinkindern sowie bei chronisch Erkrankten“, heißt es in einer Stellungnahme des BC Coroners Service, der Gerichtsmedizin in der Provinz.

Gegenüber dem Nachrichtensender CNN sprach Chefärztin Lisa Lapointe von einer „beispiellosen Zeit“. Durch die Hitze in den USA und in Kanada habe es einen signifikanten Anstieg an gemeldeten Todesfällen gegeben. Als Ursache werden Hitzeerkrankungen vermutet. „Die Zahl wird steigen, wenn die Daten weiter aktualisiert werden“, so Lapointe.

Zumindest in unmittelbarer Küstennähe könnte sich die Lage am Mittwoch (30.06.2021) zumindest etwas entspannen. Doch die Brise vom Pazifik dringt nicht weit ins Landesinnere der USA und Kanada vor. Dort soll die extreme Hitze laut aktuellen Prognosen der US-amerikanischen Wetterdienste noch bis zum Wochenende anhalten. (Yannick Wenig)

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