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„Sie haben die Seuche herausgelassen“: Donald Trump poltert gegen China und spielt sich als Retter auf

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  • Christian Stör
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Die USA haben die Marke von 200.000 Corona-Toten überschritten. Donald Trump schiebt die Schuld nach China und spielt sich selbst als Retter auf.

  • Über 6,8 Millionen Menschen haben sich in den USA mit dem Coronavirus infiziert - 200.000 sind gestorben.
  • Dr. Anthony Fauci bemängelt die Politisierung der Coronavirus-Krise.
  • US-Präsident Donald Trump behauptet, die Corona-Pandemie gut bewältigt zu haben.

Update vom Mittwoch, 23. 09.2020, 06.45 Uhr: Nach dem Überschreiten der Marke von 200.000 Toten in der Corona-Pandemie in den USA hat US-Präsident Donald Trump erneut China für die Ausbreitung des Virus verantwortlich gemacht. „Die Chinesen hätten es an ihrer Grenze stoppen sollen, sie hätten niemals zulassen dürfen, dass es sich über die ganze Welt ausbreitet“, sagte Trump am Dienstagabend (Ortszeit) im Weißen Haus. Die 200.000 Toten seien „schrecklich“. Ohne das Krisenmanagement seiner Regierung hätten die USA aber „zwei Millionen, zweieinhalb Millionen und drei Millionen“ Tote zu beklagen.

Trump schießt gegen China und beschuldigt das Land, das Coronavirus „herausgelassen“ zu haben.

„Wir haben Millionen Leben gerettet“, sagte Trump bei einem Wahlkampfauftritt in Pittsburgh im Bundesstaat Pennsylvania. „Sie haben die Seuche herausgelassen“, fügte der Präsident mit Blick auf China hinzu. „Es ist das China-Virus, nicht das Coronavirus. Corona klingt nach einem Ort in Italien, einem schönen Ort. Es ist Corona. Nein, es ist das China-Virus, sie wollen es nicht sagen, wisst Ihr, die radikalen Linken, sie wollen es nicht sagen.“

+++ 17.55 Uhr: 200.000 Menschen sind in den USA mittlerweile an den Folgen des Coronavirus gestorben. Das zeigen die Zahlen der Johns Hopkins University. Damit haben die USA mehr als 20 Prozent der weltweit verstorbenen Covid-19-Patienten zu verzeichnen. Mehr als 6,86 Millionen Infektionen wurden in den Vereinigten Staaten bestätigt - die höchste Zahl weltweit.

Corona in den USA: Donald Trump sagt, dass junge Leute nicht betroffen sind

+++ 16.55 Uhr: Während die Zahl der Todesopfer in den USA durch das neuartige Coronavirus demnächst die Marke von 200.000 durchbrechen wird, spinnt sich Donald Trump mal wieder seine eigene Geschichte zurecht. So behauptete er bei einer Wahlkampfkundgebung fälschlicherweise, dass Covid-19 „praktisch niemanden betrifft“, der jünger als 18 Jahre ist.

Bei seiner Rede in Swanton im US-Bundesstaat Ohio sagte Trump, dass nur ältere Amerikaner mit Herzproblemen und bereits bestehenden Vorerkrankungen das Virus wirklich fürchten müssen. „Es betrifft ältere Menschen, ältere Menschen mit Herzproblemen und anderen Probleme. Das sind diejenigen, die es wirklich betrifft“, sagte Trump. „Junge Menschen betrifft es nicht. Warum? Sie haben ein starkes Immunsystem, wer weiß? Vor den Jungen müssen wir den Hut ziehen, sie haben ein verdammt starkes Immunsystem. Aber es betrifft praktisch niemanden. Es ist eine erstaunliche Sache. Und übrigens, öffnen Sie die Schulen.“

Nach den Zahlen der Johns Hopkins University, die sich auf offizielle Regierungsdaten stützt, sind seit Beginn der Pandemie mindestens 199.962 Menschen in den USA bisher an Covid-19 gestorben (Stand 22.09.2020, 16.55 Uhr).

Donald Trump ist auf Wahlkampftour - und versucht dabei, das Coronavirus kleinzureden.

Corona in den USA: Fauci kritisiert „verwirrende Botschaften“ von Donald Trump

Update vom Dienstag, 22.09.2020, 9.46 Uhr: Die Zahl der Coronavirus-Toten in den USA nähern sich weiter der 200.000er-Grenze. Nachdem es am Sonntag Verwirrung um die Kommunikation der amerikanischen Gesundheitsbehörde CDC gegeben hatte, äußerte sich nun auch Amerikas Top-Immunologe Dr. Anthony Fauci. Der Experte kritisierte in einem Interview die Politisierung der Corona-Krise und behauptete von sich selbst, frei von eigener politischer Ideologie über die öffentliche Gesundheit zu sprechen.

Immunologe:Anthony Fauci
Geboren:24. Dezember 1940 (Alter 79 Jahre), Brooklyn, New York City, New York, Vereinigte Staaten
Ehepartnerin:Christine Grady (verh. 1985)
Auszeichnungen:Lasker~Bloomberg Public Service Award
Kinder:Megan Fauci, Jennifer Fauci, Alison Fauci
Eltern:Eugenia A. Fauci, Stephen A. Fauci
Ausbildung:College of the Holy Cross, Weill Cornell Medical College, Regis High School

Amerikas Coronavirus-Experte Dr. Anthony Fauci kritisiert Politisierung der Coronavirus-Krise

Dr. Anthony Fauci hat seit der Amtszeit von US-Präsident Ronald Reagan (1981) alle Präsidenten auf den Gebieten Biogefährdungen und Infektionskrankheiten beraten. In der Coronavirus-Krise entwickelte sich Fauci zum öffentlich geschätzten Experten, manche nennen ihn den Drosten der USA. Im Gespräch mit dem TV- und Radiomoderator Trevor Noah äußerte sich Fauci nun zur Politisierung der Coronavirus-Krise. Die beiden sprachen am späten Montagabend in Noahs The Daily Show über eine Videoschalte miteinander, das Video gibt es in voller Länge auf YouTube.

USA: Coronavirus-FälleUSA: Coronavirus-Tote
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In dem Gespräch mit Trevor Noah kritisierte Anthony Fauci, dass Coronavirus-Maßnahmen wie das Tragen einer Maske zum politischen Statement geworden seien. Diesen Umstand nannte er „sehr bedauerlich“, da es dabei ausschließlich um die öffentliche Gesundheit gehe und man keine Seiten einnehmen solle. Fauci bemängelte weiterhin, dass die Kommunikation von Donald Trump und der amerikanischen Gesundheitsbehörde CDC stets politisiert sei oder politisiert werden würde. Von sich selbst behauptete Fauci, seine politische Ideologie niemals öffentlich gemacht zu haben. Wenn er Maßnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus empfehlen würde, dann seien diese nicht politisch, sondern schlicht zum Schutze der öffentlichen Gesundheit.

Dr. Anthony Fauci ist der bekannteste Coronavirus-Experte der USA.

Coronavirus in den USA: Gesundheitsminister Azar ergreift Kontrolle über die FDA

Update vom Montag, 21.09.2020, 19.36 Uhr: Erst am Sonntag hatte die amerikanische Gesundheitsbehörde CDC (Zentren für Krankheitskontrolle und -prävention) auf ihrer Website ein Update zu den Verhaltensregeln für das Coronavirus veröffentlicht. Demnach können sich die Erreger als Tröpfchen und Aerosole über die Luft verbreiten - eine wissenschaftlich akzeptierte Tatsache. Es ließe sich zunehmend belegen, dass das Virus über kleine Partikel eingeatmet werden kann, hieß es. Über die Luft übertragene Krankheiten seien besonders ansteckend. In geschlossenen Räumen sei eine gute Durchlüftung nötig, um die Ausbreitung einzudämmen.

Nun hat die CDC das Update wieder zurückgenommen - der Beitrag wurde entfernt. Ein Entwurf sei fälschlicherweise auf der Website veröffentlicht worden. Das Update „gebe nicht unser derzeitiges Wissen wieder“, wird ein Funktionär der CDC von der „Washington Post“ zitiert.

Corona in den USA: Gesundheitsminister Azar übernimmt Kontrolle der FDA

Zuvor wurde auch bekannt, dass US-Gesundheitsminister Alex Azar zunehmend Kontrolle über die Arzneimittelbehörde FDA ergreift. Die FDA darf keine Regeln mehr eigenständig unterzeichnen, wie die „New York Times" berichtet. Jede Regel bezüglich Lebensmittel, Medizin, medizinischer Geräte und Impfstoffe muss nun von Gesundheitsminister Azar gebilligt werden.

„Wir sind mitten in einer Pandemie“, sagte der ehemalige Leiter der FDA, Dr. Mark McClellan. „Vertrauen in die öffentliche Gesundheitsbehörde ist erforderlicher als jemals zuvor. „Ich bin mir also nicht sicher, was man mit dieser Änderung bezüglich der FDA bezwecken will, wenn sie solch entscheidende Arbeit leistet. Dr. Peter Lurie, Präsident einer Wissenschaftsbehörde, sprach von einer „Machtergreifung".

Corona in den USA: Donald Trump stolz auf seine Arbeit

Erstmeldung vom Montag, 21.09.2020, 14.46 Uhr: Washington D.C. - Zu Beginn der Pandemie in den USA im März sagte Präsident Donald Trump noch, dass seine Regierung einen „sehr guten Job“ geleistet hätte, wenn die Todeszahl zwischen 100.000 und 200.000 bliebe. In den kommenden Tagen werden die Vereinigten Staaten tatsächlich die Marke von 200.000 Toten durch das Coronavirus überschreiten. Eine Studie von Forschern des IHME prognostiziert sogar 410.000 Todesfälle bis Jahresende. Die derzeitige Zahl soll sich in den nächsten vier Monaten also verdoppeln. Der US-Präsident wünscht sich derweil mehr Anerkennung für seine Arbeit.

In den USA sind fast 200.000 Leute an den Folgen des Coronavirus gestorben.

Corona in den USA: Fast 200.000 Tote durch Covid-19

Mit einer Zahl von 200.000 haben die USA etwa ein Fünftel der Corona-Toten weltweit zu verzeichnen. Das zeigen die Zahlen der Johns Hopkins University. Donald Trump versucht allerdings, die Signifikanz der Todeszahl regelmäßig kleinzureden, indem er neue Standards setzt. „Wenn wir unseren Job nicht gemacht hätten, wären es dreieinhalb, zweieinhalb, vielleicht drei Millionen Leute“, sagte Trump am Freitag und orientierte sich an den extremsten Prognosen, wenn in den USA überhaupt nichts gegen die Pandemie unternommen worden sei. „Wir haben einen phänomenalen Job hinsichtlich Covid-19 gemacht." Als die ersten Corona-Fälle in den USA registriert wurden, hieß es noch, dass man sie schnell wieder auf null bekommen werde. Mittlerweile sind es etwa 6,83 Millionen bestätigte Infektionen.

Bald wird sich zeigen, was die Corona-Pandemie für Trumps politische Zukunft bedeutet. Laut einer Umfrage der Nachrichtenagentur „AP“ und dem Recherche-Institut „NORC" sollen 39% der Amerikaner das Handeln der Regierung in der Pandemie gutheißen. Etwa ein Viertel der Republikaner sei mit Trumps Führung in der Krise nicht einverstanden. Insgesamt unterstützen ihn dennoch 84% der Partei. Bei der Präsidentschaftswahl am 3. November wird klar, ob genug Bürger die Auffassung des Präsidenten teilen. (von Lukas Rogalla)

Rubriklistenbild: © dpa/ Mandel Ngan

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