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Corona in den USA: Experten warnen – Tägliche Neu-Infektionen werden bald sechsstellig sein

  • Teresa Toth
    vonTeresa Toth
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  • Mirko Schmid
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Remdesivir wird in den USA offiziell als Medikament zugelassen. Auch Donald Trump wurde mit dem Mittel behandelt. Die Fallzahlen steigen immer weiter an und überschreiten den bisherigen Rekord.

  • Präsident Donald Trump wiegelt ab, Herausforderer Joe Biden und Virologe Anthony Fauci mahnen zur Vernunft.
  • North Dakota hat den größten Corona-Ausbruch in den USA zu verzeichnen.
  • Das Medikament Remdesivir wird offiziell zur Behandlung von Covid-19 zugelassen.

Update vom Samstag, 24.10.2020, 16.10 Uhr: Die USA verzeichnete am Freitag (23.10.2020) 83.000 Neu-Infektionen mit Covid-19 und überschreitet damit den bisherigen Höchstwert an Infektionen pro Tag um 6.000. Aber bei dieser Zahl soll es nicht bleiben – Expert:innen prognostizieren, dass die Zahl der Neu-Infektionen bald im sechsstelligen Bereich liegen könnte.

Dies begründen die Wissenschaftler:innen in der rapide steigenden 7-Tage-Inzidenz, die am Freitag (23.10.2020) 63.000 überschritten hat. Seit Mitte September ist die Inzidenz damit um 84 Prozent gestiegen. Dieser enorme Anstieg ist laut einem Bericht von „cnn.com“ auf die Öffnung der Schulen und Universitäten zurückzuführen, durch die sich vermehrt Menschen mit dem Coronavirus infizieren.

Um die Ausbreitung des Virus einzudämmen, appelliert Top-Virologe Dr. Anthony Fauci erneut an die Menschen, Masken zu tragen, den Mindestabstand von 1,5 Metern einzuhalten, Menschenmassen zu vermeiden und sich regelmäßig die Hände zu waschen. Nur so könne ein erneuter Lockdown in den USA verhindert werden.

Corona in den USA: Behörde lässt Remdesivir zur Behandlung von Covid-19 zu

Update vom Freitag, 23.10.2020, 9.43 Uhr: Als Donald Trump Anfang Oktober an Covid-19 erkrankte, wurde dem US-Präsidenten unter anderem Remdesivir verabreicht. Das antivirale Medikament wurde jetzt offiziell zur Behandlung von Patient:innen zugelassen, teilte die Arzneimittelbehörde FDA mit. Bislang galt für das Mittel lediglich eine Notfallzulassung.

Es sei ein „wichtiger wissenschaftlicher Meilenstein in der Covid-19-Pandemie“, erklärte Sprecher Stephen Hahn. Laut FDA könne Remdesivir die Dauer der mit einer Infektion mit dem Coronavirus verbundenen Erkrankung verkürzen. Eine Studie, die im „New England Journal of Medicine“ veröffentlicht wurde, soll dies nachgewiesen haben.

Remdesivir soll in den USA unter dem Namen „Veklury“ auf den Markt kommen und bei stationären Behandlungen eingesetzt werden. Vorausgesetzt ist bei den Patient:innen ein Alter von mindestens 12 Jahren und ein Körpergewicht von 40 Kilogramm. Über die Wirksamkeit des Medikaments bei Covid-19 wird jedoch diskutiert.

Eine Studie der WHO widerspricht den US-Befunden. Sie fand, dass Remdesivir keine oder kaum Auswirkungen auf die Sterblichkeit oder Dauer eines Krankenhausaufenthalts habe. Ursprünglich wurde das Mittel des Unternehmens Gilead zur Behandlung von Ebola entwickelt.

Corona in den USA: Mittlerer Westen mit steigenden Infektionszahlen

Update vom Donnerstag, 22.10.2020, 18:53 Uhr: Die Zahl der Corona-Fälle schießt in den USA vor allem im Mittleren Westen in die Höhe. Wenn North Dakota ein Land wäre, hätte es den weltweit größten Corona-Ausbruch pro Kopf zu verzeichnen. Das zeigen Daten der „Financial Times“. Bei einer Bevölkerung von etwa 762.000 Leuten wurde am Dienstag ein Rekordwert von 1.036 Neuinfektionen vermeldet. Im Durchschnitt der letzten sieben Tage kommen täglich 1.350 neue Fälle pro eine Million Einwohner hinzu, berichtet auch „The Guardian“.

Allerdings wird in North Dakota auch überdurchschnittlich viel getestet. Am Dienstag wurden 19,7 Prozent der Tests als positiv gemeldet. Gesundheitsexperten hatten bereits vor Monaten vor einem Anstieg der Infektionen in den kühleren Monaten gewarnt. Auch die Todesrate steigt an. 422 Personen sind bislang an den Folgen von Covid-19 gestorben.

Ein Corona-Test in New York

Corona in den USA: Größter Ausbruch weltweit in North Dakota

Vor etwa drei Wochen hatte North Dakota die Corona-Auflagen für Bürger:innen gelockert. Wer mit einer infizierten Person in Kontakt war, muss sich nicht mehr für 14 Tage in Quarantäne begeben, wenn beide eine Maske trugen. Die Entscheidung wurde teilweise mit dem Infektionsgeschehen in Schulen begründet. Es sei nämlich schwer, Schüler:innen in Quarantäne zu schicken. Man wolle mit der Lockerung „ein positiveres Schulerlebnis“ bewirken, so Gouverneur Doug Burgum.

Die Rückverfolgung von Infektionsketten hat man aufgegeben - die Bürger:innen müssen sich selber darum kümmern. In den Städten Fargo und Minot wurde nun allerdings eine Maskenpflicht beschlossen. Als sogenannte „Superspreader“-Events sollen Feierlichkeiten zum Nationalfeiertag am 4. Juli, sowie ein Biker-Treffen Mitte August maßgeblich zur Ausbreitung des Coronavirus beigetragen haben. Auch in South Dakota, Montana und Wisconsin nehmen die Corona-Infektionen deutlich zu.

Corona in den USA: Das Schlimmste kommt noch

Update von Mittwoch, 21.10.2020, 14.28 Uhr: Dr. Scott Gottlieb, ehemaliger Chef der US-Amerikanischen Gesundheitsbehörde FDA, sagt einen rapiden Anstieg der Zahl von Neuinfektionen mit Corona in den USA voraus. Im Programm des Nachrichtensenders CNN sagte der Arzt, dass der „Höhepunkt der Pandemie in einer Woche erreicht“ werde, „das Schlimmste steht kurz bevor“. Die Strategie der „Herdenimmunität“ erteilte Gottlieb eine klare Absage - eine solche könnte zu „zu vielen Todesfällen führen“.

Aber Dr. Scott Gottlieb verbreitet auch positivere Meldungen. So sei die Sterblichkeit von ins Krankenhaus eingelieferten Corona-Patienten laut einer Studie rapide gesunken. Dies gelte für alle Gruppen inklusive älterer Menschen und Patienten mit Vorerkrankungen, schrieb der Experte auf Twitter.

+++ 19.46 Uhr: Im Corona-Jahr 2020 sind seit Ende Januar in den USA bislang 299.000 mehr Menschen gestorben als in gewöhnlichen Jahren. Das teilte die US-Gesundheitsbehörde (CDC) in ihrem wöchentlichen Krankheits- und Sterblichkeitsbericht am Dienstag (20.10.2020) mit. Demnach gehen zwei Drittel der zusätzlichen Todesfälle auf das Coronavirus zurück, ein Drittel auf andere Ursachen. Laut CDC sind unverhältnismäßig viele Hispanics vom Coronavirus betroffen.

Viele Tote gibt es dem Bericht zufolge auch in der Gruppe der 25- bis 44-Jährigen. Bislang seien in diesem Jahr 26,5 Prozent mehr Menschen dieser Altersgruppe gestorben als in vorherigen Jahren. Ob diese Entwicklung mit dem Coronavirus zusammenhängt, ist allerdings unklar.

Corona in den USA: 14 Bundesstaaten melden Rekordzahlen an Intensivpatienten

Update von Dienstag, 20.10.2020, 16.11 Uhr: Die zweite Welle der Corona-Pandemie rollt in den USA. 14 Bundesstaaten melden einen bisherigen Höchststand an Corona-Fällen, die im Krankenhaus behandelt werden müssen. Die Staaten Alaska, Montana, Utah, North Dakota, South Dakota, Nebraska, Kansas, Oklahoma, Iowa, Missouri, Arkansas, Wisconsin, Kentucky und West Virginia hatten im bisherigen Verlauf der Corona-Pandemie an keinem anderen Tag mehr Intensivfälle zu vermelden.

Corona in den USA: Ärzte haben im Moment in vielen Bundesstaaten so viel zu tun wie nie seit Beginn der Pandemie

Während Präsident Donald Trump davon spricht, dass die schlimmste Phase der Corona-Pandemie überwunden und die USA „über dem Berg“ seien, senden die betroffenen Staaten Alarmsignale gen Washington. Alleine in Wisconsin verstarben am 19. Oktober 36 Menschen.

Erstmeldung von Dienstag, 20.10.2020, 13.34 Uhr: USA - Die Vereinigten Staaten von Amerika erleben einen rasanten Anstieg der tagesaktuellen Zahlen in der Corona-Krise. Am 19. Oktober 2020 wurden mindestens 517 neue Todesfälle bedingt durch Corona gemeldet, am selben Tag waren 64.164 Neuinfektionen zu verzeichnen. Im Vergleich zum Stand zwei Wochen zuvor bedeutet das einen Anstieg von 34 Prozent, wie unter anderem die New York Times berichtet. Die Tageszeitung beruft sich dabei auf lokale und nationale Gesundheitsbehörden.

Die Gesamtzahl der mit Corona infizierten US-Bürger steigt auf nunmehr 8.25 Millionen, mehr als 220.000 US-Bürger sind inzwischen an den Auswirkungen einer Virus-Erkrankung verstorben. Während Präsident Donald Trump abwiegelt, werden die führenden Fachleute der USA, allen voran Dr. Anthony Fauci, in der Bekämpfung des Coronavirus nicht müde, die Bevölkerung gebetsmühlenartig an die wichtigsten Maßnahmen zu erinnern, die jeder für sich treffen kann: Hände waschen, Maske tragen, Abstand wahren, möglichst zu Hause bleiben, Großversammlungen meiden.

Corona in den USA: Der Times Square in New York ist wie leergefegt

Joe Biden hält im Wahlkampf wegen Corona Abstand, Trump feiert Massenkundgebungen ohne Masken in den USA

Dass diese immer wiederkehrenden Mahnungen nicht bei allen fruchten, zeigt sich auf Wahlkampfveranstaltungen des von seiner eigenen Coronavirus-Infektion genesenen Präsidenten Donald Trump. Während Joe Biden Wahlkampfveranstaltungen in den USA im improvisierten Autokino-Format hält, um Ansteckungen in den Reihen seiner Anhängerschaft zu vermeiden, reist Trump weiterhin von Wahlkampfveranstaltung zu Wahlkampfveranstaltung - ungeachtet der Tatsache, dass seine Anhänger zu größten Teilen keine Maske tragen und sich eng an eng vor seinen Wahlkampfbühnen drängen.

Währenddessen treffen die Bundesstaaten neue Vorkehrungen gegen die grassierende zweite Welle der Corona-Pandemie. Wisconsin hat unlängst ein Feldkrankenhaus eröffnet, auch North Dakota, vor nicht allzu langer Zeit mit vergleichsweise wenigen Corona-Fällen gesegnet und auf einmal mit den meisten Corona-Fällen pro Kopf in den gesamten USA konfrontiert, plant weitere Verschärfungen.

Corona: Rekord-Infektionszahlen in vielen Bundesstaaten der USA - Donald Trump schimpft auf mahnenden Virologen Fauci

Die Einwohner:innen in Wyoming und Montana konnten sich lange über eine stabil niedrige und teilweise einstellige Zahl an Neuinfektionen freuen, inzwischen werden aus den zentral-östlichen Bundesstaaten unweit der Grenze zu Kanada alarmierende Rekorde (286 Neuinfektionen in Wyoming, 722 in Montana) verzeichnet. Das gilt auch für Wisconsin. Hier wurden im gesamten Frühjahr niedrige Zahlen vermeldet, erst im Juli wurden erstmalig mehr als 1.000 Neuinfektionen mit Corona vermeldet. Am 15 Oktober lag die Zahl bei 4.039 Neuinfektionen. Der sogenannte Swing State gilt als mit wahlentscheidend bei den anstehenden US-Wahlen am 3. November 2020.

Auch die Todeszahlen steigen wieder. Zwar liegen diese noch klar unter den Rekordzahlen vom Frühjahr, seit Mitte Oktober sind die gemeldeten Todesfälle aufgrund von Corona allerdings wieder bei rund 700 pro Tag angekommen - weit mehr als im Juli gemeldet wurden. Donald Trump scheint die Ursache in einer gewissen Coronamüdigkeit zu sehen und greift den immer wieder mahnenden führenden Virologen der USA, Anthony Fauci, scharf an: „Die Leute haben Corona satt. Ich mache diese großen Kundgebungen. Die Leute sagen was auch immer. Lasst uns einfach in Ruhe. Sie haben es satt. Die Leute haben es satt, Fauci und all diesen Idioten zuzuhören“. (Von Mirko Schmid)

Rubriklistenbild: © picture alliance/Julian Stratenschulte/dpa

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