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Mehr Covid-Tote als vergangenes Jahr – was ist los in den USA?

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Von: Nadja Austel

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Das Weiße Haus bei Nacht. Auf dem Platz davor ist ein Meer von scheinenden Kerzen aufgebaut.
Mahnwache bei Kerzenschein vor dem Weißen Haus in Washington, um aller Pflegekräfte zu gedenken, die an Covid-19 gestorben sind (Archivbild). © Joy Asico/AP/dpa

Die Corona-Pandemie in den USA: Aktuell gibt es 2600 durch Covid-19 verursachte Todesfälle täglich. Wie konnte es so weit kommen?

Washington – Die Zahl der Covid-Todesfälle in den USA* erreichte in den letzten Tagen Höchstwerte. Insgesamt sind im Land bereits über 900.000 Menschen an den Folgen einer Corona-Infektion* gestorben. Der Durchschnitt der Todesfälle pro Tag stieg auf 2600, also mehr als im Frühjahr 2021, als die Impfstoffe noch nicht verfügbar waren, berichtet die Washington Post.

Wie das mit dem angeblich „milderen“ Verlauf einer Infektion mit der Omikron-Variante* des Virus zusammenpasst, ist einfach zu erklären: Es sind so viel mehr Infektionen aktiv, dass die Zahlen durch die bloße Masse der Erkrankungen in die Höhe getrieben wurde. Die Todesfälle sind unter den ungeimpften und Personen über 75 besonders zahlreich, so die Washington Post weiter. Die Zahl der Hospitalisierungen von Patient:innen mit einer Covid-Erkrankung habe im Januar 2022 neue Höchstwerte erreicht. 

Corona USA – Todesfälle vor allem unter den ungeimpften Personen: „Bereit an der Krankheit zu sterben“

Ein Experte für Infektionskrankheiten, Robert Citronberg, äußerte gegenüber der Post, dass fast alle der letzten Todesfälle die Gruppe der ungeimpften Personen betreffen. Es gebe eine große Gruppe von Patient:innen, die politisch motiviert sei. Sie wären „bereit, an dieser Krankheit zu sterben, weil sie sich nichts vorschreiben lassen wollen. Es ist im Grunde verrückt“, so Citronberg. Wer keine Impfung will und sich durch eine überstandene Infektion als ausreichend geschützt glaubt, irrt sich. Auch wenn durch eine Infektion Antikörper gebildet wurden, ist das nicht gleichbedeutend mit einer Immunität gegen das Virus*.

Ein signifikanter Teil der Opfer sei unter Menschen mit geschwächtem Immunsystem zu verzeichnen. Gründe für die Immunschwäche sind etwa Chemotherapien oder Organtransplantationen. Ihre Körper hätten auch nach einer Impfung Schwierigkeiten damit, eine Immunität gegen das Virus herzustellen. Unter den geimpften Erwachsenen hätten sich die Zahlen hingegen kaum verändert.

Es ist also ein Risiko, das ungeimpfte Menschen eingehen. Einerseits riskieren sie ihren eigenen Tod – selbst wenn sie gesund sind und die Wahrscheinlichkeit gering ist. Andererseits setzen sie auch das Leben anderer aufs Spiel. Denn niemand kann den Menschen, denen er im Alltag begegnet, ansehen, ob ihr Immunsystem gut funktioniert. Die Nachverfolgung der Infektionskette ist, wie wir mittlerweile wissen, in der Realität häufig nicht mehr zu rekonstruieren. Aus den Augen, aus dem Sinn?

USA: In der Corona-Pandemie kommt der Butterfly Effekt zum Tragen

Es ist ein „Butterfly Effect“, sagt Andrew Myers, Leiter der Covid-Station am Tampa General Hospital in Florida gegenüber der Washington Post. Man kann den Effekt des eigenen Handelns zwar nicht nachvollziehen, aber er existiert. Menschen mit geschwächtem Immunsystem infizieren sich sehr viel schneller mit dem Corona-Virus. Eine kürzere Dauer des beieinander Stehens, ein Husten des Sitznachbarn zu viel, das kann den Unterschied machen. 

Es ist für Menschen mit geschwächtem Immunsystem eine missliche Lage. Sie haben keine Wahl. Wenn man nicht die Möglichkeit hat, den zusätzlichen Schutz durch eine effektive Impfung zu erhalten, wird das Leben sehr schwer. Entweder, man begibt sich in andauernde Isolation von der Gesellschaft, oder man riskiert sein Leben schon durch banale Handlungen wie einen Supermarkteinkauf. (na) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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