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Jim Justice deutet mit dem Finger nach vorne.
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Jim Justice will die Menschen zum Impfen bewegen.

Impfquote stagniert

Corona-Impfungen in den USA – Letzter Ausweg Schusswaffen

  • Christian Stör
    VonChristian Stör
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  • Sebastian Richter
    Sebastian Richter
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Wie kann man die Menschen zum Impfen bewegen? In den USA gibt es nun eine typisch amerikanische Lösung: Schusswaffen.

Update vom Freitag, 04.06.2021, 10.30 Uhr: Wie bekommt man die Menschen in den USA dazu, sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen? Diese Frage treibt nicht nur Präsident Joe Biden um. Denn nach einem stetigen Anstieg flacht die Kurve der Impfquote derzeit wieder deutlich ab. Besonders Fans des ehemaligen Präsidenten Donald Trump stehen den Impfstoffen eher skeptisch gegenüber. Was also tun?

West Virginia hat nun eine typisch amerikanische Lösung für das Problem gefunden. Der Bundesstaat im Osten der USA startet am 20. Juni eine Lotterie, bei der es für diejenigen, die schon mindestens einmal geimpft worden sind, außer Geld in Höhe von einer Million US-Dollar auch noch andere Preise vergeben werden. Dazu zählen außer Stipendien für 12 bis 25-Jährige auch zwei neue speziell ausgestattete Trucks sowie 25 Wochenendausflüge in lokale Parks. Und wen das alles nicht reizt? Nun, West Virginia hat noch ein paar Trümpfe in der Hinterhand. Den auch das liebste Spielzeug der Menschen in den USA hat der Bundesstaat in den Appalachen nicht vergessen. So dürfen sich Geimpfte auch auf folgende Dinge freuen:

  • Fünf lebenslange Jagd- und Angellizenzen
  • Fünf maßgefertigte Jagdgewehre
  • Fünf maßgefertigte Jagdflinten

Auf einer Pressekonferenz versuchte der republikanische Gouverneur Jim Justice mit viel Leidenschaft, die Menschen in seinem Bundesstaat zum Impfen zu bewegen. „Die Preise sind zweitrangig gegenüber der Tatsache, dass wir hier versuchen, Leben zu retten“, sagte Jim Justice und verwies auf die Todesfälle sowie auf die Betroffenen, die in den Krankenhäusern oder gar auf Intensivstationen liegen: „Das sind fast alles Menschen, die nicht geimpft wurden.“

Justice wandte sich mit einem fast schon verzweifelten Appell an die Menschen: „Diese Impfungen sind sicher und sie werden euch schützen – ich weiß nicht, wie um alles in der Welt die Leute an der Seite sitzen und immer noch sagen können: Nein, ich werde mich nicht impfen lassen, ich werde es nicht tun.“

Biden kündigt Anreize für Impfungen an – „Lasst Euch impfen und trinkt ein Bier“

Erstmeldung von Donnerstag, 03.06.2021, 09.00 Uhr: Washington D.C. – Während auf der ganzen Welt viele Menschen auf ihre Corona-Impfung warten, geht die Impfquote in den USA zurück. US-Präsident Joe Biden versucht, die Bevölkerung zu einer Impfung zu animieren – mit außergewöhnlichen Mitteln.

Einen „nationalen Aktions-Monat“ hat Biden deswegen am Mittwoch angekündigt, durch den die Menschen zu einer Impfung gegen Corona bewegt werden sollen. Sein Ziel: Bis zum Unabhängigkeitstag am 4. Juli will er 70 Prozent aller Erwachsenen mindestens einmal geimpft haben. Der Weg dahin sind Freibier, Lotto-Millionen und kostenlose Baseball-Tickets.

Impfungen in den USA: Anreize sollen die Kampagne wieder in Schwung bringen

Bei seiner Ankündigung warb Biden eindringlich für die Impfung. Die Menschen sollen so die Angst vor einer Infektion loswerden. „Überall auf der Welt wünschen sich Menschen verzweifelt eine Impfung, die jeder Amerikaner in einer Drogerie in seiner Nachbarschaft kostenlos und ohne Wartezeit bekommen kann“, so der Präsident der USA. Derzeit haben etwa 63 Prozent der Erwachsenen eine Erstimpfung erhalten. Angesichts der Fortschritte werde es einen „Sommer der Freiheit“ und „Sommer der Freude“ geben. Gleichzeitig mahnte Biden, man müsse dafür sorgen, dass die Infektionszahlen im Herbst nicht wieder steigen, wenn sich die Menschen wieder drinnen aufhalten.

Zuletzt ist die Zahl der täglich verabreichten Impfungen gegen Corona in den USA deutlich zurückgegangen. In vielen Bundesstaaten, Kommunen und Unternehmen werden bereits Anreize geboten, um die Quote wieder nach oben zu treiben. Die Mittel dazu reichen von Verlosungen von Millionengewinnen, über Kreuzfahrten bis hin zu Einkaufsgutscheinen und Tickets für Sportveranstaltungen. Beim „nationalen Aktions-Monat“ sollen diese Lockmittel verstärkt eingesetzt werden, ebenso die Impfung erleichtert werden. Unter anderem sind diese Maßnahmen geplant:

  • Eltern können bei verschiedenen Einrichtungen kostenlose Kinderbetreuung für die Zeit erhalten, in der sie die Impfung gegen Corona erhalten oder sich von den Impfreaktionen erholen.
  • Spezielle Impfangebote in Friseur- und Schönheitssalons sollen explizit die afroamerikanische Bevölkerung ansprechen.
  • Vizepräsidentin Kamala Harris und andere hochrangige Mitglieder der Regierung sollen bei Touren durchs Land für die Impfung werben.
  • Der Getränkekonzern Anheuser-Busch will allen Geimpften ein Bier spendieren, wenn Bidens Ziel von 70 Prozent gegen Corona Geimpften am Unabhänigkeitstag erreicht wird. „Lasst Euch impfen und trinkt ein Bier“, sagte Biden zu der Aktion.
  • Die Supermarktkette Kroger verlost eine Million Dollar an fünf Personen, die sich in Apotheken in ihren Geschäften haben impfen lassen. Zehn weitere Geimpfte erhalten ein Jahr die Möglichkeit, gratis in den Läden der Kette einzukaufen.
  • Die Major League Baseball werde Fans Freikarten anbieten, die sich gleich im Stadion impfen lassen. Impfangebote gibt es zudem bei Spielen der NBA und NHL sowie bei Rennen der Motorsportserie Nascar

Biden kämpft gegen Impfskepsis in den USA

In den USA ist die Impfskepsis besonders unter Anhängern der Republikaner verbreitet. „Wir wurden gewählt, um Präsident und Vizepräsidentin aller Amerikaner zu sein“, so Biden in Bezug auf sich und Kamala Harris. „Und ich möchte nicht, dass das Land, das schon jetzt zu gespalten ist, auf eine neue Art und Weise gespalten wird - zwischen Orten, an denen die Menschen frei von Angst vor Covid leben, und Orten, an denen mit dem Herbst Tod und schwere Krankheiten zurückkehren werden.“

Biden betonte, Partei-Präferenz spiele bei der Impfung gegen Corona keine Rolle. Denn die ersten Notfallzulassungen von Impfstoffen seien noch unter seinem Vorgänger Donald Trump veranlasst worden. „Jeder Amerikaner, der älter als zwölf Jahre ist - egal wo Sie leben, was Sie glauben, wen Sie gewählt haben -, hat das Recht, sich impfen zu lassen. Es ist Ihre Wahl.“

Die USA sind nicht das einzige Land, dass für die Corona-Impfung wirbt. Auch in Hongkong und Australien werden Impfanreize geschaffen. (spr/dpa)

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