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Wegen ihrer großen Augen und Zähne werden die Tiere auch Seedrachen genannt.
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Wegen ihrer großen Augen und Zähne werden die Tiere auch Seedrachen genannt.

Urzeit-Reptil mit Riesenschädel

  • VonSusanne Ebner
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Es war zehn Meter lang und tonnenschwer: In Großbritannien haben Forschende ein Ichthyosaurier-Fossil in einem Stausee freigelegt

Es ist zunächst ein gewöhnlicher Arbeitstag im Februar 2021 als Joe Davis, Mitarbeiter einer britischen Naturschutz-Organisation, während der routinemäßigen Trockenlegung einer Laguneninsel eine besondere Entdeckung macht: „Mein Kollege dachte, dass Rohre aus dem schlammigen Boden herausragen“, erzählt der 48-Jährige. Bei genauerem Hinsehen erkennt Davis auf dem Grund des Stausees „Rutland Water“ jedoch etwas, das was wie ein riesiger Kieferknochen aussieht. „Ich habe den Bezirksrat angerufen und gesagt: ‚Ich glaube, ich habe einen Dinosaurier gefunden‘.“ Was Davis für einen Dinosaurier hielt, war ein Ichthyosaurier-Reptil und damit ein sensationeller Fund, wie nun bekannt wurde.

Herausragend ist der Fund in der idyllischen Landschaft der englischen East Midlands wegen seiner Größe, aber auch, weil das Skelett des Urzeit-Riesen vollständig erhalten ist. Wer sich vorstellen möchte, welche Ausmaße das Reptil hatte, vergleicht es am besten mit einem englischen Doppeldeckerbus. Denn ein solcher entspricht in seinem Umfang etwa dem Rutland-Ichthyosaurier. Zehn Meter war er lang, sein Kopf wog eine Tonne – so viel wie ein Mini-Cooper.

„Es ist eine höchst bedeutsame Entdeckung, sowohl national als auch international, aber auch für die Menschen von Rutland und dem umliegenden Gebiet“, sagte Paläontologe Dean Lomax von der University of Manchester, der die Ausgrabungen geleitet hat, am Montag.

Nach dem zufälligen Auffinden der uralten Knochen benötigte das Team um Lomax rund zwei Wochen, um die fragilen Gebeine freizulegen. „Wir waren von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang beschäftigt. Es war sehr harte Arbeit“, erinnerte sich der Wissenschaftler an die Ausgrabungen im Spätsommer. Doch der Aufwand hat sich gelohnt. Denn schließlich war man in der Lage, das komplette Skelett zu bergen. „Es ist der Höhepunkt meiner Karriere“, sagte Lomax. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gehen davon aus, dass das Reptil vor etwa 180 Millionen Jahren gelebt hat.

Tatsächlich ist es nicht das erste Mal, dass in der Gegend des Stausees in der Grafschaft Rutland Überreste von Ichthyosauriern gefunden wurden. Schon beim Bau in den 1970er-Jahren wurden zwei unvollständige und kleinere Exemplare entdeckt. Das Wasserversorgungs-Unternehmen „Anglian Water“, dem das Gebiet gehört, sagte, es suche jetzt nach Finanzierungsmöglichkeiten, um die Überreste des jüngsten Fundes in der Nähe ausstellen zu können. „Wir sind uns der Bedeutung für die lokale Gemeinde bewusst“, sagte der Chef des Unternehmens Peter Simpson.

Ichthyosaurier werden oft als schwimmende Dinosaurier bezeichnet. Streng genommen handelt es sich dabei jedoch nicht um Dinosaurier, sondern um Reptilien, die ähnlich wie die berühmten Urzeitriesen, vor vielen Millionen Jahren ausstarben. Die riesigen Tiere, die lange an der Spitze der Nahrungskette standen, hatten eine stromlinienförmige, fischähnliche Form und glichen in ihrem Aussehen heutigen Delfinen. Anders als diese wurden sie jedoch sehr groß. Es wird angenommen, dass Ichthyosaurier eine Länge von bis zu 20 Meter erreichen konnten.

Das erste vollständige Skelett der Tiergruppe, die wegen ihrer großen Zähne und Augen auch Seedrachen genannt wird, entdeckte die britische Fossilienjägerin Mary Anning zu Beginn des 19. Jahrhunderts im Süden Englands. Sie gilt seither als eine der ersten Paläontologinnen. Ihr zu Ehren benannten Dean Lomax und Judy Massare vom Brockport College 2015 eine neu entdeckte Gattung des Reptils „Ichthyosaurus anningae“. Dies sei eine große Ehre, sagte der Lomax damals. Denn Anning habe „eine so wichtige Rolle bei der Gestaltung der Wissenschaft der Paläontologie insbesondere in Großbritannien gespielt“.

Bei dem Ichthyosaurier-Reptil, das man vergangenes Jahr in den englischen East Midlands gefunden hat, handelt es sich womöglich um eine Gattung namens „Temnodontosaurus trigonodon“. Sollte sich jedoch herausstellen, dass es sich um eine bislang unbekannte Art handelt, könnte sie nach ihrem Entdecker benannt werden: Joe Davis. Für den 48-Jährigen hat sich jedoch jetzt bereits ein Traum erfüllt: „Der Fund war absolut faszinierend“ und es sei großartig, sich vorzustellen, dass diese erstaunliche Kreatur einst in einem Meer schwamm, dass dort existierte, wo wir heute leben.

Das Skelett ist vollständig erhalten. Anglian Water/dpa (2)

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