Urlaubsglück in Reih und Glied - und auf Abstand: Die deutschen Strände sind in Zeiten von Corona noch beliebter als sonst.
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Urlaubsglück in Reih und Glied - und auf Abstand: Die deutschen Strände sind in Zeiten von Corona noch beliebter als sonst.

Reisen in Zeiten der Pandemie

Ich bin dann mal hier

  • vonMaike Geißler
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  • Jessica Orlowicz
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  • Thomas Mueller
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Urlaub 2020: Was geht wo in Deutschland?

Die Deutschen packen wieder ihre Koffer. Mallorca, Provence, Rhodos – alles ist aber irgendwie unsicher und ungewiss. Also doch lieber Scharbeutz, Füssen oder Timmendorfer Strand? Für viele Deutsche heißt jedenfalls das Traum-Urlaubsziel im Krisenjahr 2020: Deutschland. 31 Prozent der Bundesbürger planen ihren Sommerurlaub im eigenen Land. Das ergab eine Datenanalyse des Buchungssystembetreibers Traffics.

In einigen Bundesländern beginnen die Sommerferien schon in zwei Wochen. Die Mehrheit der Urlauber zieht es an Nord- und Ostsee. Die Küstenorte freuen sich auf Gäste – und fürchten den Massenansturm. Abstands- und Hygieneregeln gelten aber auch am Strand.

„Wir sollten uns über den Sommer ein bisschen mehr Mut erlauben“, sagt der Bonner Virologe Hendrik Streeck. Derzeit zeigten Studien, dass bis zu 81 Prozent der Infektionen asymptomatisch verliefen. „Die Zahl der Covid-19-Erkrankten auf den Intensivstationen ist derzeit rückläufig“, sagt Streeck. „Es besteht eine Chance, dass wir über den Sommer die Anzahl der Personen mit Teilimmunität erhöhen können.“

Doch darauf verlassen, dass „Ferien wie immer“ risikofrei sind, mag sich niemand. Eine App soll an der Ostsee regeln, wer wann an den Strand darf. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther setzt auf die Buchung eines Liegeplatzes am Strand per Smartphone. „Man kann über die App anmelden, dass man in einem bestimmten Zeitraum an einen Strandabschnitt will“, sagte der CDU-Politiker dem „Tagesspiegel“ zu den Plänen. Günther kündigte an: „Dass alle dicht an dicht wie in der Sardinenbüchse liegen, wird es bei uns nicht geben.“

Dass die Sorge vor zu vielen Menschen an Stränden und Promenaden berechtigt ist, zeigte etwa das Pfingstwochenende. Strände waren überfüllt, Hotels ausgebucht. Scharbeutz und Haffkrug an der Lübecker Bucht ließen am Montag keine weiteren Gäste mehr rein. Was heißt das für den Rest des Sommers? Wer einen Urlaub in Deutschland plant, sollte so bald wie möglich buchen. Das Angebot an den Küsten, aber auch am Alpenrand wird bereits knapp. Zu diesem Ergebnis kommt die Unternehmensgruppe HRS, mit rund 180.000 Ferienunterkünften einer der größten Anbieter in Deutschland. An der Ostseeküste sind laut HRS für den Juli beispielsweise 69 Prozent aller Ferienhäuser und Ferienwohnungen gebucht, auf den Nordseeinseln 79 Prozent. In den Bayerischen Alpen sind für den Juli nur noch 39 Prozent der Angebote verfügbar.

Besser sieht es beispielsweise in den Regionen Erzgebirge, Schwäbische Alb, Spessart, Spreewald, Sächsische Schweiz, Schwarzwald, Sauerland, Teutoburger Wald, Taunus oder Rheinland aus. „Dort ist die Auslastung noch verhältnismäßig niedrig, so dass Urlauber dort nach wie vor große Auswahlmöglichkeiten haben“, sagt HRS-Sprecher Björn Zimmer.

Zum Wandern in die Chiemgauer Alpen.

Die Bahn kündigte an, im Sommer eine ganze Reihe zusätzlicher ICE-Züge fahren zu lassen - in Süd-Nord-Richtung und umgekehrt. Urlauber können dann Rügen, die Ostfriesischen Inseln und Tirol besser erreichen. 

Baden-Württemberg: Städtetrips im Ländle 

Das Ländle ist vor allem für den Schwarzwald, einen der schönsten Nationalparks hierzulande, bekannt. Die Touristik hat dort sehr unter der Pandemie gelitten. Die Landesregierung unterstützt die Reisebranche deshalb noch drei weitere Monate finanziell. Nach Angaben der HRS Group sind zur Sommersaison auf der Schwäbischen Alb noch rund 90 Prozent der Ferienwohnungen und -häuser unbesetzt. Geheimtipp: Städtetrips ohne Urlaubermassen in Kleinstadtperlen wie Bad Säckingen, Ehingen an der Donau oder Schramberg.

Bayern: Unbekannte Gipfel

Glitzernde Seen, hohe Berge, traumhafte Schlösser: Bayern bietet Urlaubern ein abwechslungsreiches Programm. Und: Es gibt noch Platz. Die Buchungen für Juni liegen noch 65 Prozent unter denen des Vorjahresmonats, für August sind es aktuell 61 Prozent weniger, berichtet der Bayerische Hotel- und Gaststättenverband. Restaurants sind wieder geöffnet, Hotels müssen derzeit noch Wellnessbereiche und Pools geschlossen halten. Geheimtipp: In der Nähe des Walchensees lohnt eine Wandertour auf den Heimgarten oder den Rabenkopf – beide sind nicht ganz so bekannt wie der Herzogstand, der meistbesuchte Berg der Region.

Berlin: Das Stadtleben läuft an 

Die Sehenswürdigkeiten der Hauptstadt sind nach wochenlanger Zwangspause wieder geöffnet. 

Und Touristen haben gute Chancen, in diesem Sommer Unterkünfte zu finden. Das Stadtleben mit Kneipen, Rundfahrten und Führungen läuft wieder, wenn auch mit Einschränkungen bezüglich der Öffnungszeiten und Abstandsregeln. 

Zum Flanieren nach Berlin.

Geheimtipp: Wer eine Pause vom Gewusel braucht, kann die Villenkolonie im Grunewald am malerischen Königssee oder in Neu-Venedig ganz im Südosten mit seinen Kanälen und Brücken besuchen.

Brandenburg: Wandern am Wasser

Flexibilität ist für Spätentschlossene gefragt, denn die Buchungslage ist der Gesellschaft Tourismus-Marketing Brandenburg (TMB) zufolge gut. Beliebt seien vor allem die Campingplätze sowie Ferienwohnungen und -häuser. Beide könnten schon seit dem 15. Mai wieder gebucht werden, seit 25. Mai seien alle Herbergen geöffnet. Ein Großteil der Reisenden bevorzuge Orte am Wasser – bei mehr als 3000 Seen dürfte das aber kein Problem sein. Geheimtipp: Wandern auf rund 2000 Kilometern Wanderwegen, etwa dem Burgenwanderweg, dem Internationalen Kunstwanderweg im Fläming und dem Märkischen Landweg. 

Bremen: Schiffe und Schlachte 

Das kleinste Bundesland punktet mit historischen Gebäuden, dem Fischerviertel Schnoor, der Uferpromenade Schlachte. Und: Alles ist zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichbar. Museen, Galerien und Gedenkstätten sind wieder geöffnet. Wer die Stadt erkundet hat, sollte noch einen Abstecher in die Wümmeniederungen machen. Zwischen Deichen und Weiden ducken sich alte Bauernhäuser mit Reetdach, einige mit Hofcafé. Die Bettenkapazitäten sind derzeit noch groß. Geheimtipp: eine Unterkunft mit Blick auf die viel befahrene Weser oder auf einem Hotelschiff.

Hamburg: Kultur und Dünen

Die Hansestadt bietet nicht nur Musicalfans eine Reihe von Highlights. Neben schimmernden Gewässern, Wäldern und Moorgebieten gibt es im Umland sogar sandige Dünen. Nachdem zuletzt die Hotels leer waren, läuft der Inlandstourismus – sehr langsam – wieder an. Restaurants und Hotels sind offen. Bis der Kulturbetrieb aber wieder wie gewohnt läuft, wird es noch Monate dauern. Tipp für die Wartezeit: der archäologische Wanderpfad mit Funden aus Jungsteinzeit, Bronzezeit und Eisenzeit in der Fischbeker Heide.

Hessen: Natur und Kultur

Wälder und Mittelgebirge für Naturfreunde, Frankfurt für Kulturfans: Hessen ist ein attraktives Reiseland in der Mitte. Urlauber finden noch Unterkünfte. Ein bisschen knapp könnte es, sagt Dehoga-Geschäftsführerin Kerstin Junghans, lediglich an Flüssen, Seen und Bergen werden. Geheimtipp: Eine Mischung aus Natur und Kultur – mit Wandern in der Rhön oder an der Lahn und Museumsbesuchen in Marburg oder Kassel. Hessen hat früh seine Corona-Regeln gelockert, Gaststätten und Bars sind geöffnet. Dort und auch in den Museen wird auf Abstandsregeln geachtet.

Mecklenburg-Vorpommern: Das beliebteste Reiseziel

Das Land im Nordosten ist der Deutschen liebstes Reiseziel. Derzeit dürfen Hotels und Campingplätze dort nur 60 Prozent ihrer Betten belegen, Mitte Juni werden die Regeln überprüft. Bereits zu Pfingsten gab es vielerorts keine Kapazitäten mehr. 

Für den Sommer sind nach Angaben der HRS Group nur noch 31 bis 37 Prozent der Unterkünfte verfügbar, auf den Inseln sind es nur noch 29 bis 34 Prozent. 

Geheimtipp: Urlaub im Gutshaus, abseits des Mainstreams im Mecklenburger Parkland oder der Mecklenburgischen Schweiz.

Niedersachsen: Mit Rad an der Ems

Das Land mit Nordseeanschluss und Mittelgebirgsgipfeln liegt auf Platz vier der beliebtesten Urlaubsziele in Deutschland. Doch in Corona-Zeiten haben Urlauber noch viele Buchungsoptionen. Im Harz etwa sind laut HRS Group noch 75 Prozent der privaten Unterkünfte verfügbar. Die Vielfalt des Landes von der Nordsee bis zur Lüneburger Heide bedingt viele Corona-Regeln, die gerade für die Inseln in Stufen angepasst werden. Geheimtipp: Der Ems-Radweg, der viele Kilometer entlang des Flusses führt, aber auch durch historische Städte und idyllische Landschaften.

Nordrhein-Westfalen: Wald und Metropolen

Wilde Parklandschafen treffen auf schluchtenartige Täler, dicht bewaldete Gipfel, einen Urwald und sogar ein Vulkangebiet – und lebendige Großstädte wie Köln, Bonn oder Düsseldorf. Hotels haben nach Auskunft des Dachverbands Tourismus NRW noch höhere Kapazitäten als Campingplätze und Ferienvermieter. Geheimtipp: Radtouren an Rhein und Ruhr. Um Menschenansammlungen im bevölkerungsreichsten Bundesland zu vermeiden, gibt es viele Touren zu unentdeckten Zielen.

Rheinland-Pfalz: Wein am Rhein

Wälder, Flusstäler und Berge: Rheinland-Pfalz ist eines der beliebtesten Reiseziele der Naturliebhaber hierzulande. Allerdings sind die Unterkünfte im Bundesland laut Gereon Haumann, Präsident des örtlichen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga), für die Monate Juni, August und September bislang nur unter 50 Prozent gebucht – eine Chance für Reisende. Und: Die beliebten Wellnesshotels mit ihren Spas dürfen bereits am 10. Juni öffnen. Tipp für Wein- und Wasserliebhaber: Touren entlang Mosel und Rhein mit Besuchen bei den Winzern in der „deutschen Toskana“.

Saarland: Reisen mit Pausen

Das Weltkulturerbe Völklinger Hütte, die Teufelsburg und die Ludwigskirche, der Nationalpark Hunsrück-Hochwald und ein Urwald vor den Toren der Hauptstadt – das kleine Land im Westen steckt voller Überraschungen. Das Saarland hat den Tourismusbetrieb bewusst langsam wieder hochgefahren. Trotzdem waren die Campingplätze über Pfingsten schon fast ausgebucht. Geheimtipp: Auf zahlreichen Wanderwegen können sich Reisende Hängematten für eine ausgedehnte Pause ausleihen. Die erprobten „Baumelstationen“ sind gekennzeichnet und als Rastplatz verortet.

Sachsen: Fliegen und raften

Hier treffen Bildungshungrige, Geschichtsfans und Naturliebhaber aufeinander. „Es bestehen noch gute Chancen, eine passende Unterkunft für den Sommerurlaub zu finden“, sagt Veronika Hiebl, Geschäftsführerin der Tourismus-Marketing-Gesellschaft (TMGS). 

Zum Radfahren nach Sachsen.

In der Sächsischen Schweiz und im Erzgebirge allerdings „ist die Buchungslage bereits sehr gut“. Sachsen hat schon am 15. Mai Hotels und Ferienwohnungen sowie Restaurants geöffnet.

Geheimtipp: die längste Flyline Europas in Oberwiesenthal oder Rafting im Kanupark Markkleeberg.

Sachsen-Anhalt: Viele freie Plätze

Sachsen-Anhalt steht bei Urlaubern nicht eben hoch im Kurs. Dabei gibt es jede Menge zu entdecken. Zugpferd für den Tourismus sind Harz, Bauhaus und Naumburger Dom. Eine Unterkunft finden Touristen im Sommer noch, nach Angaben der HRS Group sind sogar im Harz noch 75 bis 79 Prozent der Ferienwohnungen und -häuser verfügbar. Der Tourismus für Nichteinheimische ist erst seit Ende Mai wieder möglich. Tipp für Entdecker: ausgedehnte Paddeltouren in der Region Saale-Unstrut mit ihren Weinbergen, Burgen und Domen aus dem Hochmittelalter.

Schleswig-Holstein: Radelnd Schiffe gucken

Das Land zwischen Nordsee und Ostsee ist heiß begehrt – auch in Zeiten der Krise. „An den bekannten touristischen Hotspots sind die Beherbergungsbetriebe im Juni und August größtenteils sehr gut gebucht“, sagt Manuela Schütze von der Tourismusagentur Schleswig-Holstein. Wer aber flexibel ist, finde sicher noch eine Unterkunft. Kiel hat die Corona-Regeln je nach Besucheraufkommen immer wieder angepasst und will das weiter tun. Geheimtipp: Das Binnenland mit seinen 300 Seen und der Radwanderweg entlang des Nord-Ostsee-Kanals, inklusive Schiffegucken.

Thüringen: Stille Wälder

Thüringen bietet mit Weimar, Erfurt, Eisenach und Jena spannende Ziele für Städtereisen. Doch derzeit sind auch in diesem Bundesland, das als erstes die Corona-Regeln weitgehend ad acta gelegt hat, Wandern und Radfahren in der Natur besonders gefragt. Im Vogtland herrscht wieder Betrieb, im Altenburger Land und im Thüringer Wald ist es noch still. Und auch die Buchungen für die Sommerferien lassen auf sich warten. Tipp für Naturfans: der Nationalpark Hainich, mit 130 Quadratkilometern das größte zusammenhängende Laubwaldgebiet Deutschlands.

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