Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Eine Frau auf dem Gleis am Frankfurter Hauptbahnhof, im Hintergrund ein ICE der Deutschen Bahn. (Symbolbild)
+
Eine Frau auf dem Gleis am Frankfurter Hauptbahnhof, im Hintergrund ein ICE der Deutschen Bahn. (Symbolbild)

Deutsche Bahn (DB)

Urlaub mit der Deutschen Bahn in Corona-Zeiten: Chaotische Reservierungen

  • Michael Bayer
    VonMichael Bayer
    schließen

Viele Reisende nutzen während der Corona-Krise die Fernzüge der Deutsche Bahn. Doch das Corona-Konzept der DB löst viel Kritik aus.

Frankfurt - Urlaub eher im Inland ohne Probleme bei der Rückkehr, Furcht vor der nächsten Infektionswelle mit neuerlichen Beschränkungen: Die aktuelle Corona-Lage scheint viele Menschen in die innerdeutschen Fernzüge zu lenken. ICE und IC sind in diesen Sommerferien so voll wie seit dem Beginn der Pandemie nicht mehr – obwohl täglich 10.000 zusätzliche Sitzplätze bereitstehen. Und es zeigt sich: Das Hygiene- und Schutzpaket der Deutschen Bahn gerät an seine Grenzen.

Der Konzern gibt die Auslastung im Fernverkehr mit 40 Prozent an - ein Durchschnittswert. „Besetzung von mehr als der Hälfte der Sitzplätze erwartet“, lesen die Fahrgäste aber auf den Hauptrouten in der Reiseauskunft bei vielen Verbindungen, unabhängig von der Wagenklasse. Sicherheitsabstand im Form eines freien Stuhls nebenan ist damit schon rechnerisch nicht mehr möglich.

Reservierungen: Deutsche Bahn trennt in Corona-Zeiten Familien voneinander

Mit Blick auf die Pandemie hatte die Deutsche Bahn ihr Reservierungssystem angepasst – und auf zwei Drittel der vorhandenen Plätze beschränkt. Das bedeutet jedoch nicht, dass die restlichen Sitze zwingend frei blieben: Sie stehen Reisenden ohne Reservierung zur Verfügung.

Das erzeugt bei steigender Auslastung mitunter kuriose Situationen. Weil sich beispielsweise in einem Sechserabteil eines ICE nur drei Plätze buchen lassen, muss eine Familie mit zwei Kindern den vierten Sitz anderswo im Zug bestellen. Je voller es wird, desto wahrscheinlicher sind die verbleibenden Plätze des Abteils von Fremden besetzt. Damit vermischt das Schutzkonzept die Reisenden, statt sie haushaltsweise zusammenzuhalten.

Deutsche Bahn in der Corona-Krise - „Pro Bahn“ übt Kritik

Die Deutsche Bahn weist auf eigene Bereiche hin, in denen Fahrgäste aus einem Haushalt „problemlos zusammen reisen und auch zusammen reservieren“ könnten. Auf Nachfrage nennt ein Sprecher Tische mit vier Plätzen in den Großraumwagen.

Lukas Iffländer, Stellvertretender Vorsitzender des Fahrgastverbands Pro Bahn, muss da lächeln. „Ich habe seit Wochen keine Tische mehr gesehen, an denen noch alle Plätze reservierbar gewesen wären.“

Deutsche Bahn und der ICE: Typen, Tempo, Trassen

ICE 1Mit dem Zug, gebaut von 1988 bis 1993, startete Deutschland ins Hochgeschwindigkeits-Zeitalter. Kennzeichen: Buckel über dem Restaurant. Tempo 280, 58 Fahrzeuge, einige davon verkehren bis in die Schweiz. Sollen überarbeitet und verkürzt bis 2030 rollen.
ICE 2Erstellt von 1994 an; ähnelt optisch dem ICE 1, besteht aber aus zwei Teilen. Oft eingesetzt zwischen Berlin und Ruhrgebiet mit Zugteilung in Hamm. Ohne Buckel über dem Restaurant. Tempo 280, 44 Fahrzeuge.
ICE 3Mit Tempo 330 bisher schnellster ICE, im Inland bis Tempo 300 unterwegs. Gebaut seit 1997. Besteht aus acht Wagen, meist im Doppelpack auf Tour. Kennzeichen: vorne dynamisch zugespitzt, mit Farbstreifen an der Front. Viel gesehen auf den Schnellfahrstrecken Köln–Frankfurt und Nürnberg–Erfurt. 49 Fahrzeuge; 16 weitere mit Belgien- und Niederlande-Zulassung. Seit 2009 gibt es weitere 17 Züge (mit eckigen Türgläsern), die auch nach Frankreich fahren. Die jetzt bestellten ICE sind vom gleichen Typ.
ICE TKonzipiert für Routen jenseits der Rennstrecken. Kommt auf Tempo 230 und nimmt dank Neigetechnik Kurven schnell. Ebenfalls zugespitzt, aber vorne ohne Farbstreifen. In Hessen unterwegs zwischen Darmstadt, Frankfurt, Gießen und Kassel. Gebaut seit 1996. 59 Züge mit sieben Wagen, elf Fahrzeuge mit fünf Wagen. Eine Diesel-Variante rollt nicht mehr für Fahrgäste.
ICE 4Aktuelles Standard-Fahrzeug. Langer Zug mit eckigen Türgläsern, vorne breit. Viel unterwegs auf den Hauptrouten von Norden nach Süden bis in die Schweiz. 50 ICE mit zwölf Wagen für Tempo 250 sind ausgeliefert, bestellt weitere 37 Züge mit sieben Wagen sowie 50 Fahrzeuge mit 13 Wagen, die dann Tempo 265 schaffen.
Intercity/EurocityDie klassischen IC-Wagen sind Jahrzehnte alt und sollen ersetzt werden. Die früheren Interregio-Fahrzeuge ohne Klimaanlage sind bereits aussortiert. Seit 2015 setzt die Bahn aus dem Regionalverkehr bekannte Doppelstockwagen als Intercity 2 ein. Bestellt sind ferner 23 Züge beim spanischen Hersteller Talgo, die von 2023 an als EC fahren sollen. 

Reservierungen bei der Deutschen Bahn: Fahrgastverband Pro Bahn übt Kritik

Nach Beobachtungen des Verbands funktioniert das Schutzkonzept bis zu einer Auslastung von 50 bis 60 Prozent. Hier helfe es, die Fahrgäste über alle Wagen zu verteilen. „Wir liegen jetzt aber oft drüber. Und dann erzeugt das Reservierungssystem mehr Chaos und Unzufriedenheit, als wenn man insgesamt freigeben würde“. Es gebe Streit zwischen den Reisenden, und nicht selten ließen sie ihren Unmut am Zugpersonal aus.

Denkbar ist für den Fahrgastverband auch, den Anteil der reservierbaren Sitze parallel zur Auslastung zu erhöhen. Und bei Familienreservierungen in einem Abteil könnten die Beschränkungen ganz wegfallen. „Das kann technisch gar nicht so schwierig sein“, fügt Iffländer hinzu, der beruflich in der IT-Branche unterwegs ist.

Deutsche Bahn: Corona-Infektionsrisiko gering

Einig sind sich Pro Bahn und das Verkehrsunternehmen darin, dass Reisende auch künftig spontan und ohne Reservierungen fahren dürfen sollen. „Insbesondere Stammkunden wie Bahncard-Inhaber und Berufspendler, die flexibel reisen möchten, wählen die Bahn aus genau diesem Grund: weil sie es gut finden, jederzeit in einen Zug einsteigen zu können“, erläutert der Konzern.

XXL-ICE

Langer Zug: Seit dem Fahrplanwechsel im Juni setzt die Deutsche Bahn zunehmend besonders lange ICE ein. Es handelt sich um Fahrzeuge der jüngsten, vierten Baureihe, die einen zusätzlichen Zweite-Klasse-Wagen mit 88 Plätzen enthalten. Der von Siemens hergestellte Zug bietet damit insgesamt 918 Sitze und ist 374 Meter lang. Er rollt zwischen Hamburg und Zürich oder München. Die Deutsche Bahn spricht gerne von einem XXL-ICE. Sie hat 50 der 13-teiligen Züge bestellt; ausgeliefert sind davon bisher zehn.
Schneller Zug: Da der zusätzliche Wagen, eingereiht mit der Ordnungsnummer acht, über einen Antrieb verfügt, erhöht er das maximale Tempo des gesamten ICE auf 265 Kilometer pro Stunde. Die zunächst gelieferten 50 ICE der Baureihe mit zwölf Wagen schaffen 250 Kilometer pro Stunde. Die höhere Maximalgeschwindigkeit soll vor allem helfen, Verspätungen aufzuholen. Zu Sprintern werden die ICE mit den kantigen Triebköpfen dennoch nicht. Andere ICE sind in Deutschland mit bis zu Tempo 300 unterwegs. bay

In Zügen der Deutschen Bahn müssen Reisende einen Mund-Nasenschutz tragen, in Fernzügen vorzugsweise eine FFP2-Maske. Nach anfänglichen Schwierigkeiten wird das inzwischen auch vom weitaus überwiegenden Teil der Fahrgäste so gehandhabt. Das Unternehmen verweist zudem auf Studien, nach denen die Klimaanlagen die Luft in den ICE alle sieben Minuten vollständig erneuerten. Deshalb sei das Infektionsrisiko in den Zügen gering. (Michael Bayer)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare