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Die Urahnen des iPod

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Der Walkman - als die Musik das Laufen lernte.
Der Walkman - als die Musik das Laufen lernte. © Archiv

Die "körpergebundene Kleinanlage für die hochwertige Wiedergabe von Hörereignissen" - besser bekannt als "Walkman" - feiert Geburtstag. FR-online.de erinnert an Vorgänger und Nachfolger.

Die "körpergebundene Kleinanlage für die hochwertige Wiedergabe von Hörereignissen" - besser bekannt als "Walkman" - feiert 30. Geburtstag. Der Name wurde zum Synonym für alle tragbaren Kassettenabspielgeräte und genießt bis heute Kultstatus. Auch wenn man heute wohl keinem Teenager mehr erklären kann, dass der Walkman ohne Shuffle-Button auskam - und dass man die Kassetten zwischendrin umdrehen musste. FR-online.de erinnert an Vorgänger und Nachfolger.

Kofferradio

Markteinführung: Die ersten Kofferradios gab es in den USA in den 1920er Jahren. In Deutschland gilt der "Boy Junior" von Grundig aus dem Jahr 1952 als erstes Kofferradio, der Preis betrug anfangs etwa 125 DM.

Was war revolutionär: Mit dem Kofferradio begann die Ära der tragbaren Musikwiedergabegeräte. Vorbei war die Zeit, in der sich der Hörer zu einem riesigen Kasten ins Wohnzimmer bewegen musste. Die ersten Kofferradios waren allerdings, ähnlich wie die schweren stationären Apparate, Röhrengeräte. Die Boomzeit des Kofferradios begann mit der US-amerikanischen Erfindung der Transistortechnologie: Dadurch wurden die Geräte deutlich leichter, robuster und verbrauchten weniger Energie. Das weltweit erste Transistorradio, das Regency TR-1, kam 1954 in den USA auf den Markt. In Deutschland machte 1957 die Firma Akkord-Radio mit dem "Akkord Peggie" den Auftakt bei den Transistorradios. Vor allem Jugendliche nahmen das neue Spielzeug in den 60er Jahren überall mit hin: Tagsüber in den Park, abends unter die Bettdecke - um dort der von den Eltern oft missbilligten Rock'n Roll-Musik aus den USA zu lauschen.

Was ist daraus geworden: Seinen Kultstatus hat das Kofferradio zwar längst verloren, findet aber in vielen Küchen, Badezimmern, Werkstätten und Kuhställen noch seinen Platz.

Hits der Ära: "Return to Sender" (Elvis Presley, 1962), "You Really Got Me" (The Kinks, 1964), "(I Can't Get No) Satisfaction" (The Rolling Stones, 1965)

Ghettoblaster

Markteinführung: Die ersten mobilen Stereoanlagen mit Kassettendeck und Radio entwickelten japanische Hersteller wie Aiwa und Sony Mitte der 70er Jahre. Als erster stereotyper Ghettoblaster gilt der JVC-RC 838 aus dem Jahr 1978. In Deutschland lag der Preis für einen Ghettoblaster anfangs bei 1200 DM.

Was war revolutionär: Draußen ganz laut die persönliche Lieblingsmusik hören? Kein Problem - mit Musikkassetten-Deck und großen, leistungsstarken Lautsprecherboxen lief der Ghettoblaster dem Kofferradio den Rang ab. In den 80er Jahren wurde er zum Kultobjekt einer ganzen Generation und zum unverzichtbaren Begleiter der amerikanischen Breakdance-Szene in New York. Lässig trugen Jugendliche die Geräte auch in den ärmeren Vierteln auf der Schulter herum. Die damals noch junge Hiphop-Szene entdeckte den Ghettoblaster ebenfalls bald als Statussymbol. Die Welle der Begeisterung schwappte auch nach Deutschland über, wo man in der ersten Hälfte der 80er Jahre, der Boomzeit der "Boombox", für ein gutes Gerät locker das Monatsgehalt eines Durchschnittsverdieners hinblätterte.

Was ist daraus geworden: Der Hype ist verebbt, in Großstädten gehen Jugendliche aber immer noch mit ihren Ghettoblastern auf die Straße. Hochwertige Geräte aus der Boomzeit sind Sammlerobjekte.

Hits der Ära: "The Message" (Grandmaster Flash, 1982), "It's Like That" (Run-D.M.C., 1983), "Thriller" (Michael Jackson, 1983)

Walkman

Markteinführung: 1979 brachte Sony in Japan und den USA den blauen, knapp 400 Gramm schweren TPS-L2 auf den Markt. In Deutschland erschien er 1980 und kostete 498 DM.

Was war revolutionär: Mit dem Walkman konnte man seine Musik inmitten vieler Menschen ganz für sich alleine hören. Auch an eigentlich ruhigen Orten. Und er war leicht! Sony-Manager Masaru Ibuka - Fan von Bach und Beethoven - soll seine Angestellten mit dem Bau eines solchen Gerätes beauftragt haben, um im Flugzeug nicht auf seine Musik verzichten zu müssen. Doch eigentlich ist der kleine tragbare Kassettenspieler mit Kopfhörern, für den sich Sonys Markenname "Walkman" schnell als Bezeichnung auch für die Geräte anderer Hersteller etablierte, keine Sony-Erfindung. Der Deutsche Andreas Pavel hatte bereits 1977 eine "körpergebundene Kleinanlage für die hochwertige Wiedergabe von Hörereignissen" zum Patent angemeldet. Der Patent-Streit zwischen Sony und Pavel endete 2004 mit einer außergerichtlichen Einigung, bei der Pavel mehrere Millionen kassiert haben soll.

Was ist daraus geworden: Vom Discman ließ er sich nicht verdrängen, doch mit dem Aufkommen von MP3-Playern verschwand der Walkman - abgesehen wenigen von Nostalgie-Exemplaren - zunehmend von den Straßen.

Hits der Ära: "Video killed the radio star" (The Buggles, 1980), "Under Pressure" (Queen and David Bowie,1982), "People Are People" (Depeche Mode, 1983)

Discman

Markteinführung: Das erste Modell namens D-50 brachte Sony 1984 auf den Markt. In Deutschland kostete der Discman zu Beginn 500 DM.

Was war revolutionär: Der Siegeszug des Walkman war in vollem Gang, als 1982 die Compact Disc (CD) zur digitalen Speicherung und zur Wiedergabe von Musik erfunden wurde. Da lag es nahe, ein kleines tragbares Gerät mit Kopfhörern auf den Markt zu bringen, das statt Kassetten eben CDs abspielt. Im Gegensatz zu den meisten seiner Folgemodelle war der D-50 eckig, nicht rund. An der Größe des Gerätes hat sich dagegen nicht viel verändert: Der erste Discman war etwa doppelt so hoch wie zwei CD-Hüllen. Obwohl noch niemand wusste, wie praktisch iPod und Co. eines Tages sein würden, erschien der Discman vielen Benutzern zu sperrig und zu sensibel. Den Kultstatus des Walkman hat er daher auch Jahre später nie erreicht.

Was ist daraus geworden: Auch wenn die CD ein beliebter Tonträger geblieben ist - der Discman hat ausgedient.

Hits der Ära: "You're My Heart, You're My Soul" (Modern Talking,1984), "Hunting High And Low" (A-Ha, 1986), "The Look" (Roxette,1989).

iPod

Markteinführung: 2001 brachte Apple den ersten iPod auf den Markt. Der Einführungspreis in Deutschland lag bei 530 Euro.

Was war revolutionär: Die Idee, Musikdateien stark zu komprimieren und sie von sehr kleinen Geräten wiedergeben zu lassen war nicht neu, als der iPod auf den Markt kam. Digitale Audioplayer, besser bekannt als MP3-Player, gab es bereits seit den späten 90er Jahren. Trotzdem revolutionierte der iPod die Möglichkeiten des Musikhörens: Zum Einen mit seiner für damalige Verhältnisse enormen Speicherkapazität von fünf Gigabyte, die Apple bei den Geräten der neuesten Generation auf bis zu 160 Gigabyte gesteigert hat. Wer darauf nicht seine komplette Musiksammlung unterbringt, kann zu recht als Exot bezeichnet werden. Außerdem gibt der iPod Videos sowie Radio- und TV-Sendungen wieder, die sich in Form so genannter Podcasts im Internet herunterladen lassen. Die Möglichkeit, am Computer erstellte Listen zu übertragen, eine kinderleichte Handhabung und das ansprechende Design tragen ebenfalls zur Beliebtheit des Gerätes bei. In den Anfangstagen waren der iPod und die zugehörige Software iTunes nur mit Mac-Computern kompatibel, doch diese Schwäche war schnell behoben. Bleibt als Minuspunkt des iPods eigentlich nur sein hoher Preis.

Was ist daraus geworden: Der iPod gilt heute als meistverkaufter tragbarer Musikspieler der Welt und ist mit seinen charakteristischen weißen Kopfhörern zum Statussymbol geworden.

Aktuelle Hits bei iTunes: Musik: "Jungle Drum" (Emiliana Torrini, 2009 ), Musik-Video: "Thriller" (Michael Jackson, 1984), TV-Folgen: "Grey's Anatomy", Podcasts: "Switch Reloaded".

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