Spanien

Unzuverlässiger Killer

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Anzeige gegen Mann, der einen vereinbarten Mord nicht ausführen will.

Die Sprecherin der spanischen Nationalpolizei kann den Anflug eines Lächelns nicht unterdrücken, als sie von dem Fall erzählt. Aber es soll sich alles wirklich so zugetragen haben: Am 14. Juni erschienen zwei Frauen, Mutter und Tochter, auf einer Polizeiwache in Madrid, um eine Anzeige zu erstatten. Die 52-jährige Mutter sei von ihrem Ex-Freund um etliche Zehntausend Euro betrogen worden, wovon sie dem Freund der 20-jährigen Tochter erzählt hätten. Der versprach, das Problem aus der Welt zu schaffen, indem er den betrügerischen Ex-Partner umbringen lasse und dessen Organe für 60 000 Euro verkaufe. Als Anzahlung habe er 7000 Euro erhalten, drei Monate seien seitdem vergangen, und nichts sei geschehen. Deshalb jetzt die Anzeige.

Als Beleg für ihre Erzählung brachten die Frauen einen Vertrag mit, den der untergetauchte Freund der Tochter aufgesetzt habe. Der Vertrag ist ein wunderbares Stück fantastischer Literatur. Unter dem Siegel des spanischen Geheimdienstes CNI beginnt er mit dem Satz: „Es wird das Protokoll EP-241-W2 des Rates der Vereinten Nationen aktiviert.“ Die Priorität sei die Suche nach dem Exfreund der Mutter, identifiziert über seine „Langzeitausweisnummer“. Die folgenden zehn Vertragspunkte werden mit dem Hinweis eingeleitet, dass sie „Kürzeln, Regeln und Chiffrierungsverfahren“ folgten.

Nach den ersten vier Vertragspunkten, die das Vorgehen bei der „Suche nach dem Subjekt“ beschreiben, kommt man zu Punkt 5: „Spende von Organen (sieben) zum Verkauf an den Orten T47/T49/W1/W33-7365981T57.“ Unter Punkt 7 ist geregelt, was im „Falle der Weigerung des Subjektes, seine Organe zu spenden“, geschehen solle: Dann komme der „Code 341“ zur Anwendung. Von „Mord“ oder „Tötung“ ist nirgendwo die Rede.

„Experte in Eliminierungen“

Um die Frauen von seiner Professionalität zu überzeugen, fügte der 29-Jährige einen Lebenslauf bei: Er sei Experte im „Kampfschießen“, in „tausendjährigen Künsten“, in „Vernehmungen“ und „Eliminierungen“. Er spreche 22 Sprachen, darunter Bengalisch und Hawaiianisch. Er habe an 352 Missionen in 104 Ländern teilgenommen und dabei „1897 Ziele ausgeschaltet“. Den Vertrag unterzeichnete er als „Erster Rat für Spezialoperationen des C.I.A.-Mossad (USAD)“, zurzeit in Reserve.

Der Mann strich die vereinbarten 7000 Euro ein und ließ nicht wieder von sich hören. Womit er offenbar nicht rechnete: Wer einen solchen Vertrag für glaubwürdig hält, der ist auch von dessen Rechtmäßigkeit überzeugt. Als sie gar nichts mehr von dem 29-Jährigen hörten, fühlten sich Mutter und Tochter übers Ohr gehauen und gingen zur Polizei. Dass sie einen Mord in Auftrag gegeben hatten, war ihnen gar nicht in den Sinn gekommen. Umso überraschter waren sie, als sie auf der Polizeiwache festgenommen wurden.

Danach setzte die Polizei die „Operation Kafka“ in Gang – die spanische Polizei liebt es, ihren Ermittlungen beziehungsreiche Namen zu geben. Als erstes wurde der vorgebliche Geheimdienstagent festgenommen, in seiner Wohnung. Dann machten sich die Beamten auf die Suche nach dem unfreiwilligen Organspender, der gesund und munter war. Gegen ihn wird jetzt aber auch ermittelt, wegen mutmaßlichen Betrugs. Alle Verdächtigen sind inzwischen wieder unter Auflagen auf freiem Fuß. Offenbar denkt die Polizei, dass von ihnen keine Gefahr ausgeht.

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