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Sie haben überlebt und sind versorgt – aber was ist mit den 400 000 anderen Menschen, die nach dem Sturm „Idai“ obdachlos sind?

Zyklon Idai

Zerstörung in Mosambik und Simbabwe

Erst Tage, nachdem der Zyklon Idai über Mosambik und Simbabwe hinweggezogen ist, wird das Ausmaß der Katastrophe deutlich. Helfer befürchten, dass für viele Menschen die Hilfe zu spät kommt.

Tage nach den verheerenden Zerstörungen durch Wirbelsturm „Idai“ in Mosambik und Simbabwe laufen die Rettungsmaßnahmen nur schleppend an. Viele der zerstörten und von schwersten Überschwemmungen betroffenen Gebiete waren auch am Dienstag von der Außenwelt abgeschnitten, und die Rettung von Überlebenden wurde mehr und mehr zu einem Rennen gegen die Zeit. Die Behörden rechnen mit hunderten Toten. Hunderttausende Menschen sind betroffen, einer Schätzung des Roten Kreuzes zufolge seien bis zu 400 000 Menschen zeitweise obdachlos geworden.

Begleitet von heftigem Regen war „Idai“ am späten Donnerstag in der Nähe von Mosambiks zweitgrößter Stadt Beira auf Land getroffen und dann nach Simbabwe weitergezogen. Er löste Sturzfluten und Überschwemmungen aus. Tausende Gebäude, darunter auch Krankenhäuser und Schulen, wurden zerstört, ebenso wie unzählige Straßen, Brücken und Felder.

Das Rote Kreuz hatte zuvor gewarnt, dass rund 90 Prozent von Beira schwer beschädigt oder zerstört seien. Die Hafenstadt ist wegen der Überschwemmungen nur noch aus der Luft zu erreichen. Ein Nothilfeteam von Ärzte ohne Grenzen sollte dort am Dienstag eintreffen, um medizinische Hilfe zu leisten und bei der Trinkwasserversorgung zu helfen. Die EU stellte 3,5 Millionen Euro Soforthilfe bereit.

Auch in Simbabwe ist das Ausmaß der Schäden noch unbekannt.

Allein in Mosambik wurde ein Gebiet mit einem Durchmesser von hundert Kilometern überflutet. Hunderte Menschen starben offenbar, andere konnten sich gerade noch auf Bäume oder Hausdächer retten. Präsident Filipe Nyusi berichtete am Montag nach einem Flug über das Katastrophengebiet von zahllosen Leichen, die im Wasser trieben. Er rechnete mit mehr als tausend Opfern. Auch am Dienstag ließ sich das ganze Ausmaß der Katastrophe in beiden Ländern nicht überblicken. Mit Schlauchbooten und wenigen Hubschraubern drangen die Helfer mühsam in die Hochwassergebiete vor. Immer noch behinderte heftiger Regen ihre Arbeit. Zudem drohten mehrere Staudämme überzulaufen.

Ein Helfer sprach von einem „Ozean“, der ganze Dörfer abgeschnitten habe. Immer noch harrten dort die Menschen auf Bäumen oder Dächern aus, berichtete Ian Scher von der südafrikanischen Organisation Rescue SA, die sich an der Seite des südafrikanischen und mosambikanischen Militärs an den Bergungsarbeiten in Mosambik beteiligt. Seit Freitagnacht hat Schers Organisation nach eigenen Angaben 34 Menschen gerettet. Doch stehen ihr bislang nur drei Hubschrauber zur Verfügung.

„Wir retten so viele, wie wir können, doch sind das nicht alle“, sagte Scher. „Wir müssen schwierige Entscheidungen treffen. Manchmal können wir nur zwei von fünf retten. Manchmal werfen wir nur Essen ab und retten jemand anderes, der in größerer Gefahr ist.“ Allein auf einer mitten in den Fluten entstandenen „Insel“ hätten sich 350 Menschen gerettet und warteten nun dringend auf Hilfe.

Die Helfer stünden derzeit vor allem vor zwei Problemen, berichtete der Chef von Rescue SA weiter: „Wir haben die Leute in den Bäumen, die gegen Schlangen, Insekten und Raubtiere kämpfen müssen – und wir haben die Menschen, die auf Hausdächern oder Inseln gestrandet sind und nichts zu essen haben“. Die Helfer täten, was sie könnten. Diejenigen, die sie nicht retten können, „werden umkommen“.

Im benachbarten Simbabwe meldeten die Behörden bisher knapp hundert Tote und über 200 Vermisste, doch ist auch dort das ganze Ausmaß noch unklar. Präsident Emmerson Mnangagwa wollte sich im Laufe des Tages selbst ein Bild von den Schäden in der am schwersten betroffenen Provinz Manicaland machen.

Amnesty International rief die internationale Gemeinschaft zur raschen Hilfe auf. Die Menschenrechtsorganisation machte den Klimawandel für Katastrophen wie jetzt im südlichen Afrika verantwortlich. Großbritannien stellte der Region am Dienstag sieben Millionen Euro an Nothilfe zur Verfügung. (afp/dpa)

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