Irgendwie völlig sinnlos: U-Boote für den Einsatz im Krieg.
+
Irgendwie völlig sinnlos: U-Boote für den Einsatz im Krieg.

Kursk-Unglück

Nukleare U-Boote: Nutzlos, irrsinnig und komplett für die Katz

  • Peter Rutkowski
    vonPeter Rutkowski
    schließen

Das Unglück an Bord der russischen „Kursk“ macht die Nutzlosigkeit der obszönen, maritimen Riesenspielzeuge deutlich.

Das alles hätte überhaupt nicht sein müssen. Nicht die 118 Mann auf der „Kursk“, nicht die anderen sieben untergegangenen Nuklear-U-Boote. Nicht die Aberhunderte U-Boote des Ersten wie des Zweiten Weltkriegs, auch nicht die von ihnen versenkten unzähligen Kriegs- und Handelsschiffe. Und erst recht nicht die vielen auf den Grund des Ozeans geschickten zivilen Passagierschiffe mit Mann und Maus, Frau und Kind – eine deutsche Spezialität in beiden Weltkriegen.

U-Boote wie die „Kursk" haben noch keine Krieg entscheidend beeinflusst

Alles völlig umsonst, komplett für die Katz. Verglichen mit U-Boot-Einsätzen erscheinen selbst die schlimmsten Landschlachten – beinahe – sinnvoll. Wenn die nicht genauso lebensverachtend wären wie jede andere Art der Kriegsführung. Das liegt daran, dass militärisch genutzte Unterseeboote nie einen nachweislichen Effekt außer Terror hatten. Sie haben keinen Krieg, keine Schlacht, nichts entscheidend beeinflusst. Sie sind – genau wie Flugzeugträger heute – reine Prestigeobjekte, obszöne Riesenspielzeuge, scheinbar „nützlich“ gemacht als mobile Abschussrampen für Nuklearsprengkörper.

Alles das ist völlig überflüssig. Und brandgefährlich noch dazu. Jeder Unfall an Bord eines U-Bootes, egal wie klein oder wie katastrophal, beweist das ein ums andere Mal. Aber das erste Mal hätte vollkommen ausgereicht – und selbstverständlich auch nicht sein müssen.

Das erste U-Boot der Geschichte war gar kein richtiges U-Boot

In den Nachtstunden des 17. Februar 1864 lief die „CSS H. L. Hunley“ aus in Richtung der Marineblockade vor dem Hafen von Charleston im US-Staat Louisiana. An Bord waren acht Mann, alles Freiwillige unter dem Kommando des Leutnants George E. Dixon, die über eine lange Handkurbel die Triebschraube am Heck des „Submersible“ bewegten. Die „Hunley“ war kein echtes U-Boot, denn ein Teil der sechs Meter langen Stahlzigarre blieb über Wasser. Aber für die Nacht in den Gewässern vor der Hafenstadt der abtrünnigen Sklavenhalterstaaten der USA reichte das. Und die Männer der US Navy auf ihren Windjammern wussten nichts von Booten, die unter Wasser schwimmen.

Hunley“ rammte mit seinem einzigen Torpedo ein US-Schiff. Die Aufschlagsexplosion versenkte die „USS Housatonic“. Und die Druckwelle tötete auch die komplette Besatzung der noch nahen „Hunley“. Die Unions-Marine verlor fünf Mann und ein Schiff. Die Konföderierten verloren ihre komplette „U-Boot-Waffe“ und alle „Operativkräfte“.

Ob „Das Boot“ oder „Hunley“: U-Boot Besatzungen werden heorisiert

In dem US-Fernsehfilm „Hunley“ von 1999 wird das Ende der acht Männer als ritterlicher Freitod romantisiert, und dann schwimmt auch noch die (frei erfundene) tote Ehefrau von Leutnant Dixon einer Nixe gleich zur Wasserleiche des geliebten Gatten. In jeder anderen fiktionalen oder dokumentarischen Bearbeitung des Unterwasserkrieges werden U-Bootsleute als ein bipolarer Mix aus Technokraten und Freibeutern heroisiert. Deutsche U-Bootsleute jenseits der überschwänglichen Pfadfindertruppe aus „Das Boot“ werden zumeist als Piraten und Kriegsverbrecher dargestellt. Nicht unbedingt ein falsches Bild.

Das wichtigste und richtigste Bild zur Kriegsführung unter Wasser aber lieferte im Zweiten Weltkrieg ein britisches Comic-Flugblatt über das kurze Leben eines jungen deutschen U-Boot-Matrosen: Es endet mit dem panischen Blick des Jungen an die Decke der U-Boot-Zelle, während das nach einer Minenexplosion eindringende Wasser steigt und steigt. Übrig bleiben eine trauernde Mutter – und hohle Heldengesänge. (Von Peter Rutkowski)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare