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Die FR-Türchen gehen wieder auf.

Adventskalender

Unter Oma Ilses wachsamen Augen

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Der FR-Adventskalender, 1.12.: Großmutter Ilse saß beim Pochen gerade auf dem Stuhl, verfolgte das Spielgeschehen mit dem Blick der Zappelphilipp-Mama und blieb ebenso stumm.

Neulich hat mir doch einer tatsächlich gesagt, dass Poch die Vorstufe von Poker ist. Du liebe Güte! Ich hätte der Sucht anheimfallen und mein Vermögen verspielen können.

Dabei sah das großmütterliche, hölzerne Pochbrett mit den schönen bunten Bildern der Karten und den neun Löchern eigentlich so gediegen aus. Meine Großmutter holte es immer am zweiten Weihnachtsfeiertag heraus, wenn die Familie zu Besuch kam. Nachdem der Gänsebraten vertilgt und die Bayerische Creme restlos aufgegessen war, setzten sich Eltern und Kinder schließlich an den Wohnzimmertisch, um zu spielen.

Großmutter Ilse war eine große Kartenspielerin, sie legte Patiencen, kannte beim Bridge keine Gnade und gewann häufig bei „Amtmann, Pächter, Hundejunge“. Uns Kindern hatte sie „Nümmerchen“ beigebracht, eine Art Patience, die man zu mehreren spielt. Besonders beliebt bei den Enkelkindern allerdings war Poch, schon weil man dabei mit der Faust auf den Tisch hauen durfte, ein Verhalten, dass sonst gerügt wurde.

Poch, das habe ich später erfahren, ist ein ziemlich altes Kartenspiel. Es soll bereits im Jahr 1441 in Straßburg erwähnt worden sein. Das Pokerspiel dagegen entwickelte sich in Amerika erst im 19. Jahrhundert.

Für uns Enkelkinder lagen in den Kuhlen des Bretts keine Münzen oder Geldscheine, sondern Bonbons. Die musste man zunächst einzahlen und bekam wieder welche zurück, wenn man denn bestimmte Karten der Trumpf-Farbe – Ass, König oder Bube zum Beispiel – besaß.

Etwas Besonderes war der Besitz einer Mariage, jeweils König und Dame der Trumpffarbe. Wir liebten diese Pärchen schon wegen des weltläufigen Namens. In der zweiten Poch-Runde startete dann das Bluffen, Bieten, Überbieten oder Passen. 

Und ganz am Schluss ging es dann darum, seine Karten möglichst schnell loszuwerden, denn der Sieger bekam genauso viele Bonbons, wie die Mitspieler beim Ende des Spiels noch Karten auf der Hand hatten. 

Großmutter Ilse saß beim Pochen gerade auf dem Stuhl, verfolgte das Spielgeschehen mit dem Blick der Zappelphilipp-Mama und blieb ebenso stumm. Wenn ich so drüber nachdenke, zeigte sie wahrscheinlich ein Pokerface.

Klassische Poch-Bretter gibt es im Buchhandel und bei gängigen Onlinehändlern. Besonders zu empfehlen ist das Brett der Firma „Natural Games“, die Spiele ausschließlich nachhaltig produziert – etwa aus 100 Prozent FSC-zertifizierten Hölzern. Bei „Natural Games“ kostet das Poch-Brett 15 Euro. Bis zu acht Personen können mitspielen, Poch eignet sich für Spieler ab zehn Jahren.

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