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Im Hafen von Funchal auf Madeira steht die Statue Cristiano Ronaldos. Vor dem Museum Cristiano Ronaldos und unweit vom Cristiano Ronald Flughafen.

Cristiano Ronaldo

Unter der Gürtellinie

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An Cristiano Ronaldos Bronzestatue auf Madeira glänzt besonders eine Stelle.

In Verona, im Hinterhof der Via Capello 23, der berühmten „Casa di Giuletta“, steht Shakespeares Heldin Julia, in Bronze gegossen. Es soll Glück in der Liebe bringen, ihre rechte Brust zu berühren – was Scharen von Touristen täglich unverkennbar tun, blankgewienert wie sie ist.

Auf dem Pariser Friedhof Père Lachaise ruht seit 1870 der französische Journalist Yvan Salmon, Victor Noir genannt, ein verehrter Held im Kampf gegen die Monarchie. Er starb im Duell mit Prinz Pierre Bonaparte, einem Großneffen Napoleons. Sein Grab ziert das bronzene Abbild des Toten. Wer ihm in den Schritt greift, dem werden, so die Legende, Fruchtbarkeit und Manneskraft zuteil. Kein Wunder, dass es dort auffallend gülden glänzt.

Auf Madeira steht überlebensgroß der berühmteste Sohn der portugiesischen Insel, Cristiano Ronaldo, ein Held im Kampf um Fußballtrophäen. Sein bronzenes Alter Ego, 240 Zentimeter hoch, 800 Kilo schwer, posiert in typischer Freistoßgeste, breitbeinig, die Arme von sich gespreizt, und „entzückt nicht nur die Einheimischen“ („Blick“). In jüngster Zeit machte der Star allerdings weniger mit spektakulären Toren von sich reden: Der „Spiegel“ berichtete im Rahmen der „Football-Leaks“ von mehrfachen Vergewaltigungsvorwürfen, von erkauftem Schweigen. In Las Vegas läuft gegen Ronaldo ein Ermittlungsverfahren. Er selbst nennt die Vorwürfe „absurd“.

Natürlich gilt auch für einen Weltfußballer die Unschuldsvermutung. Und doch mutet es seltsam an, wenn nun die schenkelklopfende Kunde davon geht, dass ausgerechnet Ronaldos „bestes Stück“ („Bild“) scharenweise Fans anlockt: „Das Ding wurde mittlerweile so oft poliert, dass es golden leuchtet!“ Vor allem Frauen könnten „einfach nicht die Finger davon lassen“.

Für seinen Klub Juventus Turin ist das Urteil längst gefällt. „Ronaldo zeigte in den vergangenen Monaten seine große Professionalität und Hingabe“, twitterte der Verein. „Die angeblichen Vorkommnisse, die fast zehn Jahre her sind, ändern nichts an dieser Meinung, die von jedem geteilt wird, der mit diesem großen Champion zu tun hatte.“

Was mag es bringen, diesen – im Übrigen der Steuerhinterziehung überführten – Helden zu begrapschen: Läuterung? Selbstsicherheit? Geldsegen? Zumindest einen Urlaubsschnappschuss, „über den alle lachen“ („The Sun“). Vielleicht aber nur bis zum Beweis des Gegenteils.

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