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Stella Nyanzi nannte den Präsidenten „ein Paar Pobacken“.

Uganda

Die Unruhedichterin von Uganda

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Stella Nyanzi lässt sich auch von 18 Monaten Gefängnis nicht einschüchtern und wettert weiter gegen Ugandas Präsidenten.

Einst galt Yoweri Museveni als afrikanische Lichtgestalt, als Repräsentant einer neuen Führergeneration, der das Wohl der Bevölkerung am Herzen liege. Nach 33 Jahren Herrschaft ist von seinem guten Ruf so gut wie nichts mehr übrig: Viele Ugander sehen in ihrem Präsidenten vielmehr einen starrsinnigen Autokraten, der die Perle Afrikas zu Grunde richte.

Die 44-jährige Universitätsdozentin Stella Nyanzi hätte sich sogar gewünscht, dass Museveni bei seiner Geburt im „sauren Eiter der Scheide seiner Mutter zersetzt“ worden wäre: Für ihre entsprechenden, auf Facebook veröffentlichten Sätze wurde sie allerdings umgehend verhaftet. Seit zehn Monaten sitzt sie in einem Hochsicherheitsgefängnis am Viktoria-See.

„Haben die Schnauze voll“

Von dort durfte die Mutter dreier Kinder jetzt via Videolink der Urteilsverkündigung eines Gerichts in der Hauptstadt Kampala folgen: 18 Monate Haft, befand die Richterin. Von einer zweiten Anklage wegen „beleidigender Sprache“ wurde Nyanzi freigesprochen, was ihr allerdings nicht gefiel. „Ich wollte Museveni auf die Palme bringen“, wetterte die Angeklagte: „Wir haben die Schnauze voll von seiner Diktatur.“

Es ist nicht das erste Mal, dass die Dozentin der renommierten Makarere-Universität (die ihren Job inzwischen allerdings verloren hat) mit dem Gesetz in Konflikt geriet. Schon vor zwei Jahren war sie verhaftet worden, als sie den Präsidenten „ein Paar Pobacken“ nannte. Zuvor hatte Museveni sein Wahlversprechen zurückgenommen, Schülerinnen auf Staatskosten Menstruationseinlagen zukommen zu lassen. Nyanzis auf Facebook veröffentlichte Gedichte pflegen in Uganda zu viralen Hits zu werden: Sie selbst sieht sich in der Tradition ugandischer Freiheitskämpfer, die einst mit möglichst provokanten und unappetitlichen Formulierungen gegen die britische Kolonialmacht vorgegangen waren.

Zur Bekämpfung derartiger Attacken hatten die Briten 1938 sogar ein eigenes Gesetz, den „Mental Treatment Act“, erlassen, das nun aus der Versenkung gehoben und gegen Musevenis Kritiker aufgefahren wird. Auf der Grundlage dieses Paragraphen wäre Nyanzi vor zwei Jahren beinahe in der Psychiatrie gelandet. Nach ihren Worten sind aber weniger ihre Sätze, sondern die Herrschaft des Präsidenten „unmoralisch“ und „vulgär“: „Meine Sprache wird schärfer und schärfer werden, je länger uns diese Regierung unterdrückt.“

Vor der Urteilsverkündung ließ die streitlustige Poetin über Facebook wissen, dass sie nicht der Gerechtigkeit wegen vor Gericht stehe, sondern „um weiter im After des Leoparden (Musevenis Beinamen) stochern zu können“. Und als die Richterin schließlich ihren Schuldspruch verlas, bekam sie über Videolink zwei ausgestreckte Mittelfinger sowie die entblößten Brüste der Angeklagten zu sehen.

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