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Unmut in Paris

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Von: Stefan Brändle

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Teure Tickets und Pannen im Nahverkehr.

Am Dienstagmorgen stand die A-Linie der Pariser Vorortbahn RER wieder einmal still. Hunderttausende Pendler:innen waren betroffen. „Und jetzt wollen sie auch noch den Fahrpreis erhöhen?“, tippte einer der Wartenden in sein Telefon. „Das ist zum Totlachen – die Züge verkehren ja nicht einmal. Die Linie A ist die schlimmste von allen!“ Aus einem anderen Eck des Pariser Großraums twitterte jemand zurück: „Ich kenne die Linien C, D und E. Seid versichert, Freunde, die Katastrophe ist überall.“

Fast drei Millionen Menschen nehmen täglich die Vorortbahn, um ins Stadtzentrum zu fahren. Eine Million allein entfällt auf die Linie A, die Paris von Ost nach West durchquert. Sie ist berüchtigt für ihre Ausfälle, Pannen und chronische Verspätung.

Seit der Covid-Zeit ist alles noch viel schlimmer geworden. Das Angebot an Zügen schrumpfte zeitweise um mehr als die Hälfte. Bis heute wurde der Rückstand nicht wettgemacht. Fahrpläne gelten an einzelnen Tagen nur noch unverbindlich. Ein Grund: Es fehlt an über hundert Chauffeuren.

Allein die Energieausgaben sind so stark gestiegen, dass die RER- und Bus-Linien der Pariser Agglomeration fast über Nacht ein Defizit von 450 Millionen Euro eingefahren hat. Die verantwortliche Regionalratsvorsteherin Valérie Pécresse kündigte an, der Preis für das Monatsabo „Passe Navigo“ werde von 75,20 auf 90 Euro steigen; ein Fahrschein der Pariser Metro soll sich von 1,90 auf 2,30 Euro verteuern.

Das ist zu viel für viele Pendler:innen. Sie schrieben in den Leserbriefspalten des Lokalblattes „Le Parisen“, sie könnten ihr Abo nicht mehr erneuern. Die einen wollen auf das umweltschädliche Auto umsteigen, andere in Zukunft aus Protest schwarzfahren.

Die Union der Linksparteien und Grünen, Nupes, verlangt ein Einfrieren der derzeit gültigen Tarife für das ganze kommende Jahr. Die Regierungspartei von Präsident Emmanuel Macron scheint nun einzulenken: Transportminister Clément Beaune versprach am Dienstag, der Staat werde der Pariser Region am Mittwoch – wenn die Regionalbehörde IDFM entscheiden wird – „unter die Arme greifen“. Doch wer auch immer zahlt: An der Kostenexplosion im öffentlichen Verkehr von Paris ändert dies nichts.

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