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Ghana: Explosion macht ganze Stadt dem Erdboden gleich

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Von: Johannes Dieterich

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In Ghana explodiert ein Sprengstoff-Lkw auf dem Weg zu einer Mine. Viele Menschen sterben, ein Dorf wird zerstört. Unter die Trauer mischt sich Kritik am Verhalten der Bevölkerung bei Unglücken.

Apiate – Es sind Szenen wie aus dem Filmklassiker „Lohn der Angst“ aus dem Jahr 1953. In dem westafrikanischen Staat Ghana explodierte am Donnerstagnachmittag nach einem Unfall ein mit Dynamit beladener Lastwagen, riss einen riesigen Krater in den Boden, zerstörte mehr als 500 Gebäude in dem Städtchen Apiate im Westen des Landes und tötete mindestens 17 Menschen. Manche Quellen sprechen bereits von mehr als 50 Todesopfern. Mehr als 100 Verletzte wurden in naheliegende Krankenhäuser eingeliefert.

Ein entgegenkommendes Motorrad war auf gerader Strecke in den mit Sprengstoff für eine Goldmine beladenen Lastwagen gerast und unter dem Fahrzeug in Brand geraten. Auf mehreren in den sozialen Netzwerken verbreiteten Amateurvideos ist der brennende Lastwagen zu sehen – und zahlreiche sich dem Unfallort nähernde Schaulustige, darunter auch eine Frau mit einem Kleinkind auf dem Arm. Kurz darauf: ein Feuerball und Schreie von Verletzten, Trümmerteile fliegen durch die Luft, die chaotischen Handy-Aufnahmen brechen irgendwann ab.

Die Explosion eines mit Sprengstoff für den Bergbau beladenen LKWs macht die Stadt Apiate in Ghana dem Erdboden gleich.
Die Explosion eines mit Sprengstoff für den Bergbau beladenen LKWs macht die Stadt Apiate in Ghana dem Erdboden gleich. © Vera Acquah/AFP

Ghana: Explosion macht weite Teile der Stadt Apiate dem Erdboden gleich

Augenzeuginnen und -zeugen zufolge soll der Lastwagenfahrer noch versucht haben, die Schaulustigen mit Warnschreien zur Flucht zu bewegen, allerdings weitgehend ohne Erfolg. Der durch den Unfall am Kopf verletzte Chauffeur überlebte die gigantische Explosion. Er wurde zur Behandlung in ein Krankenhaus eingeliefert. Dagegen starb der Motorradfahrer bereits am Unfallort. Andere ebenfalls über die sozialen Netzwerke verbreiteten Videos zeigen das Ausmaß der Katastrophe. In Apiate ist kaum noch ein unbeschädigtes Haus auszumachen, weite Teile des Städtchens sind dem Erdboden gleichgemacht. Der Krater, den die Explosion in den Boden riss, weist einen Durchmesser von weit mehr als zehn Metern auf und ist bis zu fünf Meter tief. Auf den Videos sind auch Leichen zu sehen.

Unterdessen forderte Kafui Dey, ein landesweit bekannter Radiohost in Ghana, eine Debatte über das Verhalten der Bevölkerung bei Unfällen. „Wir lieben es, mit laufenden Kameras zu Unfallorten zu rasen“, kritisierte der Talkshowmaster auf Twitter: „Das ist dann oft das Letzte, was man von uns sieht.“ Ghanas Präsident Nana Akufo-Addo bezeichnete das Unglück als „traurig und tragisch“. Die Regierung werde alles unternehmen, um Apiate so schnell wie möglich wieder bewohnbar zu machen. Viele Bewohnerinnen und Bewohner des Städtchens sind derzeit vorübergehend in den Schulen und Kirchen in den Nachbargemeinden untergebracht.

Dieses Video-Standbild lässt das Ausmaß der Schäden erkennen.
Dieses Video-Standbild lässt das Ausmaß der Schäden erkennen. © Eric Yaw Adjei/AFP

Ghana: Immer wieder schwere Unglücke im Zusammenhang mit Bergbau

Beim Transport gefährlicher Güter kommt es in Afrika immer wieder zu schrecklichen Unfällen. Erst vor drei Monaten explodierte in dem westafrikanischen Staat Sierra-Leone ein Treibstofflaster nach einem Unfall, 98 Menschen kamen dort ums Leben. Nicht selten kommt es vor, dass Menschen bei einem Tankerunglück zur Unfallstelle rennen, um Treibstoff aufzufangen. Ein Funke genügt dann, um Dutzende Menschen zu töten.

Auch im Zusammenhang mit dem Bergbau kommt es in Ghana immer wieder zu schweren Unglücken. Das Land ist nach Südafrika der zweitgrößte Goldproduzent des Kontinents. So kamen beim Kollaps eines Stollens im vergangenen Juni im Norden des Landes mindestens neun Menschen ums Leben.

Der in Apiate verunglückte Lastwagen war auf dem Weg vom Dynamithersteller Maxam in Tarkwa zur knapp 200 Kilometer entfernten Goldmine Chirano, die von dem kanadischen Bergwerkunternehmen Kinross betrieben wird. (Johannes Dieterich)

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