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Ostern wäre Tourismus-Hochsaison in Israel.

Coronavirus

Ungewohnte Kooperation: Israel und Palästina kämpfen zusammen gegen das Coronavirus

Israel schottet sich zunehmend ab, um sich vor dem sich ausbreitenden Coronavirus zu schützen. Premier Netanjahu nützt die Epidemie – ein Prozess gegen ihn könnte verschoben werden.

  • Israel und Palästina arbeiten zusammen gegen das Coronavirus
  • Israel sagt Festivals zu Feiertagen ab
  • Premier Netanjahu nutzt die Corona-Epidemie für seine Zwecke

Tel Aviv - In ihrer Tel Aviver Zweizimmerwohnung aufeinanderzuhocken, ohne einen Fuß vor die Tür setzen zu können, scheint selbst für Frischvermählte nicht das reinste Vergnügen zu sein. So amüsant sich ihr Blog darüber liest. Kaum zurück von ihrem Flitterwochenende in Paris landeten die beiden in häuslicher Quarantäne – so wie inzwischen an die 100 000 Schicksalsgenossen in Israel, die sich rein präventiv für 14 Tage daheim isolieren müssen.

Coronavirus in Israel: Frankreich und Deutschland unter den Risikoländern

Gerechnet wird vom Zeitpunkt der Abreise aus einem Land, die das israelische Gesundheitsministerium als coronagefährdet einstuft. Neben Frankreich zählten bisher Deutschland, Österreich, die Schweiz, Spanien und Ägypten dazu. Erwogen wird bereits, diese Liste auf Einreisende aus aller Welt auszuweiten. Aus Italien und asiatischen Staaten wird ohnehin niemand mehr reingelassen.

Für Familien mit kleinen Kindern bedeutet es echten Stress, zwei Wochen ausschließlich in den eigenen vier Wänden zu verbringen. Viele Betroffene sind dennoch froh, es angesichts der drastischen, von der israelischen Regierung verhängten Anti-Covid-19-Maßnahmen überhaupt heim geschafft zu haben. 

Viele Fluggesellschaften haben Flüge zum Ben-Gurion-Airport gestrichen. Andere Flieger sind nahezu leer. Nur elf Passagiere hätten in der Ryanair-Maschine von Marseille nach Tel Aviv gesessen, sagte Friedensaktivist Gershon Baskin auf Facebook über seine einsame Heimreise.

Coronavirus in Israel: Netanjahu nutzt Epidemie für sich

Die Festivals zu Purim, den ausgelassensten Feiertagen im jüdischen Kalender, sind abgesagt, internationale Konferenzen und Auslandsreisen für staatliche Angestellte verboten. Die israelische Fluggesellschaft „El Al“ fliegt viele europäische Flughäfen nicht mehr an.

Israel hofft, so die 39 bis Montag erkannten Corona-Fälle einzudämmen. Es handele sich um „eine globale Pandemie“, hat Premier Benjamin Netanjahu erklärt. In einer Videokonferenz mit sieben europäischen Staaten am Montag drang Netanjahu denn auch darauf, schnellere Tests zu entwickeln und sichere, desinfizierte „Air Hubs“ zu schaffen, um ein Minimum an Flugverkehr zu ermöglichen.

Sich als „Mr. Security“ zu profilieren, der sich wie kein anderer um die Sicherheit Israels kümmere, kommt ihm auch politisch zupass. Wegen Corona könnte womöglich sein in einer Woche beginnender Korruptionsprozess vertagt werden.

Coronavirus in Israel: Keine Regularien für Flüge aus den USA

Der Generaldirektor des Gesundheitsministeriums hat zwar betont, die Direktiven zum Corona-Ausbruch seien „rein professionell“ erfolgt. Andererseits hat Netanjahu selbst für Zweifel an dieser Aussage gesorgt, als er sich trotz der beachtlichen Infektionsraten dagegen entschied, die Quarantäne-Regularien auch auf Rückreisende aus Kalifornien, New York und Washington auszudehnen, wozu Experten geraten hatten. Offenbar möchte er es sich nicht mit Donald Trump verscherzen, der die Corona-Gefahr bislang herunterspielte*.

Immerhin, dass israelische und palästinensische Gesundheitsbehörden angesichts von Corona kooperieren, wird positiv verbucht. Die Autonomie-Regierung im Westjordanland hat für dreißig Tage den Ausnahmezustand verhängt, nachdem im Raum Bethlehem eine Reihe Infektionsfälle entdeckt wurden. Mehrere Angestellte eines Hotels in Beit Jala hatten sich von einer griechischen Pilgergruppe Viren eingefangen. Deren Busfahrer, ein 38-Jähriger aus Ostjerusalem, soll sich in kritischem Zustand befinden.

Coronavirus: Auch Reisebeschränkungen in Palästina

Nicht nur Bethlehem ist von der Außenwelt abgeschnitten. Präsident Mahmud Abbas hat Reisebeschränkungen für alle palästinensischen Westbank-Gebiete erlassen. Schulen, Kindertagesstätten und die Al-Quds-Universität in Ost-Jerusalem haben geschlossen.

Ausländische Touristen dürfen für mindestens zwei Wochen nicht das Westjordanland besuchen. Corona, stöhnen einhellig israelische wie palästinensische Veranstalter, ruiniere noch das gesamte Ostergeschäft, ihre Hauptsaison.

Von Inge Günther

*fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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