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Aus Angst vor „abgetriebenen Embryonen“: Ungeimpfter Pfarrer stirbt an Corona-Infektion

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Von: Karolin Schäfer

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Im Alter von 51 Jahren stirbt der Pfarrer Don Paolo Romeo aufgrund einer Covid-19-Erkrankung. (Symbolbild)
Im Alter von 51 Jahren stirbt der Pfarrer Don Paolo Romeo aufgrund einer Covid-19-Erkrankung. (Symbolbild) © Cecilia Fabiano/dpa

Ein italienischer Pfarrer stirbt an den Folgen einer Corona-Infektion. Eine Impfung lehnte er vehement ab.

Genua – Verschwörungsmythen sind kein neues Phänomen. Doch gerade in Krisenzeiten wie der Corona-Pandemie haben sie Hochkonjunktur. Besonders die Entwicklung der Corona-Impfstoffe hat für viele Menschen Frage aufgeworfen. Dass Falschinformationen verheerende Konsequenzen haben können, zeigte jetzt der Fall eines Pfarrers aus Italien.

Don Paolo Romeo soll sich Medienberichten zufolge vehement gegen Corona-Impfungen geweigert haben. Der Mann soll davon ausgegangen sein, dass sich in den Impfstoffen „abgetriebene Embryonen“ befinden. Don Paolo Romeo war Pfarrer der Abtei von Santo Stefano in der Stadt Genua, als er im Alter von 51 Jahren an einer Covid-19-Infektion gestorben ist. Das berichtete L’Unione Sarda, eine Tageszeitung in Sardinien.

Tödliche Corona-Infektion: Freunde und Kollegen versuchten Pfarrer umzustimmen

Wie die Tageszeitung weiter berichtete, versuchten sowohl Freunde als auch Kollegen den Geistlichen umzustimmen. Don Paolo Romeo ließ sich allerdings nicht überzeugen und lehnte eine Corona-Impfung weiterhin ab.

Informationen der International Business Times zufolge, soll Romeo an Verschwörungsmythen geglaubt haben, die auch von Anhänger:innen des französischen katholischen Erzbischofs Marcel François Marie Joseph Lefebvre vertreten wurden. Die These: Corona-Impfstoffe würden Zellen von abgetriebenen Embryonen enthalten.

Tatsächlich wird zur Herstellung von Corona-Vektorimpfstoffen wie Astrazeneca und Johnson&Johnson auf Zelllinien zurückgegriffen, die ursprünglich menschlichen Föten entnommen wurden. Allerdings „handelt es sich nicht um aktuell abgetriebene Föten und die Abtreibung erfolgte nicht, um daraus Zellen für die Virusproduktion zu gewinnen“, erklärte eine Sprecherin des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) gegenüber dem Bayerischen Rundfunk. „Es wurde jeweils einmalig ein Embryo abgetrieben – aus den persönlichen Gründen der betreffenden Frau – und mit den entsprechenden Zellen eine permanent wachsende Zelllinie etabliert, die eingefroren und immer weiterverwendet werden kann“, so das PEI weiter.

Corona-Impfungen gehen auf verschiedene Zelllinien zurück

Entgegen der Meinung des Priesters sind in den Corona-Impfstoffen also keine Zellen von abgetriebenen Föten enthalten. „Man entnimmt Zellen und diese Zellen werden dann weiterkultiviert und expandiert, also vermehrt und wieder eingefroren und aufbereitet, sodass man sie weiterverwenden kann“, sagte Katja Schenke-Layland, Direktorin des Naturwissenschaftlichen und Medizinischen Instituts an der Universität Tübingen und Mitglied der Zentralen Ethik-Kommission für Stammzellenforschung des Robert Koch-Instituts, gegenüber dem Bayerischen Rundfunk.

Welche Zelllinien für einen Impfstoff verwendet werden, ist transparent nachlesbar, etwa auf der Webseite des Paul-Ehrlich-Instituts. Bei Astrazeneca wurde die Linie 293 HEK verwendet, die bereits im Jahr 1973 angelegt wurde. Diese Zelllinie geht auf embryonale Nierenzellen zurück. Bei Johnson&Johnson wurde die Zelllinie PER-C6 aus dem Netzhautgewebe eines Embryos entnommen, der 1985 abgetrieben wurde.

Der ungeimpfte Pfarrer soll sich Medienberichten zufolge im Januar mit dem Coronavirus infiziert haben. Da sich sein Zustand verschlechterte, wurde er in ein Krankenhaus eingeliefert. Nach dem Tod des Pfarrers würdigte ihn die Abtei Santo Stefano in den sozialen Medien. „Möge der Herr ihn für all das Gute belohnen, das er hier auf Erden getan hat, und möge er ihm seine Fehler vergeben, falls es welche gibt“, hieß es in einem Facebook-Beitrag. Der italienischen, regionalen Tageszeitung Il Secolo XIX zufolge, sollen sich bei der Beerdigung von Romeo über 300 Menschen in der Kirche Santo Stefano versammelt haben.

Die Vorstellungen, warum man gegen Impfungen ist, seien Jörn Didas zufolge schon immer sehr unterschiedlich gewesen. Im FR-Interview erklärte er, wie Verschwörungserzählungen und Esoterik zusammenhängen und warum die Gesellschaft dagegen eine Langzeitstrategie brauche. (kas)

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