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Der FR-Adventskalender.

FR-Adventskalender

Von unerträglichen Satzzeichen und silbernen Spinnen

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Für jedes Alter recht: die Kriminalfälle der Drei ??? im FR-Adventskalender.

Immer wieder die „Silberne Spinne“! Es ist diese Klassiker-Folge mit der Nummer 24 aus dem Jahr 1981, die, wenn man nicht höllisch aufpasst, Kollegin und Gefährtin J. des späteren Abends unweigerlich bereits herausgesucht hat – übrigens längst nicht mehr nur unter den sogenannten MusiKassetten der Firma „Europa“, sondern aus dem digitalen Wust von CDs und Spotify –, um nach der Fron an vorderster Front ihrer FR zur wohlverdienten Nachtruhe zu finden.

„Och nö, nicht die, die hatten wir doch gerade …“, halte ich oft genug vergeblich dagegen und bringe in Vorschlag, doch lieber mal einen der anderthalbstündigen Hörschinken neueren Datums vorzunehmen, damit wir die zunehmend komplexeren Storys zumindest im Ansatz mitkriegen, bevor wir in Morpheus’ Arme sinken …

Wir Kinder der 70er hören, nie lasen die Kriminalfälle (Gruselgeschichten, ginge es nach Peter Shaw) der drei „unerträglichen Satzzeichen“ (Erzrivale Skinny Norris), die ihre eigene Pubertät wohl niemals fertig durchlaufen werden, auch als Erwachsene häufig und leidenschaftlich vor dem (zum?) Einschlafen. Ein Ritual, das, wie man gerade in diesem 40. Jubiläumsjahr der Reihe lesen kann, vielfach unter deutschen Dächern vollzogen wird, obwohl Idee und Charaktere ursprünglich aus den USA stammen.

Hierin, als erfolgreicher Import von Unterhaltungskultur, sind „Die drei Fragezeichen“ vielleicht den Fernsehfolgen von „Die Zwei“ oder aber den Spaghettiwestern mit Bud Spencer und Terence Hill vergleichbar – ebenso Kultphänomene der 1970er Jahre, die hierorts über eine weit größere Fangemeinde verfügen als in ihrem Ursprungsland …

Warum das wohl so ist?

Die drei ??? und die silberne Spinne

Wie oft bei veritablen Klassikern ist das im Nachhinein schwer zu ermitteln. Lassen Sie es mich so sagen: Der Kosmos der „???“ bietet die Möglichkeit einer jederzeitigen eskapistischen Tauchfahrt in die eigene Kindheit, zu einem ideellen Ort, an dem alles so ist und da steht, wie wir es erinnern und damals schon märchenhaft fanden, in Richtung einer im Wesentlichen heilen Welt ohne Mord und Totschlag, einer weitgehend analogen Welt dazu mit Bibliotheken, Fahrrädern und Telefon(-lawine), auch wenn der Computer mittlerweile selbstverständlich Einzug in Bob Andrews’ Ressort „Recherchen und Archiv“ gehalten hat.

Dass die drei, mit Ausnahme eines tragikomischen Missverständnisses in den mittleren Folgen, keusch scheinbar einzig ihrer Detektivarbeit leben (wie die Großen ihrer Zunft), ist für alle Beteiligten besser so; mit den Mädels hat es eigentlich immer nur Stress gegeben. Und das feit die Knaben auch vor der peinlichen Offenbarung eines gar rückschrittlichen Genderbildes, welches ihre „Europa“-Kollegen von TKKG leider allzu oft durchblicken lassen … Wie bei echten Klassikern der Popgeschichte können wir auch hier ganze Passagen vor- und mitsprechen und lachen uns scheckig über absurde Verhörer wie Teenies bei einem Song auf Englisch.

Jene Folge mit der Spinne übrigens bietet reichlich von dem, was „Die drei Fragezeichen“ noch heute so liebenswert macht: ein originelles Setting, kauzige Sprechrollen, etwas altfränkischen Humor und stets eine Prise Besserwissen à la Justus Jonas – oder vermögen Sie auf Anhieb zu sagen, wer oder was ein Haschimitenfürst ist?! Auch dieser also ein „spezial gelagerter Sonderfall“ für die drei ewig jungen Ermittler aus dem sonnigen Rocky Beach.

Die drei ???und die silberne Spinne, Europa Verlag, München 1981, 41 Minuten. Alle Folgen gibt es umsonst auf Spotify oder als CD und Kassette im Handel.

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