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Putin „will ein Imperium schaffen“ – und vergleicht sich mit Peter dem Großen

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Von: Nadja Austel

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Während der russische Angriffskrieg auf die Ukraine weiter läuft, verteidigt Wladimir Putin die Eroberungen Peters des Großen – er habe nur „zurückgeholt“, was zu Russland gehört.

Moskau – Wladimir Putin sieht seinen Angriff auf die Ukraine offensichtlich durch und durch als das gute Recht Russlands an. Anders ist nicht zu erklären, dass er seine Politik mit der von Peter dem Großen vergleicht. Und diese Haltung trägt er allem Anschein nach immer häufiger auch öffentlich zur Schau – während der Krieg in der Ukraine weiter läuft.

Nach einem Besuch einer Ausstellung zum 350. Geburtstag Peters des Großen in Moskau, sagte Putin nach Angaben mehrerer Presseagenturen: Es könne der Eindruck entstehen, dass der Zar etwas „an sich gerissen“ habe, indem er gegen Schweden kämpfte. Doch Peter der Große habe „nichts genommen, er hat es zurückgeholt“, fügte Putin hinzu.

Ukraine-News: Peter holte Schweden, Putin die Ukraine?

Als Peter der Große St. Petersburg gegründet und zur russischen Hauptstadt ernannt habe, habe „keines der Länder in Europa dieses Gebiet als zu Russland gehörend anerkannt“, sagte Putin nach dem Besuch der Ausstellung mit dem Namen „Peter der Große: Geburt eines Reiches“. Und weiter: „Alle haben es als Teil Schwedens betrachtet. Aber seit Menschengedenken haben dort Slawen Seite an Seite mit finno-ugrischen Völkern gelebt.“

Putin sitzt mit einem Mikrofon in der Hand auf einem weißen Sessel, seine Ellenbogen über die Armlehnen gelegt und ein leichtes Lächeln im Gesicht.
Wie einst Peter der Große, sieht sich Putin heute in der Pflicht, „Land zurückzuholen“. © Mikhail Metzel / Imago Images

Die Parallelen zum Ukraine-Krieg sind unverkennbar. Keines der Länder in Europa erkennt das Gebiet der Ukraine als zu Russland gehörend an. Das „Zurückholen und die Stärkung“ sei auch heute Aufgabe der Verantwortlichen in Russland, führte der Kreml-Chef, offenbar in direkter Anspielung auf die Offensive in der Ukraine, aus. Und weiter: „Es sieht so aus, als seien wir heute an der Reihe, Land zurückzuholen und an Russland anzuschließen“. Es habe zwar Zeiten in der Geschichte Russlands gegeben, in denen sie gezwungen waren, sich zurückzuziehen. „Aber nur, um unsere Stärke wiederzuerlangen und nach vorne zu gehen.“

Die Eroberungen Peters des Großen im Großen Nordischen Krieg und die schlussendliche Niederlage Schwedens führten zur Vormachtstellung des Russischen Zarenreichs im Ostseeraum und zum Aufstieg Russlands zur europäischen Großmacht. Während seiner Zeit als Zar und später Kaiser baute Peter der Große seine Herrschaft zwar zunehmend nach europäischem Vorbild um. In der Geschichtspolitik Russlands spielt dies allerdings nur eine untergeordnete Rolle. Moskau betont heute vor allem die forcierte Expansion des russischen Territoriums.

Ukraine-News: Putin „will ein Imperium schaffen“

In einem Exklusivinterview mit The Guardian hat die ehemalige ukrainische Ministerpräsidentin Julia Timoschenko unlängst die Behauptung zurückgewiesen, der Präsident Russlands sei „verrückt“. Er handele nach seiner eigenen „dunklen Logik“, sagte sie. „Er wird von der Idee einer historischen Mission angetrieben und will ein Imperium schaffen“, zitiert sie der Guardian. Das sei sein übergeordnetes Ziel, das einem tiefen inneren Wunsch entspringe.

Auch vor der russischen Invasion im Februar in die Ukraine habe Putin keinen Hehl aus seiner Überzeugung gemacht, dass es „keine Nation wie die Ukraine und kein Volk wie die Ukrainer“ gebe, so Timoschenko. Seine Ambitionen würden außerdem klar über die Aneignung ukrainischen Territoriums und den Sturz der pro-westlichen und pro-Nato-Regierung hinausgehen, so Timoschenko weiter. Sein geopolitisches Ziel sei es, auch Weißrussland, Georgien und Moldawien zu übernehmen und Mittel- und Osteuropa, einschließlich der baltischen Staaten, zu kontrollieren, so wie es Moskau zu Sowjetzeiten getan habe.

Auf Friedensverhandlungen mit Putin sei nicht zu hoffen. Jede Einigung würde keinen anhaltenden Frieden bedeuten, sondern lediglich die Zeit bis zum nächsten Angriff überbrücken. Der westliche Verstand werde Osteuropa nie verstehen, kommentiert der in Polen geborene Autor Artur Becker. Ein schweigendes, zurückhaltendes Russland habe es noch nie gegeben, weder in der Politik noch in der Philosophie und Literatur. Die nationale Selbstüberschätzung ist ihm zufolge eine Krankheit, die viele osteuropäische Länder terrorisiert – das Gefühl, das ewige Opfer der Geschichte und ewiger Feinde zu sein, sei in Russland schon eine Tradition.(na mit dpa/AFP)

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