1. Startseite
  2. Panorama

Ukraine-Krieg: Wie reiche Kinder und Ehefrauen Ermittlungsbehörden auf die Spur der russischen Elite führen

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Delia Friess

Kommentare

Oligarchen und Putin-Vertraute legen häufig Wert auf Diskretion. Dass die Kreml-Elite ein Luxusleben im Westen führt, wird häufig erst durch die Social-Media-Auftritte von Familienmitgliedern offenbar.

Moskau – Aufgrund des Einmarsches Russlands in die Ukraine* haben die EU* und die USA* Sanktionen gegen russische Oligarchen und hochrangige Mitglieder der russischen Regierung und Wirtschaft verhängt. Deshalb sind wegen des Ukraine-Krieges* auch viele Vermögen der russischen Elite eingefroren.

Offiziell leben Wladimir Putin* in Moskau* und seine Machtclique jedoch ein bescheidenes und bürgerliches Leben. So behauptete Putin beispielsweise 2008 auf einer Pressekonferenz, er habe „wie ein Sklave geschuftet“. Auch lässt er sich für die Staatspropaganda gerne als asketischen Sportler auf dem Land inszenieren. Der inhaftierte Kreml-Kritiker Alexej Nawalny machte jedoch kürzlich den Bau eines Prunkpalastes von Putin öffentlich.

Teil von Putins Image ist wohl auch dessen Ehe: Der russische Präsident war auch dann noch offiziell verheiratet, als 2008 bereits Gerüchte um eine heimliche Geliebte, die mittlerweile mit mehreren gemeinsamen Kindern in der Schweiz leben soll*, an die Oberfläche drangen. Die Scheidung von seiner Ehefrau erfolgte jedoch erst 2014. Derartige Berichte von russischen Zeitungen hatten starke Repressionen des russischen Staates zur Folge.

Ukraine-Krieg: Instagram-Beiträge decken Luxuleben von russischen Oligarchen auf

Wie das Online-Portal Vice schreibt, zögen es auch viele Oligarchen aus Russland* vor, ein zurückgezogenes Leben zu führen. Auf ihren Reichtum aufmerksam würde die Öffentlichkeit hingegen meist erst durch ihre Ehefrauen und Kinder. Seit längerem entwickelt sich der US-Online-Zeitung The Daily Beast zufolge in Russland eine neue Generation extrem erfolgreicher High-Society-Frauen, die als Influencerinnen aktiv sind.*

Ukraine-Krieg: Die Spur zu Oligarchen führt häufig über die Social-Media-Kanäle der Ehefrauen oder Kinder. (Symbolbild)
Ukraine-Krieg: Die Spur zu Oligarchen führt häufig über die Social-Media-Kanäle der Ehefrauen oder Kinder. (Symbolfoto) © Kirill Kukhmar/Imago Images

Mit Selfies von Luxusjachten, Partys oder ihrem privilegierten Leben in westlichen Metropolen wie London oder Paris stellen sie gerne auf den sozialen Netzwerken ihren Reichtum zur Schau. Auf die Aktivitäten bei Instagram & Co. machte auch Maria Pevchikh von der Stiftung Korruptionsbekämpfung aufmerksam. Die Stiftung wurde von dem inhaftierten Kreml-Kritiker Alexej Nawalny gegründet.

Ukraine-Krieg: Durch Instagram russischen Oligarchen auf die Spur kommen

Igor Setschin ist ein Beispiel dafür, wie Kreml-Anhänger im Ausland ihrem Luxusleben nachgehen: Seine Vorliebe für Geheimhaltung habe Setschin in Russland sogar den Spitznamen „Darth Vader“, in Anspielung auf „Star Wars“, eingebracht. Setschin gilt als Kreml-Vertrauter und ist CEO der russischen Ölgesellschaft Rosneft. Als Besitzer der Luxusjacht St. Princess Olga, eine der größten und teuersten Jachten der Welt, konnte er lange aber gar nicht zugeordnet werden. Das Organized Crime and Corruption Reporting Project deckte gemeinsam mit dem Journalisten Roman Anin von der russischen Zeitung Novaya Gazeta 2016 auf, dass die Jacht dem langjährigen Weggefährten von Putin gehört. Er soll enormen Einfluss auf den russischen Präsidenten haben. Auch der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD*) lässt sich regelmäßig mit Setschin ablichten, wie diverse Fotos belegen. Putin geht unterdessen weiter rigoros gegen die Pressefreiheit in Russland vor: Die Novaya Gazeta stellt nun als letzte unabhängige Zeitung Russlands den Betrieb ein.

Auf die Spur kamen die Journalisten dem Oligarchen durch dessen zweite Ehefrau, die zwar kaum Auftritte in der Öffentlichkeit mit Setschin hatte, aber regelmäßig auf den Social-Media-Kanälen Bilder von ihrem Luxusleben postete. Im Hintergrund ihrer Selfies war häufig eine Jacht zu sehen, die als St. Princess Olga identifiziert werden konnte. Allerdings verklagte Setschin im Anschluss die Zeitung. In Frankreich* wurde inzwischen auch eine weitere Jacht, die „Amore Vero“ beschlagnahmt, die ebenfalls Setschin zugeordnet wird. Als gängiges Verfahren, um den Besitzer von Jachten zu verschleiern, gilt die Registrierung über Firmen und Holdings im Ausland. Im Hamburger Hafen konnte deshalb die Jacht Dilbar zunächst nicht beschlagnahmt werden.

Ukraine-Krieg: So stellen Kinder von Oligarchen und russischen Politikern ihren Reichtum zur Schau

Zu den Sprösslingen der Kreml-Elite, die im Ausland ein Luxusleben führen sollen, zählt außerdem Polina Kovaleva. Sie gilt als inoffizielle Stieftochter des russischen Außenministers Sergej Lawrow. Lawrow soll neben seiner Ehefrau auch seit Jahrzehnten eine Geliebte haben, wie diverse Medien, darunter die britische Daily Mail berichten. Die Lawrow-Geliebte soll der Zeitung zufolge seit Jahren auch Dienstflüge nutzen. Die 26-jährige Tochter studiert in Großbritannien* und soll bereits eine Wohnung im Wert von 4,4 Pfund im Londoner Stadtteil Kensington besitzen. Während einige Russinnen und Russen seit Jahren unter den Sanktionen infolge des Ukraine-Konflikts* leiden, führt Kovaleva ein luxuriöses Leben im Westen. Auch Lawrow selbst soll sich Berichten zufolge gerne in Großbritannien aufhalten. Inzwischen sind Lawrow und auch Polina Kovaleva mit Sanktionen belegt.

Ukraine-Krieg: Die Spur zu Oligarchen führt häufig über die Social-Media-Kanäle der Ehefrauen oder Kinder. (Symbolbild)
Ukraine-Krieg: Die Spur zu Oligarchen führt häufig über die Social-Media-Kanäle der Ehefrauen oder Kinder. (Symbolfoto) © Rene Traut/Imago Images

Russland: Selfies auf Instagram während der Ukraine-Krieg Menschenleben kostet

Elizaveta Peskowa ist ein weiteres Beispiel: Sie ist die Tochter von Dmitri Peskow, Pressesprecher des Kreml, der von der Regierung von Joe Biden* in einem Statement des Weißen Hauses als „Pressesprecher Wladimir Putins und Top-Lieferant von Wladimir Putins Propaganda“  bezeichnet wurde. Die Tochter Peskows behauptet hingegen, sie sei selbst zu ihrem Reichtum gekommen. Dem Online-Portal Business Insider sagte sie, dass sie von den Sanktionen und insbesondere von der Anschuldigung, sie würde „den Krieg ermöglichen“, überrumpelt wurde. Kurz zuvor hatte sie tatsächlich noch auf Instagram „Nein zum Krieg“ gepostet, ihren Account aber kurz darauf gelöscht. Die Ukraine müsse entnazifiziert werden, wiederholte auch Peskowa im Anschluss die Propaganda des Kreml.

„Für mich ist das völlig unfair und unbegründet“, so Peskowa. „Ich war wirklich überrascht, weil es seltsam ist, Sanktionen gegen jemanden einzuführen, der 24 Jahre alt ist und nichts mit der Situation zu tun hat.“ Die USA und EU werfen ihr allerdings vor, von der Situation in Russland und in der Ukraine finanziell zu profitieren. (df) Politikerinnen der Ukraine erheben Vergewaltigungsvorwürfe. (df) *fr.de und hna.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Auch interessant

Kommentare