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Kritik aus der Ukraine: Papst Franziskus feiert Kreuzweg mit umstrittener Geste

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Von: Andreas Apetz

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Papst Franziskus während der Karfreitags-Prozession. (Archivfoto) © Andrew Medichini/AP/dpa

Für die Karfreitags-Prozession in Rom gab es einiges an Kritik aus der Ukraine. Schuld daran war eine strittige Idee des Papstes für den Kreuzweg.

Rom – Bei der traditionellen Kreuzweg-Prozession in Rom am Karfreitag hatte dieses Jahr auch der Ukraine-Konflikt seinen Platz. Die Prozession fand erstmals seit zwei Jahren wieder als öffentliche Veranstaltung statt. Tausende Gläubige versammelten sich am Kolosseum in Rom, um der Nacherzählung der Leidensgeschichte Jesu beizuwohnen.

Neben Gebeten und einer Andacht für die ukrainischen Geflüchteten hatte sich das Oberhaupt der katholischen Kirche, Papst Franziskus, dazu entschieden, seinen Worten Ausdruck zu verleihen und eine fragwürdige Geste für seiner Karfreitags-Zeremonie geplant. Aus der Ukraine gab es reichlich Kritik.

Kreuzweg: Frauen aus der Ukraine und Russland tragen zusammen das Kreuz

Die Zeremonie stand ganz im Zeichen des Friedens in der Ukraine. An der Prozession und Andacht an dem antiken römischen Bauwerk nahmen tausende Gläubige teil. Die meisten Teilnehmenden hielten eine Fackel in den Händen und erleuchteten den Kreuzweg. Auf Wunsch des Papstes wurde das Kreuz bei der 13. und vorletzten Station der Prozession von zwei Freundinnen getragen – eine aus der Ukraine, die andere aus Russland.

Der Text für diesen Wegabschnitt wurde kurzfristig geändert. „Im Angesicht des Todes sagt Schweigen mehr als Worte. Halten wir also in betender Stille inne und beten wir alle in unserem Herzen für den Frieden in der Welt“, hieß es schließlich. Doch diese Zeilen entsprachen nicht dem im Vorfeld veröffentlichten Text des Vatikans. Dort hatte es unter anderem geheißen: „Welche Fehler haben wir begangen? Warum hast du unsere Völker im Stich gelassen?“ Und: „Lehre uns Frieden zu schließen, Brüder und Schwestern zu sein, wiederaufzubauen, was die Bomben zerstören wollten.“

Kreuzweg-Kritik: Ukraine findet Geste unpassend

Die Versöhnungsgeste der beiden kreuztragenden Frauen sowie die ursprünglich geplanten Verse wurden aus der Ukraine als unpassend empfunden. Besonders angesichts der schrecklichen Bilder aus Butscha und Mariupol hielten viele Ukrainerinnen und Ukrainer den gepredigten Versöhnungsgedanken für absurd: Wie solle man sich aktuell versöhnen, während die Gewalt der russischen Truppen, auch gegen die zivile Bevölkerung, immer mehr zunimmt?

Trotz aller Kritik vorab hielt Papst Franziskus an seinem Programmpunkt fest und ließ das Kreuz von beiden Frauen tragen. Die kurzfristige Änderung des Textes dürfte nur wenige Kritikerinnen und Kritiker besänftigt haben. Franziskus selbst sei es jedoch ein großes Anliegen gewesen, den Ukraine-Krieg in seiner Karfreitags-Prozession zu thematisieren. Die letzten Worte des Kreuzganges widmete der Pontifex dem friedvollen Miteinander auf Erden: „Herr […], entwaffne den bewaffneten Arm, der sich gegen den Bruder erhebt, damit dort, wo der Hass gedeiht, die Eintracht erblüht.“ (aa mit afp)

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