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Atomkraftwerk-Experte: So hoch ist die Gefahr einer nuklearen Katastrophe

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Von: Jennifer Köllen

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Die Kernkraftwerke Tschernobyl und Saporischschja in Russland und das Strahlenwarnzeichen
Ukraine-Krieg: Tschernobyl und Saporischschja sind weiterhin sehr gefährlich. (kreiszeitung.de-Montage) © Bryan Smith/Konstantin Mihalchevskiy/imago

Wenn im AKW Saporischschja der Strom ausfällt, droht eine Kernschmelze. Die Gefahr sei real, sagt ein Experte. Dann könnte es auch Deutschland treffen.

Saporischschja – Viele Europäer machen sich derzeit Sorgen wegen des Ukraine-Konflikts. Sie fragen sich: Wie weit würde der russische Präsident Wladimir Putin* im Zweifel gehen? Schreckt er nicht mal vor einem Atomkrieg zurück? Tatsächlich ist eine andere atomare Gefahr derzeit aber viel realer – und könnte im schlimmsten Fall auch uns betreffen.

Experten sind gerade aus verschiedenen Gründen besorgt. Erstens: Die ukrainische Atomruine Tschernobyl und Saporischschja, das größte Atomkraftwerk in Europa, sind von Russen angegriffen und besetzt worden. Russische Streitkräfte haben jetzt also die Kontrolle und das Kommando über die Anlagen. Zweitens: Zu beiden Atomanlagen besteht derzeit kein Kontakt, die Überwachungssysteme der Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) sind ausgefallen. Die IAEA kann die Kernkraftwerke auch nicht über Telefon, E-Mail oder Fax erreichen – und zeigt sich darüber sehr besorgt. Drittens: Das ehemalige Atomkraftwerk Tschernobyl war von der Stromversorgung abgeschnitten. Das Gleiche könnte in Saporischschja passieren – und genau diese Tatsache versetzt Experten in Alarmbereitschaft.

Warum ein Experte die Gefahr in den ukrainischen Atomkraftwerken hoch einschätzt, und was eine Kernschmelze für Deutschland bedeuten würde, decken unsere Kollegen auf*.

Doch zunächst zu der Lage in Tschernobyl: Bei dem Beschuss im Bereich des ehemaligen Atomkraftwerks am 24.02.2022 sind Stromleitungen zerstört worden. Das teilte der ukrainische Netzbetreiber Ukrenerho mit. Die Kämpfe ukrainischer und russischer Soldaten nördlich von Kiew verhindern aktuell alle Reparaturarbeiten. Die mangelnde Stromversorgung ist ein Problem. Denn seit der Katastrophe im Atomkraftwerk 1986 lagern dort radioaktive Abfälle.

Die schlechte Nachricht: Die Situation bei Tschernobyl ist nicht das einzige atomare Problem in der Ukraine. Denn genau die Gefahr, die man bei Tschernobyl derzeit sieht – kein Kontakt und keine Kontrollmöglichkeiten, von Russen besetzt, Stromausfall droht – besteht gerade auch in Saporischschja. Zwar gibt es auch hier kein akutes Risiko einer Nuklearkatastrophe – das könnte sich aber im Ukraine-Krieg schnell ändern, befürchtet Wolfgang Raskob. *kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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