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Lärm, Stress und hohe Temperaturen können die Nachtruhe stören.

Schlaf

Übermüdete Gesellschaft

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Die Deutschen schlafen oft schlecht und zu wenig - vor allem, wenn sie berufstätig sind und in Berlin leben. In Bremen ist der Schlaf am besten.

Der Mensch verschläft gut ein Drittel seiner Lebenszeit – und das zu Recht. Angesichts der Bedeutung des Schlafs für die Regeneration überrascht es, dass bisher nur wenig über das Schlafverhalten der Bevölkerung bekannt ist. Der am Dienstag in Berlin veröffentliche „Schlafatlas“, der auf einer repräsentativen Emnid-Umfrage im Auftrag eines Unternehmens basiert, soll das ändern. Das wichtigste Ergebnis: Die Menschen hierzulande schlafen oft schlecht und zu wenig.

„Wir haben es mit einer übermüdeten Gesellschaft zu tun“, so das Urteil von Schlafmediziner und Studien-Co-Autor Michael Feld. Knapp ein Drittel der Befragten gab bei der Untersuchung an, tagsüber oft oder gelegentlich einzunicken. 34 Prozent äußerten den Wunsch, regelmäßig mehr schlafen zu können. 31 Prozent beklagten erhebliche Anlaufschwierigkeiten, wenn sie am Morgen aufstehen. Sie fühlen sich wie erschlagen. „Das sind Signale von Übermüdung, die zumeist aus beruflicher Überforderung resultieren“, sagte Feld. Nur ein Fünftel der Befragten sagt von sich, dass sie morgens topfit sind.

Am stärksten betroffen sind Berufstätige. Von ihnen klagen 38 Prozent über Schlafmangel, während es bei den Nichtberufstätigen nur 28 Prozent sind. Die Klage der Berufstätigen ist nachvollziehbar, denn sie schlafen nach der Umfrage im Schnitt nur 6:42 Stunden unter der Woche, während Nichtberufstätige 7:18 Stunden schlafen können. Der aktuelle Durchschnitt liegt laut Studie bei 6:54 Stunden.

Die Umfrage ergab zudem, dass acht Prozent der Bevölkerung mindestens einmal pro Woche Schlafmittel nehmen. Dabei ist der Konsum mit zehn Prozent im Westen höher als im Osten, wo nur sechs Prozent zu Schlafpillen greifen.

Aus den Studienergebnissen haben die Autoren ein regionales Schlaf-Ranking erstellt. Danach haben die Bremer den besten Schlaf. Sie ruhen auch länger als der Durchschnitt. Zudem hat die Hansestadt auch die wenigsten Einwohner mit nächtlichen Atemaussetzern, der sogenannten Schlafapnoe. Das spricht für einen entspannten Schlaf. Die Bremer äußerten in der Befragung die höchste subjektive Zufriedenheit mit ihrem Schlaf.

Nur 30 Prozent wünschen sich mehr Schlaf, im Bundesdurchschnitt sind es 34 Prozent. Zudem benötigen die Einwohner dort seltener einen Mittagsschlaf. So gab ein Drittel an, tagsüber ein Nickerchen zu machen. Im Rest des Landes brauchen 43 Prozent einen Mittagsschlaf. Auch was die Zubettgeh-Routine angeht, sind die Bremer vorbildlich. Vor dem Schlafen schauen sie weniger fern oder nutzen seltener ihr Smartphone.

Im Ranking folgen Rheinland-Pfalz, das Saarland, Hamburg und Hessen. In Berlin schlafen die Menschen laut der Umfrage am schlechtesten. Zudem seien die Hauptstadtbewohner besonders unzufrieden mit ihrem Schlaf. In keiner anderen Stadt würden so häufig finanzielle Sorgen als Grund für die Schlafprobleme genannt wie in Berlin (14 Prozent). Bundesweit liegt der Wert bei acht Prozent.

Generell gilt in den Großstädten: Die Lärmbelastung, höhere Außentemperaturen und der größere Arbeitsstress wirken sich negativ auf den Schlaf aus.

Aber auch Bayern (Platz 14 vor Sachsen-Anhalt) scheint nicht besonders ausgeruht: Nirgendwo fühlen sich die Deutschen nach dem Aufwachen matter als im Freistaat. 43 Prozent der Bayern würden der Befragung zufolge gern länger schlafen – das ist bundesweit der höchste Wert. Die Bayern haben auch den deutschlandweit höchsten Schlafmittelkonsum und den größten Anteil an Schnarchern.

Eine parallel durchgeführte Studie lieferte Ergebnisse über die objektive Schlafdauer, die Verteilung der Schlafphasen und das nächtliche Wachwerden. Dabei zeigte sich, dass der Schlaf oft nicht erholsam ist. Der Anteil der Tiefschlafphasen sinkt. Er liegt laut Erhebung bei 17,2 Prozent. Normal wäre ein Anteil zwischen 20 und 25 Prozent. (mit kna)

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