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Das Flammen schlagen hoch hinaus aus dem Sonderzug für Freiburger Fußballfans.

Brandursache steht fest

Feuer in Zug mit Fußball-Fans - Brandursache steht fest

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Nach dem spektakulären Brand im Oktober gerieten schnell Fußballfans in den Verdacht, mit Pyrotechnik das Unglück ausgelöst zu haben. Ein offizieller Bericht kommt zu einem ganz anderen Ergebnis. 

Im Oktober 2019 brannte ein Sonderzug mit Fußballfans des FC Freiburg in Berlin. Nun steht die Brandursache fest: Das Feuer in einem Sonderzug mit Freiburger Fußballfans in Berlin hat doch eine technische Ursache. 

Das ist das Ergebnis eines Zwischenberichts der Bundesstelle für Eisenbahnuntersuchung, den die Behörde im Internet veröffentlicht hat. Ein Defekt an der Heizung des 65 Jahre alten Wagens dürfte den Brand ausgelöst haben.

Im Oktober hatten Freiburger Fans einen Zug beim Schweizer Anbieter Centralbahn gechartert. Auf dem Rückweg vom Auswärtsspiel gegen Union Berlin geriet der zweite Wagen zwischen Zoologischer Garten und Hauptbahnhof in Brand; hohe Flammen schlugen aus dem Fahrzeug. Etwa 700 Reisende konnten noch rechtzeitig aussteigen; es gab drei Leichtverletzte. Der Schaden am Zug wird auf 155.000 Euro geschätzt. 

Schnell folgten Spekulationen, mit Pyrotechnik werkelnde Fans hätten das Feuer ausgelöst. Dazu trug eine frühe Stellungnahme der Centralbahn bei, die einen technischen Defekt ausschloss, „da der Brand offensichtlich im Inneren eines Abteils ausgebrochen ist, wo es keine Technik gibt.“ Insbesondere ein Heizungsschaden scheide aus. 

Der jetzt vorliegende Bericht der Bundesstelle zeichnet ein anderes Bild. Der betroffene Wagon heizt mit Warmwasser und Dampf. Unter dem Fahrzeugboden wird Wasser mit Strom erhitzt und über Rohre ins Innere geleitet. Ist es warm genug, schaltet sich der Strom ab. Normalerweise. In diesem Fahrzeug jedoch ist der Hauptschütz (eine Art Relais) so verklebt, dass er nicht auslösen kann.

Feuer im Fanzug: Heizung lässt sich nicht abstellen

Die Folgen: Das Wasser kocht und verdampft komplett; der heiße Dampf wird über die Rohre abgeleitet – und tritt massiv unter dem Wagen und im Bereich der Innendecke aus. Tragisch: Das Fahrzeug verfügt über eine Sicherung, die den Wassermangel erkennt. Doch auch sie kann wegen des verklebten Schützes den Heizungsstrom nicht automatisch abstellen. 

Was dann genau zu den Flammen führt, ist noch offen. Die Gutachter können sich vorstellen, dass Staub zu brennen beginnt; dass Holz in Kontakt mit den heißen Metallrohren gerät oder dass sich eine Wasser-Frostschutz-Dampfwolke an heißen Teilen der Abteilbeleuchtung entzündet. Klar sei aufgrund von Fotos. „dass sich das Brandereignis im Dachinnerraum in der Fahrzeugmitte entwickelt hat“. Es gebe keine Erkenntnisse, die für eine Einwirkung Dritter sprechen. 

Die Bundesstelle weist darauf hin, in später gebauten Fahrzeugen sei eine weitere Sicherheitsebene zum Schutz vor einer Übertemperatur eingebaut, „was dieses Ereignis bereits im Ansatz verhindert hätte“. Hier setzen ihre Sicherheitsempfehlungen an die Eisenbahnunternehmen an. 

Die Frankfurter Rundschau hat die Centralbahn am Montagvormittag um Informationen darüber gebeten, ob sie weiter Fahrzeuge ohne diese zusätzliche Sicherheitsebene einsetzt. Wir wollten zudem wissen, wie das Unternehmen rückblickend seine erste Stellungnahme einschätzt, die technische Brandursachen ausschloss. Bisher blieb eine Antwort aus. 

Die Deutsche Bahn teilte mit, sie verwende Wagen ohne weitere Sicherheitsebene nicht mehr.

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