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Mutter und Sohn gemeinsam lachend bei den Highland Games in Schottland. Doch nicht immer sind sie sich so einig.
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Mutter und Sohn gemeinsam lachend bei den Highland Games in Schottland. Doch nicht immer sind sie sich so einig.

Prinz Charles

Über den Wolken

  • Sebastian Borger
    VonSebastian Borger
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Eine neue Biografie des britischen Thronfolgers Charles stellt klar: Der Prinz will seine Rolle anders wahrnehmen als Mutter Elizabeth. Er verweigert die vom Buckingham-Palast gewünschte Zurückhaltung in gesellschaftlichen Fragen.

Ein Workaholic, der seine Angestellten bis zur Erschöpfung beansprucht; ein Zwangsneurotiker mit dem unstillbaren Drang zur Weltverbesserung; ein zukünftiges Staatsoberhaupt, das seine Rolle ganz anders interpretieren will als die hochangesehene Amtsinhaberin: Eine neue Biografie über den britischen Thronfolger bestätigt die schlimmsten Ängste von Royalisten und Verfassungsexperten auf der Insel. Demzufolge verweigert Charles, 66, trotz zunehmender Beanspruchung als Prinzregent die vom Buckingham-Palast gewünschte Zurückhaltung in gesellschaftlichen Fragen. „Er wird seine über lange Jahre erworbene Unabhängigkeit nicht so leicht aufgeben“, urteilt die Autorin Catherine Mayer.

Wie der Untertitel nahelegt, versucht die hervorragend vernetzte Journalistin Mayer den Blick ins Innenleben des ewigen Thronfolgers – ins „Herz eines Königs“. Er sei von Geburt an auf die Königsrolle vorbereitet worden, analysiert die Autorin: „Aber er zielt auf Höheres. Er spürt den Zwang, etwas zu bewirken.“

Dazu zählen seine normalerweise geheimen Interventionen bei Ministern, über die Monarchie-kritische Medien seit Jahren Auskunft verlangen. Noch in diesem Frühjahr entscheidet der Supreme Court über die Veröffentlichung von 27 „Schwarzen-Spinnen-Memoranden“, so benannt wegen der prinzlichen Handschrift. Im vergangenen Jahr berichteten frühere Labour-Minister der BBC von Wortmeldungen des Thronfolgers während ihrer Regierungszeit zwischen 1997 bis 2010.

Dem früheren Bildungsminister David Blunkett zufolge warb Charles hinter verschlossener Tür für eine Rückkehr der Grammar Schools, dem englischen Äquivalent des Gymnasiums. Damit befindet sich der Absolvent der Uni Cambridge in einer winzigen Minderheit – im staatlichen Schulsystem stellt die Gesamtschule die Norm dar.

Provokative Wortmeldungen

Spekulationen über die Zukunft des Königshauses konzentrieren sich im Allgemeinen vor allem auf die jungen Royals William, 32, und Kate, 33, die im April ein Geschwister für den anderthalbjährigen Babyprinz George erwarten. Dabei hat William nie einen Zweifel daran gelassen, dass er an der Thronfolge in keiner Weise rütteln will: Nach dem Tod der rüstigen Monarchin wird Charles die Nachfolge antreten, womöglich zu Ehren seines Großvaters als George VII. Schon heute spielt der Prinz von Wales eine zunehmend wichtige Rolle. Anstelle der knapp 89-jährigen Elizabeth II. verleiht Charles häufig Orden, empfängt Botschafter und absolviert Staatsbesuche im Ausland. So vertrat der älteste Sohn seine Mutter beispielsweise beim Commonwealth-Gipfel auf Sri Lanka 2013. Die Königin selbst reist nur noch selten; insofern stellt ihre geplante Deutschland-Reise im Juni eine besondere Auszeichnung für den EU-Partner dar.

Anders als Elizabeth in ihren 63 Dienstjahren hat sich Charles schon früh durch provokative Wortmeldungen profiliert. Oft war der Thronfolger der öffentlichen Meinung voraus, etwa mit seinem Eintreten für Recycling und naturnahe Landwirtschaft oder mit seiner Kritik an allzu klobiger Architektur. Der gläubige Anglikaner überraschte durch seine Sympathie für den Islam. Manchmal zog sich Charles auch heftige Kritik zu, etwa wenn er für alternative Medizin Werbung machte. Immerhin: Der am längsten amtierende Kronprinz Englands profilierte sich als Schutzpatron von Minderheiten ebenso wie als Sprachrohr der schweigenden Mehrheit gegenüber einer häufig abgehobenen politischen, wissenschaftlichen oder gesellschaftlichen Elite. Während die Königin eine gemäßigte Konservative sei, stecke im Prinzen ein „radikaler Grüner“, urteilte vor Jahren „The Economist“.

„Wolf Hall“

Hingegen ist Charles als Personalchef wenig geeignet, jedenfalls wenn man Mayers Buch Glauben schenkt. Man arbeite in Clarence House „härter als je zuvor in seinem Leben“, weiß Elizabeth Buchanan, die frühere Privatsekretärin des Prinzen. Um dessen Gunst gebe es brutale Machtkämpfe, schreibt Mayer, zumal Charles seine Angestellten gern gegeneinander ausspiele. Der Hof des Thronfolgers trage deshalb den Spitznamen „Wolf Hall“, nach dem überaus erfolgreichen Roman der Bestsellerautorin Hilary Mantel, dem Ereignisse am Hofe Heinrichs VIII (1509–47) zu Grunde liegen.

Das Dementi von Charles‘ Sprecherin klingt halbherzig: Die Autorin Catherine Mayer habe „nicht den Zugang gehabt, der jetzt behauptet wird“. Dass die Journalistin direkt mit dem Thronfolger gesprochen, auch sein Umfeld intensiv beackert hat, lässt sich freilich nicht leugnen. Die amerikanische Staatsbürgerin Mayer lebt seit langem in London und verfügt über erstklassige Kontakte. Nach einer Zeit als Korrespondentin des deutschen Magazins „Focus“ leitet die frühere Präsidentin des Clubs der Auslandspresse FPA mittlerweile das Londoner Büro von „Time Magazine“. Ihr Buch soll noch in diesem Jahr im Heyne-Verlag auf Deutsch erscheinen.

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