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Türkei: Ärger um Corona-Vakzin Turkovac – „Eine Flüssigkeit, die als Impfstoff ausgegeben wird“

  • Tim Vincent Dicke
    VonTim Vincent Dicke
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Der komplett in der Türkei entwickelte Corona-Impfstoff Turkovac steht in der Kritik. Fachleute laufen gegen die Informationspolitik der Regierung Erdogan Sturm.

Ankara – Die Türkei* befindet sich in einem exklusiven Kreis von Staaten, die einen eigenen Impfstoff gegen das Coronavirus* entwickelt haben. Das Vakzin mit dem Namen Turkovac wird von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan* stolz als Mittel mit hoher Wirksamkeit vermarktet. Doch es gibt Kritik aus Fachkreisen.

In der Türkei steigen die Corona-Zahlen rasant an, die täglichen Neuinfektionen näheren sich offiziellen Angaben zufolge der 70.000er-Marke – die Werte sind so hoch wie noch nie in der Pandemie. Wie in anderen Ländern auch wird offenbar die hochansteckende Omikron-Variante* immer dominanter.

Türkei setzt auf eigenen Corona-Impfstoff Turkovac

Die Impfquote bei den Erwachsenen liegt laut dem türkischen Gesundheitsministerium bei mehr als 80 Prozent. Neben den Impfstoffen von Biontech/Pfizer* und Sinovac aus China setzt die Türkei auch das selbst entwickelte Vakzin Turkovac ein. Der Impfstoff hatte Ende Dezember 2021 eine Notfallzulassung erhalten, seit Anfang des neuen Jahres wird er verimpft.

Als einer der Ersten ließ sich der türkische Gesundheitsminister Fahrettin Koca mit Turkovac gegen Corona impfen. Nach seinen Angaben hatte die dritte und letzte klinische Studie mit 40.800 Probanden im Juni begonnen, der Antrag auf eine Notfallzulassung bei der seinem Ministerium unterstellten Medikamentenbehörde TITCK wurde im November gestellt.

Menschen warten auf eine Corona-Impfung in der Türkei.

Ates Kara, ein Berater des Gesundheitsministers, bezeichnete den Impfstoff als „sehr erfolgreich“. „Bisher hat keiner der mit Turkovac Geimpften eine schwere Form von Covid-19 entwickelt, die eine Einweisung ins Krankenhaus oder einen Aufenthalt auf der Intensivstation erforderlich gemacht hätte“, sagte er.

Türkei: Erdogan spricht von Corona-Impfstoff Turkovac in den höchsten Tönen

Auch Recep Tayyip Erdogan hat Turkovac bereits seinen Segen gegeben. In einer Videoschalte rief er alle bisher nicht geimpften Menschen in der Türkei dazu auf, sich mit dem Vakzin gegen Corona impfen zu lassen. Es habe schließlich auch einen erheblichen Vorteil gegenüber den bisher zugelassenen Impfstoffen: die vollständige Entwicklung in der Türkei.

Des Weiteren plant die Türkei, 15 Millionen Turkovac-Dosen an die afrikanischen Staaten zu spenden. Es sei eine „Schande für die Menschheit, dass erst sechs Prozent der afrikanischen Bevölkerung geimpft sind“, sagte Erdogan bei einem Türkei-Afrika-Gipfel Ende 2021 in Istanbul.

Trotz der Überzeugungsarbeit, die Erdogan und die türkische Regierung leisten, gibt es an Turkovac, der wie Sinovac ein traditioneller Totimpfstoff ist, erhebliche Kritik. Der Grund: Offizielle Daten zur Wirksamkeit gibt es bis dato nicht. Der Generalsekretär des türkischen Ärzteverbandes (TTB), Vedat Bulut, sagte der Nachrichtenplattform Diken: „Wir sind zwar nicht sehr besorgt über die Nebenwirkungen, aber wir haben keinerlei Daten über die Schutzwirkung“. Bulut fügte hinzu: „Das ist kein Impfstoff, das ist eine Flüssigkeit, die als Impfstoff ausgegeben wird.“

Eine Dosis des Corona-Impfstoffs Turkovac.

Corona-Impfstoff aus der Türkei: Kritik an Regierung Erdogan wegen Turkovac

Bulut ist der türkischen Regierung gegenüber extrem misstrauisch. Der Nachrichtenagentur Anka sagte er: „Im Westen werden Notfallzulassungen von der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) oder der US-Behörde für Lebens- und Arzneimittel (FDA) durch unabhängige wissenschaftliche Ausschüsse genehmigt. In der Türkei hingegen wird die Produktion und Beschaffung von Impfstoffen von der Regierung mit Gewalt durchgesetzt.“

Auch Sebnem Korur Fincanci, die Präsidenten des türkischen Ärzteverbandes, kritisierte den Umgang der Regierung mit Turkovac. „Wir als Ärzteverband möchten gerne die wissenschaftlichen Studien zu diesem Thema sehen, damit wir darüber diskutieren können. Wir möchten gemeinsam bewerten, wie objektiv und wissenschaftlich wertvoll diese Daten sind. Das geht leider nicht“, sagte Fincanci im Gespräch mit der Istanbuler Tageszeitung Sözcü. Im Verlauf der Pandemie habe die Regierung von Erdogan außerdem widersprüchliche Aussagen zu Corona-Impfstoffen getroffen, kritisierte Fincanci. (tvd/AFP) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Adem Altan/AFP

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