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Eine von vielen Bootsparaden für Donald Trump: Die ‚‚Trump Boat Parade“ in der San Diego Bay im Juni 2020. (Archivbild)
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Eine von vielen Bootsparaden für Donald Trump: Die ‚‚Trump Boat Parade“ in der San Diego Bay im Juni 2020. (Archivbild)

USA

Bootsparade für Trump hinterlässt Schneise der Zerstörung

  • Anna Charlotte Groos
    VonAnna Charlotte Groos
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Bei den Bootsparaden für Donald Trump soll es zu zahlreichen Unfällen gekommen sein. Trump selbst interessiert das jedoch herzlich wenig.

Frankfurt/USA – Rund ein Jahr ist es jetzt her, dass zahlreiche Bootsparaden in den USA, veranstaltet zur Wahlkampf-Unterstützung von Donald Trump, außer Kontrolle gerieten und für schwerwiegende Unfälle sorgten. Bootsparaden sind zwar offiziell keine politischen Wahlkampfveranstaltungen, wurden vom ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump aber durchaus als solche genutzt.

Zahlreiche Trump-Anhänger:innen versammelten sich auf den Bootsparaden, die für viele Bootsfahrer:innen zudem zu einer Haupteinnahmequelle zählten. Nach neuen Erkenntnissen der US-amerikanischen Zeitung The Daily Beast sollen in der Zeit während Donald Trumps Präsidentschaft jedoch noch viel mehr Bootsunfälle verursacht worden sein, als bisher bekannt gewesen sei.

Politische Bootsparade in den USA: Ein Drittel aller Bootsunfälle durch Trump-Flotten

Allein in Tennessee soll die staatliche Datenbank zeigen, dass im vergangenen Jahr an einem Drittel aller auf dem Wasser verursachten Unfälle Trump-Flotten beteiligt gewesen sind. Nationale Unfallzahlen mit Trump-Flotten für ganz Amerika sind nicht verfügbar, aber eine bundesstaatliche Überprüfung der Vorfallberichte in Minnesota, Wisconsin, Oklahoma, Oregon und Texas soll gezeigt haben, dass die meisten Unfälle nie in die Nachrichten gekommen sind, so The Daily Beast.

Eine besonders unfallreiche Bootsparade fand am 4. Juli 2020, dem amerikanischen Unabhängigkeitstag, statt. Trump-Fans hatten an diesem Tag eine Parade mit mehr als hundert Booten auf dem Old Hickory Lake, nahe Nashville im US-Bundesstaat Tennessee, veranstaltet. Durch die Vielzahl der Boote sollen starke Wellen auf dem Old Hickory Lake entstanden sein, sodass das Wasser teilweise in die Boote hinein schwappte.

Bootsparade für Donald Trump in Tennessee: „Es war wirklich unorganisiert“

Tommy Gravelle, ein Trump-Anhänger, der sich mit seinem Boot auf dem Weg zur Parade auf dem Old Hickory Lake befunden hatte, erklärte gegenüber The Daily Beast, dass er ein solches Ausmaß an Chaos auf dem Wasser zuvor nicht erlebt habe. Und das, obwohl er ein erfahrener Bootsfahrer sei: „Wenn ich gewusst hätte, dass es so große Wellen gibt, hätte ich das Dock nie verlassen.“

Wellen, die für ein einfaches Pontonboot zu schnell gekommen seien, um auf dem Wasser wieder zur Ruhe kommen zu können, sollen über die Vorderseite des Boots fast bis zum Kapitänsstuhl in das Boot hineingebrochen sein. Daraufhin hatte Gravelle beschlossen, wieder umzukehren. „Es war wirklich unorganisiert. Ich denke, diese Leute haben es alle gut gemeint, sie haben nicht verstanden, was los war“, sagte Gravelle gegenüber The Daily Beast über die Bootsparade. Sein Boot soll durch die Ereignisse einen Totalschaden erlitten haben.

Bootsparade zur Unterstützung von Donald Trump – Grund für Unfälle sind die ausgelösten Wellen

Die Bootsparade auf dem Old Hickory Lake war nicht die erste und auch nicht die letzte Bootsparade, die für Trump veranstaltet worden war und bei der es zu Unfällen gekommen war. Bei einer Wahlkampfparade zur Unterstützung von Trump auf dem Lake Travis in Texas im September 2020 sollen die Boote wegen des starken Wellengangs durch den Bootsverkehr ebenfalls mit Wasser voll gelaufen sein. Mindestens vier Boote waren dabei gesunken, mehrere Menschen mussten gerettet werden.

George Birdwell, ein Ermittler der Wildlife Resources Agency in Tennessee, sagte gegenüber The Daily Beast, dass Strafverfolgungsbehörden zunehmend Angst vor solchen Ereignissen wie Bootsparaden hätten. „Du sitzt in deinem Boot und wirst herumgeschleudert. Es ist kein angenehmer Teil unserer Arbeit“, sagte er. „Große Boote tauchen auf, und sie versuchen, langsam zu fahren. Aber sie werfen immer noch ein großes Kielwasser, und auch kleine Boote tauchen auf, und sie müssen mit diesen großen Kielwassern fertig werden.“

Anders als bei der durchschnittlichen Urlaubsregatta, bei der es wegen Alkoholkonsums zu Unfällen kommt, wenn zum Beispiel Menschen von fahrenden Booten springen oder beim Pinkeln vom Boot herunterfallen, sei der Hauptgrund für das entstandene Chaos bei den Trump-Bootsparaden der große Bootsverkehr sowie der dadurch entstandene Seegang.

Trump-Parade: Auf dem Fort Loudoun Lage mussten zahlreiche Menschen von Board springen

Laut einem von The Daily Beast angeforderten Unfallbericht, über den in den Medien nicht berichtet worden war, mussten am 5. September bei einer Parade zur Unterstützung von Donald Trump auf dem Fort Loudoun Lake, nahe Knoxville in Tennessee, dutzende Menschen über Board eines Boots springen. Das Boot, auf dem sich die Menschen befunden hatten, war laut Polizeibericht von einer Reihe von Kielwasserwellen überholt worden. Ersthelfer und andere Paradebesucher:innen sollen den Personen daraufhin aus dem Wasser geholfen haben. Der Bootsschaden soll sich auf 22.000 US-Dollar belaufen.

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Bei einer Bootsparade auf dem Tims Ford Lake am 12. September soll sich laut einem Polizeibericht die 66-jährige Rana Beasley am Rücken verletzt haben, als durch die Parade entstandene Wellen das Boot trafen, wodurch sie heftig herumgeschleudert worden sei. Ein Krankenwagen brachte die verletzte Frau laut einem Bericht der Polizei in ein nahe gelegenes Krankenhaus, wie The Daily Beast berichtete. „In der Gegend gab es aufgrund einer erlaubten Bootsparade, die früher am Nachmittag stattgefunden hatte, einen erheblichen Bootsverkehr“, heißt es in dem Bericht.

USA: Unfälle bei Bootsparaden zur Unterstützung von Donald Trump im ganzen Land

Weitere Bootsunfälle bei Trump-Paraden sollen auf dem South Holston Lake in Tennessee, auf dem Eufaula Lake in Oklahoma sowie in Florida, Kalifornien, Texas und Minnesota passiert sein. Laut The Daily Beast sei es schwierig, die genaue Anzahl der Unfälle zu benennen, da einige Regierungsbehörden behaupten würden, keine Aufzeichnungen über öffentlich gemeldete Katastrophen zu besitzen.

Die überwiegende Mehrheit der von The Daily Beast überprüften Paraden soll auf aufgestauten Gewässern stattgefunden haben. Diese wiederum sollen vom U.S. Army Corps of Engineers, ein Hauptkommando des US-Heeres, das Leistungen aus dem Bereich des Bauingenieurwesens ausführt, verwaltet werden. Für Veranstaltungen wie Bootsparaden muss das Hauptkommando Genehmigungen ausstellen. Das U.S. Army Corps of Engineers soll jedoch weder auf Fragen geantwortet noch Daten bereitgestellt haben.

Bootsunfälle bei Trump-Festen in ganz USA: Besondere Unfallgefahr bei Bootsparaden

Kapitän David B. Mackey, ein Professor an der Mass Maritime Academy, betonte hinsichtlich der vielen Unfälle, dass die Boote mit 5 Meilen pro Stunde oder langsamer fahren sollten – abwechselnd zwischen Leerlauf und vollständigem Abstellen des Motors. Auch seien rasende Paradebesucher:innen schuld daran, dass kürzlich das Mietboot eines seiner Familienmitglieder in North Carolina beschädigt wurde. Die Leute würden nicht genug aufpassen, während sie mit ihren Booten herumfahren würden, so Mackey.

Andere Paradebesucher:innen wiederum sollen versucht haben, Vorsichtsmaßnahmen umzusetzen, um Unfälle zu vermeiden, so The Daily Beast. Austin Collins, der am 12. September eine Trump-Flotte am Lake Tenkiller in Oklahoma fuhr, sagte, er habe strenge Regeln aufgestellt, damit die Boote einzeln und langsam fahren. Aber als der See breiter wurde, sollen die Bootsfahrer:innen angefangen haben, umeinander herumzurasen. Dadurch sollen Wellen entstanden sein, die gegen die anderen Boote prallten.

Der ehemalige US-Präsident Donald Trump sprach im Juni 2021 auf dem Parteitag der Republikaner in North Carolina.

Laut Rob Crafa, Direktor am Ufer des Maritime College der State University of New York, besteht bei politischen Bootsparaden eine besondere Unfallgefahr. „Wenn Sie Bootsparaden wie Kundgebungen haben, erzeugt die Energie dort eine andere Atmosphäre. Menschen, die in Bereichen des Bootes stehen, wo sie nicht hingehören, Flaggen, die die Sicht des Bootsführers einschränken, laute Musik, strahlende Sonne, vielleicht Alkohol … all diese Faktoren tragen zu gefährlichen Situationen bei“, so Crafta.

Donald Trump zeigt sich begeistert über Bootsparaden

Donald Trump hingegen scheint überaus begeistert von seinen Bootsparaden und den vielen Besucher:innen zu sein. Er soll die vielen Trump-Fans auf diesen Paraden sogar als Argumentation genutzt haben, warum es gar nicht sein könne, dass er weniger Stimmen als Joe Biden erhalten habe, sagten zwei Trump-Vertraute laut The Daily Beast. Dieses Argument Trumps reiht sich in eine Reihe weiterer, wüster Verschwörungen um den von Trump angeführten Wahlbetrug während der US-Präsidentschaftswahl 2020 ein.

Die Bootsparaden waren nie formelle Wahlkampfveranstaltungen, aber Trump ermutigte die Feierlichkeiten mehrmals auf seinem inzwischen gelöschten Twitter-Account. Auch zu seinem 75. Geburtstag am 14. Juni 2021 feierten zahlreiche Fans den ehemaligen Präsidenten in Kalifornien mit einer Bootsparade und veranstalteten damit einen für Trump kostenlosen und quasi frühzeitigen Wahlkampf. Denn dieser machte bei einem Auftritt in North Carolina Anfang Juni bereits Andeutungen, eine erneute Kandidatur zu planen. Steve Bannon, Rechtsaußen-Kommentator und einstiger Chefstratege von Donald Trump, war sich bereits im Januar sicher, dass Trump 2024 sein Comeback feiern würde. (Anna Charlotte Groos)

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