+
Das australische Outback - wer sich dort verläuft, kann seinen Rettern nur schwer einen Ort angeben.

„What3Words“

Trübe Gründungslöffel

  • schließen

Ein Brite teilt die Welt in kleine Quadrate mit je drei Wörtern ein. Das rettet Leben - und hilft der Post auf Tonga.

Nicht jeder Fleck der Erde hat eine traditionelle Adresse. Auch die langen Zahlenreihen der GPS-Koordinaten sind nicht jedermanns Sache. Chris Sheldrick störte sich beispielsweise daran, dass Pakete nie pünktlich in Hinxworth ankamen, einem kleinen Dorf nördlich von London. Seine Farm beschrieb er immer nur als die, die man „hinter einer Kurve und dann noch einer und noch einer“ sehen könne. Die Pakete seien dennoch oft nicht angekommen.

Der Engländer nahm sich vor, ein besseres Adressierungssystem für die Welt zu schaffen. Er holte einen Freund mit an Bord, der Mathematiker ist, und gemeinsam entwickelten sie einen Algorithmus, der die Welt in Drei-mal-drei-Meter-Quadrate einteilt und jedem einzelnen dieser Quadrate eine einmalige Drei-Wort-Adresse zuteilt. Die drei Wörter sind willkürlich aus der englischen Sprache gewählt. Aus den 40 000 englischen Worten lassen sich 64 Billionen Kombinationen basteln. Um die Erde abzudecken, sind laut Sheldricks Firma What3Words jedoch nur 57 Billionen nötig gewesen.

„Unsere Vision ist es, ein globaler Standard für die Standortkommunikation zu werden“, heißt es von What3Words. Irgendwann sollen Menschen die App verwenden, um ihre Zelte auf Festivals zu finden, um zu ihrem Urlaubshotel zu navigieren oder den Rettungsdienst an den richtigen Ort zu leiten.

Letzteres passierte nun erstmals in Australien. Eine Wanderin war auf der einsamen Flinders Island unterwegs, eine kleine Insel vor Tasmanien, als sie ausrutschte und ihr Bein an zwei Stellen brach. „Ich fühlte, hörte und sah es. Es war alles in Zeitlupe“, sagte sie später dem „Sydney Morning Herald“. Glücklicherweise war sie nicht allein, sondern mit einer Gruppe unterwegs, doch selbst ihre Begleiter mussten eine halbe Stunde gehen, um Telefonempfang zu haben und den Rettungsdienst alarmieren zu können.

Ambulance Tasmania, das seit kurzem mit What3Words arbeitet, schickte den Anrufern einfach eine SMS mit einem Link zu findme.w3w.au zu. Die Wanderer mussten auf diesen Link klicken und dann die drei Wörter sagen, die auf ihrem Bildschirm erschienen – „murky founding spoonfuls“, das übersetzt soviel bedeutet wie „trübe Gründungslöffel“ – eine eindeutig sehr willkürliche Wortkombination. So konnten die Rettungsmannschaften die Wanderer trotz ihrer abgelegenen Position innerhalb von zwei Stunden erreichen und die Frau rechtzeitig ins Krankenhaus bringen.

„Jeden Monat haben Hunderttausende Menschen auf der Welt Schwierigkeiten, Rettungsdiensten ihren Standort mitzuteilen“, sagte Chris Sheldrick. Dies führe dazu, dass entscheidende Minuten und manchmal Stunden verloren gehen würden, um Menschenleben zu retten.

Dank des Dienstes konnte erst im vergangenen Jahr beispielsweise das Opfer eines sexuellen Übergriffs in Großbritannien gerettet werden. Die Frau wurde als Geisel gehalten und wusste nicht, wo sie war. Doch mithilfe der App konnte sie der Polizei ihren Standort schließlich mitteilen und befreit werden. Das 2013 gestartete System kommt inzwischen in den verschiedensten Bereichen zum Einsatz. Beispielsweise wird es von mehreren Postdiensten genutzt. Im Pazifikstaat Tonga war die Postzustellung bis vor einigen Jahren noch eine echte Herausforderung. Viele schrieben Briefe, auf denen nur Name, Ortschaft und Insel vermerkt waren, jedoch weder Straße noch Hausnummer.

„Nicht ausgelieferte Post stapelt sich hier“, beklagte sich Siosifa Pomana von der Tonga Post einst bei der „New York Times“. „Wir müssen uns oftmals auf eine Beschreibung verlassen: In diesem Dorf, auf der linken Seite, da ist ein Mangobaum und auf der rechten Seite ist dieser Kerl mit den zwei Hunden.“ Doch dann begann Tonga 2017 das Adresssystem von What3Words zu verwenden, das die Postzustellung seitdem zum Kinderspiel macht.

Die What3Words-App kann kostenlos für iOS und Android heruntergeladen werden. Sie funktioniert auch offline und ist daher ideal für den Einsatz in abgelegenen Gebieten.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare