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Ein Weilchen her: Sofia lauscht 1975 der Thronrede ihres Gatten.

Königin Sofia

Tristesse royale in Spanien

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Sofía de Grecia, die Mutter des spanischen Königs Felipe VI., wird heute 80 Jahre alt. Aber so recht kann sie ihr Alter nicht genießen.

Alle haben Mitleid mit Sofía, nur Jaime Peñafiel nicht. „Sie hätte sich scheiden lassen können“, sagt der 86-jährige Journalist, der das spanische Königshaus so gut kennt wie kein Zweiter. „Es war der Fehler ihres Lebens, sich nicht zur rechten Zeit scheiden zu lassen.“

Sofía de Grecia, die sich noch immer Königin nennen darf, wird am 2. November 80 Jahre alt. Der Mann, von dem sie sich nie scheiden ließ, ist Juan Carlos de Borbón, Spaniens König von 1975 bis zu seiner Abdankung 2014. Er hat ihr das Leben schwer gemacht, worüber in Spanien lange nicht geredet wurde, seit einigen Jahren aber doch. Seinetwegen verließ die griechische Prinzessin 1962 ihre Heimat und nahm den katholischen Glauben an. Hätte sie es mal lieber nicht getan. „Sie ist in ihrem Leben vollkommen gescheitert“, sagt Peñafiel, der alt genug ist, um kein Blatt mehr vor den Mund zu nehmen, „als Königin, als Mutter, als Großmutter und als Frau.“

Sofia fand kein privates Glück

Es wäre aber dann doch ein Scheitern auf hohem Niveau. Immerhin genießt Sofía ein königliches Leben mit all seinen Annehmlichkeiten, sie wohnt im Zarzuela-Palast in der Nähe von Madrid, hat ihr Personal und bekommt zum Geburtstag einen Konzertabend unter Leitung von Plácido Domingo geschenkt. Es hätte auch alles ganz anders kommen können. Ihr jüngerer Bruder Konstantin war von 1964 bis 1973 König der Griechen, die sich dann aber für die Republik entschieden – während Sofía im fernen Spanien nach dem Tod Francos 1975 zur Königin aufstieg. Insofern hat sich ihre Hochzeit doch gelohnt. Nur privates Glück fand sie offenbar nicht.

In Spanien war das lange Zeit ein offenes Geheimnis: Juan Carlos nahm es mit der ehelichen Treue nie so genau. Die spanischen Medien fanden aber, dass es nicht zu ihren Aufgaben gehörte, unter königliche Bettdecken zu schauen. Juan Carlos war der Staatschef, der Spanien auf den Weg zur Demokratie geholfen hatte und der sich dem Putschversuch rechter Militärs und Guardia-Civil-Polizisten am 23. Februar 1981 entgegenstellte. Wen kümmerten da seine Liebeshändel. Und Sofía versuchte den Spaniern ein Beispiel an „königlicher Würde“ zu geben, die darin bestehe, „immer auf dein Eigeninteresse zugunsten des Gemeininteresses zu verzichten“. Dazu gehörte es aus ihrer Sicht, das Bild einer glücklichen Königsfamilie aufrechtzuerhalten. An Scheidung war da nicht zu denken.

Das Bild bekam dann ohne Sofías Zutun hässliche Kratzer, die sich nicht wieder übermalen ließen. Ende 2007 trennte sich die älteste Tochter Elena von ihrem Mann Jaime de Marichalar, gut zwei Jahre später ließen sie sich scheiden. Das war das kleinste Drama. Schlimmer war, dass Ende 2011 die „Nóos-Affäre“ aufflog, ein Korruptionsskandal, der die zweite Königstochter, Cristina, und ihren Ehemann Iñaki Urdangarin vor Gericht brachte. Cristina wurde von gnädigen Richtern freigesprochen, Urdangarin sitzt seit Juni dieses Jahres eine sechsjährige Haftstrafe ab. Sofía aber vergaß alle königliche Würde und besuchte im Dezember 2011 Tochter und Schwiegersohn in Washington, wo sie damals lebten, und ließ zu, dass Reporter des Klatschmagazins Hola den Besuch dokumentierten, was nur als offizielle Rückenstärkung des korruptionsverdächtigen Paares zu interpretieren war.

Nach Nóos wurde alles anders, die Geschichte vom vorbildlichen und skandalfreien Königshaus war zu Ende erzählt. Im Frühjahr 2012 ging Juan Carlos in Botswana auf Elefantenjagd, was bekannt wurde, weil er sich während des Ausflugs eine Hüfte brach.

Da bekam zum ersten Mal eine seiner Liebschaften ein offizielles Gesicht: Die deutsche Geschäftsfrau Corinna zu Sayn-Wittgenstein hatte den König auf seiner Afrikareise begleitet, und Sofía musste hinnehmen, dass alle Welt von der „innigen Freundschaft“ (so nannte sie zu Sayn-Wittgenstein) zwischen ihrem Mann und der Deutschen erfuhr. Die Königin fand, dass das kein Grund zur Scheidung sei. Juan Carlos wäre dazu wohl bereit gewesen, was ihm seine Berater aber ausredeten. Als wäre ein klarer Schlussstrich ein größerer Skandal als die traurigen Eskapaden eines alternden Königs.

Sofìas Welt zerfiel zwei Jahre später noch weiter in Stücke, als Juan Carlos seine Abdankung erklärte. „Der König wird niemals abdanken, das hat nie zu unseren Plänen gehört“, hatte Sofía Mitte der 1990er Jahre ihrer Biografin Pilar Urbano erklärt. „Nur der Tod wird ihm ein Ende machen.“ Damals hatte sie sich nicht ausmalen können, dass es um die spanische Monarchie einmal so schlecht bestellt sein würde, dass allein eine geordnete Amtsübergabe an Sohn Felipe ihren Ruf retten konnte.

Die Operation hat so weit funktioniert, der neue König kommt bei den Spaniern ganz gut an. Leider versteht sich Sofía nicht besonders mit ihrer Schwiegertochter Letizia, die sich von der alten Königin auf keinen Fall in den Schatten stellen lassen will. Am Ostersonntag dieses Jahres demonstrierte Letizia das vor den Augen aller Welt, als sie Sofía brüsk in die Parade fuhr, während die am Ausgang der Kathedrale von Palma mit den beiden Enkeltöchtern, der Kronprinzessin Leonor und deren kleiner Schwester, für ein paar Fotos posieren wollte. Man kann Mitleid haben mit Sofía. Ein bisschen.

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