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Hauptsache die Klamotte sitzt: Sie richtet ihm die Fliege.
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Hauptsache die Klamotte sitzt: Sie richtet ihm die Fliege.

Die Obamas

Traumpaar der Weltpolitik

  • Manuel Almeida Vergara
    VonManuel Almeida Vergara
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Barack und Michelle Obama gelten in der Welt der Politik als außergewöhnliches Paar, daran wollten sie nie Zweifel lassen. Ein Rückblick auf ein schickes Kammerspiel.

Egal wie die US-Wahl am 8. November ausgeht, Barack und Michelle Obama müssen das Weiße Haus räumen. Mit ihnen werden wohl auch Stil, Humor und Glamour ausziehen. Denn gehört die positive Darstellung nach außen sowieso zum Politikerberuf, wie das Nudelholz zum Bäcker, so haben es die Obamas wie keine zweite Präsidentenfamilie geschafft, Persönlichkeit und Publicity gekonnt einzusetzen. Seit John und Jackie Kennedy hatte man sowas an der US-Spitze nicht mehr gesehen.

Es ist wohl davon auszugehen, dass die Obamas nicht selbst mit Umzugskartons und Luftpolsterfolie hantieren, wenn sie in den nächsten Tagen aus dem Weißen Haus ausziehen. Bilder abhängen und Möbel abbauen, das alte Leben in Kisten verstauen, noch einmal durchfegen – das wird dem Präsidentenpaar sicherlich erspart. Auch ein paar letzte Bilder vom alten Zuhause, wie sie Nostalgiker bei jedem Umzug wieder machen, knipsen die Obamas nicht selbst. Das hat die „Architectual Digest“ übernommen. „Die stylische private Welt der Obama-Familie“, stellt die kommende Dezemberausgabe der Interior-Zeitschrift vor.

Entworfen von Michael Smith, sonst zuständig für die Deko von Cindy Crawford, Steven Spielberg oder Michelle Pfeiffer, gibt sich der Wohnraum der Obamas heimelig: Großzügige Kuschelsofas, moderne Kunst in satten Farben, ein alter Plattenspieler. Ein dekoriertes Statement: Hier wohnt eine Familie, die alles hat. Kultur und Geschmack, einen Sinn für Behaglichkeit und Familie, Erfolg und Geld sowieso.

Als „Power Couple“ wurden Barack und Michelle in den acht Jahren als Präsident und First Lady oft bezeichnet. Ein Titel, mit dem sonst eher Paare wie Brad Pitt und Angelina Jolie geadelt wurden. Die Obamas also, sind die „Brangelina“ der Weltpolitik. Und bemühten sich stets, dieses Bild zu verteidigen.

Er wirft medienwirksam wahlweise mit Kindern oder NBA-Stars ein paar Körbe, sie geht mit Talkmasterin Ellen DeGeneres in deren Show im Drogeriemarkt shoppen. Schade nur, dass sich das Bild der sympathischen Identifikationsfiguren in absoluter Überzeichnung verliert. Denn mit jedem weiteren ausgefuchst inszenierten Indiz für Normalität und Nahbarkeit, schleicht sich klammheimlich ein ganz anderes Bild der Obamas ein: Sie sind nicht von dieser Welt.

Die schwer zu ignorierenden Fragen nach der politischen Kompetenz eines Barack Obama mal beiseite: Scheinbar gibt es doch nichts, was Barack und Michelle nicht können. Besungen von Busenfreundin Beyoncé legen sie 2009 einen perfekten ersten Tanz als Präsidentenpaar auf das Parkett, mit sonorer Stimme stimmt der Präsident bei einer Trauerfeier 2015 „Amazing Grace“ an, letzten Monat backt seine Frau im Weißen Haus mit geladenen Kindern frische Pizza.

Dass sich Politiker interessiert und volksnah geben, das ist ein alter Image-Hut. So eindrucksvoll wie die Obamas, machten das ihre Vorgänger trotzdem selten: Kaum vergeht doch ein Monat, in dem Barack und Michelle nicht mit einem lustigen Talkshow-Aufrtitt, einer herzerwärmenden Anekdote, einer ungenierten Geste Schlagzeilen machen.

So waren die Obamas quasi genauso häufig Gast auf den Gesellschafts- und Modeseiten, wie im politischen Journalismus. Barack Obama trägt am liebsten maßgeschneiderte Anzüge der New Yorker Marke Martin Greenfield Clothiers oder vom Label Hartmarx aus Chicago. Schmal geschnittene marineblaue Zweiknopf-Einreiher „Made In USA“ – das symbolisiert Tradition und Heimatliebe.

Die First Lady tat es ihm gleich, zeigte sich oft in amerikanischen Marken wie Carolina Herrera, Michael Kors und Ralph Lauren. Auch eine Fehde mit Oscar De La Renta legte sie bei, als sie 2014, rund ein Jahr nach der Kritik des präferierten First Lady-Ausstatters, endlich und zum ersten Mal eines seiner Kleider trägt: Sie würde nicht die amerikanische Mode unterstützen, hatte der mittlerweile vestorbene Designer gewettert.

Eine neue Ebene

Denn noch mehr als ihre Vorgängerinnen, bediente sich Michelle genauso gerne international wie heimatlich, trug Azzedine Alaïa, Mary Katrantzou, Giambatista Valli, Missoni, Kenzo. Und zum letzten State Dinner im Oktober: Eine Haute Couture-Robe von Atelier Versace. Ein Label, das weniger für klassische Eleganz, denn ungehörigen Sexappeal bekannt ist.

Klar, auch das sind die Obamas: Attraktiv und jugendlich. Er spielt vor zahllosen Fotografen Basketball, Baseball, Golf, sie zeigt sich zumeist ärmellos, sind ihre trainierten Arme doch beliebtes Thema der „Elle“, „Cosmopolitan“ und „Women’s Health“. Letztere schnappte sich gar den Personal Trainer der Präsidentengattin, „Tipps, um in Form zukommen und definierte Arme zu kriegen wie Michelle Obama“, schrieb das Blatt.

So haben die Obamas die der Präsidentenrolle inneliegende Vorbildfunktion auf eine neue Ebene gezerrt: Gesetzestreue, Seriosität, eine stabile Ehe – das ist längst nicht mehr genug. Mit den Obamas sind vor acht Jahren auch Stil und Humor ins Weiße Haus gezogen. Und eine gehörige Portion Coolness.

Gleich mehrfach hat Barack Obama Songlisten auf der Musikplattform „Spotify“ angelegt: Jede Menge Hiphop scheint der Mann zu hören, Pharrell Williams, Jay-Z und Common tummeln sich auf „The President’s Summer Playlist“ 2016. Außerdem ließ Obama verlauten, dass er auf die Drogen-Serie „Breaking Bad“ steht, er zeigt sich oft mit Sonnenbrille, macht Selfies noch und nöcher. Und schlägt bei einem Interview 2009 mit der bloßen Hand eine störende Fliege platt. So lässig. Ein bisschen steckte in Obama ein verkannter James Bond. Der gut gekleidete Draufgänger, der Gentleman, der schneidige Held – „Die Welt ist nicht genug“.

Tatsächlich war das alles sehr unterhaltsam, aber, mit Verlaub, auch ein bisschen viel des Guten. Denn im eigens orchestrierten Kammerspiel karikierten sich Barack und Michelle Obama zu Übermenschen. Identifizieren kann man sich damit nur wenig, bewundern dafür umso mehr. Schließlich zeichneten sich die Obamas nicht nur ernsthaft, kompetent und fleißig. Sondern gleichermaßen menschlich, witzig und symphatisch. Und glamourös. Und sportlich. Und stilsicher. Das hinreissende Gesamtpaket in doppelter Ausführung. Vierfach eigentlich, denn auch die Töchter Malia und Sasha sind selbstverständlich wohlgeraten.

Mit dem Auszug der Obamas aus dem Weißen Haus wird auch ein Vorhang fallen: Von den möglichen Nachfolgern ist kein derart flamboyantes Theater zu erwarten. Aber bis dahin sind es ja noch ein paar Tage. Vielleicht veröffentlichen die Obamas morgen schon ein Foto von sich beim Kartons packen. Mit Umzugskisten, Luftpolsterfolie und einem strahlend weißen Lächeln. Ganz natürlich eben.

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