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"Ich will meine Realität bekanntmachen", sagt die Spanierin.

Angela Ponce

Transfrau stellt sich zur Miss-Universe-Wahl

Im Bikini um die Krone kämpfen? Das wirkt aus der Zeit gefallen. Angela Ponce tritt trotzdem zur Wahl der Miss Universe an. Als erste Transfrau in dem Wettbewerb will sie ein Zeichen setzen.

Von Emilio Rappold, dpa

Seit fast 70 Jahren wird beim Miss-Universe-Wettbewerb die angeblich schönste Frau der Welt gekürt. Jetzt gibt es eine Neuerung, die nicht jedem gefällt: Neben 93 weiteren Kandidatinnen geht am heutigen Montag in Bangkok auch die Spanierin Angela Ponce ins Rennen – obwohl sie vor knapp 28 Jahren als Junge auf die Welt kam. Erstmals in der Geschichte der Misswahl tritt damit eine Transfrau an.

Bei einigen Wettbüros gilt Ponce sogar als größte Favoritin für den Sieg. Der 1,77 Meter großen Informatikerin aus Cádiz geht es nach eigener Aussage in erster Linie nicht um Ruhm, um Krone oder Titel.

„Ich will denjenigen eine Stimme geben, die keine haben, obwohl sie schon lange eine verdient haben“, sagte sie dem TV-Sender Antena 3. Und der Zeitung „ABC“ berichtete sie, sie wolle „der Welt eine Lektion erteilen“.

Ähnlich kämpferisch äußerte sie sich nach ihrem sensationellen Triumph im Juni beim Miss-Spanien-Wettbewerb in unzähligen Interviews. Im erzkatholischen Spanien löste der Sieg der Transfrau jedoch kaum Polemik aus. In der internationalen Szene sah das ganz anders aus. „Ein Schönheitswettbewerb wie Miss Universe ist für Frauen, die als Frauen geboren wurden“, stichelte etwa die Kolumbianerin Valeria Morales, der in Bangkok ebenfalls gute Siegeschancen eingeräumt werden.

Negativ äußerte sich unter anderem auch die mexikanische Miss Universe 1991, Lupita Jones. An Angela Ponce prallen die Attacken jedoch ab – zumindest äußerlich. In Interviews wirkt sie stets selbstsicher, resolut und vor allem sehr ruhig und ausgeglichen, mit sich selbst und der Welt im Reinen. 

„Ich bin nur schwer verwundbar“, beteuert die Frau, die mit 17 Jahren mit den Hormonbehandlungen begann und sich anschließend mehreren geschlechtsangleichenden Operationen unterzog. Eine Frau sei aber nicht deshalb eine Frau, weil sie eine Vagina habe, sagte sie der „New York Times“. „Ich bin stolz darauf, die Person zu sein, die ich bin.“

Kämpferin gegen die Diskriminierung

Als zweites von drei Kindern eines ärmeren Ehepaars wurde Ponce am 18. Januar 1991 geboren. Selbstbewusstsein und Widerstandsfähigkeit musste sie sich in der 14 000-Einwohnergemeinde Pilas rund 30 Kilometer westlich von Sevilla früh aneignen.

Im Dorf, in dem der Vater eine kleine Kneipe betrieb, sei das Aufwachsen für den kleinen Ángel Mario trotz der Unterstützung der verständnisvollen Eltern besonders schwer gewesen, erzählte Ponce kürzlich der Zeitung „El País“. „Ich hatte aber eine glückliche Kindheit, weil ich ein Dickkopf bin. Wenn mich jemand damals als Tunte beschimpfte, weil ich einen Haarreif trug, bin ich am nächsten Tag mit einem noch größeren auf die Straße gegangen … und mit Blumenschmuck.“

Ponce schloss die Ausbildung zur Informatikerin ab, lernte auch den Beruf der Friseurin, arbeitete als Fitnesstrainerin und seit wenigen Jahren ist sie Model. In der Welt der Mode habe sie Vorurteile, Heuchelei und Zurückweisung erlebt, aber auch Unterstützung.

Richtig glücklich wurde Ponce aber aufgrund ihrer Tätigkeit als Aktivistin der LGBT-Bewegung (Lesbian, Gay, Bisexual und Transgender) und vor allem als Mitarbeiterin der Stiftung „Fundación Daniela“, die gegen die Diskriminierung von jungen Transgender-Menschen kämpft. Sie hält unter anderem in Schulen Vorträge. Einmal bekam sie mitten in der Nacht einen Anruf von einem jungen Transmädchen, das aufgrund von Problemen in der Schule mit dem Gedanken spielte, sich das Leben zu nehmen.

Mit ihrer Teilnahme beim Miss-Universe-Wettbewerb könne sie daher auch dazu beitragen, Leben zu retten, hofft Ponce. „Ich will damit zeigen: Ich habe es geschafft, du kannst es auch!“ Man müsse träumen, „denn Träume können auch wahr werden“, lautet die Devise der Spanierin.

Ihre Antwort auf die Kritik ihrer kolumbianischen Mitbewerberin zeigt auch, aus welchem Holz Ponce geschnitzt ist. Auf Instagram schrieb sie, sie wolle die Meinung der Südamerikanerin nicht ändern. „Das ist nicht meine Aufgabe. Ich will vielmehr meine Realität bekanntmachen und der Welt ein bisschen über die mangelnde Information über Diversität erzählen.“ Das sei „ein wichtiger Faktor, der zweifellos dazu führen würde, dass so viele Schikanen, so viele Vorurteile und so viel Gewalt ein Ende finden“. (dpa)

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