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Der Sarg von Vittorio Casamonica wird durch die Menge getragen.
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Der Sarg von Vittorio Casamonica wird durch die Menge getragen.

Rom

Wie ein Toter die Italiener provoziert

  • Regina Kerner
    VonRegina Kerner
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Goldverzierte Kutsche, Rosenblätter aus dem Hubschrauber: Das provokante Begräbnis von Vittorio Casamonica in Rom ist eine beispiellose Machtdemonstration der Mafia. Viele Italiener sind schockiert.

Hollywood hätte es nicht besser inszenieren können. Der Sarg wurde in einer goldverzierten barocken Kutsche vorgefahren, von sechs schwarzen Pferden gezogen. Eine Blaskapelle intonierte die berühmte Melodie aus dem Mafia-Film „Der Pate“, ein Hubschrauber warf Rosenblätter über den hunderten vor der Kirche versammelten Trauergästen ab. Im Sarg lag Vittorio Casamonica, einer der Bosse des organisierten Verbrechens in Italiens Hauptstadt, dessen Clan sich mit Drogenhandel und Schutzgelderpressung befasst. Plakate mit dem Konterfei des Verstorbenen vor der Kulisse von Colosseum und Petersdom hingen über dem Eingangsportal der Don-Bosco-Kirche im Stadtviertel Tuscolana. „König von Rom“ stand darauf, und: „Du hast Rom eroberst, nun wirst du das Paradies erobern.“ Zum Friedhof wurde der Sarg im Rolls Royce gefahren, begleitet von einer Kolonne aus 200 Wagen.

Hätte sich das alles im sizilianischen Corleone oder in einer Stadt Kalabriens oder Kampaniens abgespielt, wo Cosa Nostra, Camorra und ’Ndrangheta beheimatet sind, so wäre es schon ein Skandal gewesen. Aber mitten im politischen Zentrum Italiens eine pompöse Mafia-Beerdigung – das hat das Land schockiert. Die provozierende Machtdemonstration des organisierten Verbrechens räumt auch den letzten Zweifel aus, dass die Mafia die Hauptstadt im Griff hat. Sämtliche Zeitungen Italiens brachten die Fotos auf den Titelseiten.

Rom hat ein Problem

Roms Bürgermeister Ignazio Marino steht im Kreuzfeuer der Kritik. Wie habe die Stadt so etwas zulassen können, wird gefragt. Doch Marino, die Präfektur und die Polizei erklärten, sie seien völlig überrascht, es sei nicht einmal eine Genehmigung für den Hubschrauberflug beantragt worden.

Innenministerium und Opposition fordern eine Untersuchung. Dass Rom ein Mafia-Problem hat, weiß man, seit vergangenes Jahr die Ermittlungen zu „Mafia Capitale“ bekannt wurden. Dutzende korrupte Lokalpolitiker, Unternehmer und Kriminelle sitzen seither in U-Haft, sie hatten jahrelang öffentliche Ausschreibungen manipuliert und Millionen Steuergelder abgezweigt. Die Köpfe der Bande, darunter ein früherer Rechtsterrorist, stehen ab November vor Gericht. Auch gegen den Casamonica-Clan, eine weit verzweigte Sinti-Familie, die seit den 70er Jahren im Südosten Roms regiert, wird ermittelt. Umso herausfordernder wirkt die Bestattungs-Show.

Der Pfarrer der Don-Bosco-Kirche erklärt, er habe erst kurz vor der Trauerfeier erfahren, wem er den letzten Segen geben sollte. Er hätte die Zeremonie auch verweigern können, schließlich hat Papst Franziskus Mafiosi für exkommuniziert erklärt. In einem anderen Fall hatte sich die Don-Bosco-Kirche weit weniger barmherzig gezeigt. 2006 machte sie Schlagzeilen, als sie Piergiorgio Welby die Beerdigung verwehrte. Der an unheilbarem Muskelschwund leidende, völlig gelähmte Mann hatte passive Sterbehilfe in Anspruch genommen.

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