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Die Maschine stürzte nur wenige Minuten nach dem Start auf ein Feld südöstlich von Addis Abeba.

Ethiopian-Airlines-Absturz

Tödliche Technik?

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Beim Boeing-Absturz in Äthiopien sterben 157 Menschen. Wieder geht es um einen Sensor, der auch einen Absturz in Indonesien verursacht haben soll.

Die Erde ist mehrere Meter tief aufgerissen, einige Trümmerteile sind zu sehen, von denen Tewolde Gebremariam, der Chef der äthiopischen Luftlinie „Ethiopian Airlines“, eines in seinen Händen hält. Es ist das einzige Foto, das von der abgestürzten Boeing 737 Max-8 bislang freigegeben wurde. Ein Bild in die andere Richtung, in der die eigentlichen Trümmer der Maschine zu sehen sein müssten, hat die Fluglinie der Öffentlichkeit bislang nicht zugemutet. Es ist das schwarz verbrannte Grab von 149 Passagieren und acht Crew-Mitgliedern, die bei dem Absturz starben.

Das Foto wurde auf einem trockenen Feld wenige Kilometer außerhalb der äthiopischen Kleinstadt Bischoftu aufgenommen, wo Flug Nummer ET 302 am Sonntagmorgen um 8.45 Uhr in einem Feuerball endete – nur sieben Minuten nach dem Start vom Bole-Airport in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba. „Die Flammen waren so heiß, dass wir nicht einmal nahe kommen konnten“, sagt Bekele Gutema, der den Absturz sah, der BBC: „Das hat natürlich keiner überlebt.“ Erst mehr als zwei Stunden später seien die ersten Feuerwehren eingetroffen.

Die 149 Passagiere kamen aus 33 Nationen, gab die Fluglinie bekannt: Darunter 32 Kenianer, 18 Kanadier und neun Äthiopier. Nach Angaben der Fluggesellschaft waren auch fünf Deutsche unter den Opfern. Äthiopiens Regierungschef Abiy Ahmed drückte sein „tiefstes Mitgefühl“ für die Familien aus, die Angehörige in dem Desaster verloren haben: Die Luftgesellschaft des ostafrikanischen Staats galt bislang als beste Fluglinie Afrikas.

Einzelheiten über die Ursache des Absturzes sind bislang nicht bekannt, doch ein Verdacht drängt sich bereits auf. Bei der nagelneuen Boeing 737 Max-8 – sie hatte im vergangenen Oktober ihren Jungfernflug – handelt es sich um genau dasselbe Modell wie die Maschine der indonesischen Fluggesellschaft Lion Air, die vor fünf Monaten ebenfalls kurz nach dem Start vor Indonesien ins Meer gestürzt war: Auch dort kamen alle 189 Passagiere ums Leben.

Schon damals war der Verdacht geäußert worden, der Absturz könnte mit einem fehlerhaften Sensor im Zusammenhang stehen: Dieser informiert das Kontrollsystem über einen Ausfall der Düsen, worauf die Maschine automatisch mit einem abrupten Sinkflug reagiert. Die Fehlermeldung des Kontrollsystems könne vom Piloten nicht „überschrieben“ werden, klagten US-Flugzeugkapitäne schon nach dem Absturz der Lion-Air-Maschine. „Die Automation sollte dazu da sein, uns im Cockpit zu entlasten und das Flugzeug sicherer zu machen“, sagte Jon Weaks, Präsident der Pilotenvereinigung der Southwest Airlines, bereits im November: „Der Pilot muss jedoch immer die letzte Kontrolle behalten.“

Ob Boeing die Käufer ihrer populären Maschine über den Verdacht informiert hat und welche Konsequenzen die US-Firma aus dem Vorfall zog, ist bislang unklar. Unterdessen wurde bekannt, dass der Verdacht auch von den Beobachtungen der schwedischen Flugkontroll-Webseite „flightradar24“ erhärtet wird. Ihre Daten hätten gezeigt, dass die „vertikale Geschwindigkeit“ der Maschine kurz nach dem Start „instabil“ gewesen sei, gaben die privaten Flugbeobachter über Twitter bekannt: Wenig später brachen die Radaraufnahmen von dem 210 sitzigen Kurz- und Mittelstreckenflugzeug ab.

In der kenianischen Hauptstadt Nairobi sahen sich unterdessen zahlreiche Angehörige der Passagiere des Unglückflugs einer fortgesetzten Tortur ausgesetzt. Auf dem Jomo-Kenyatta-Airport wurde zunächst nur eine dreistündige Verspätung angekündigt, dann wechselte die Anzeigentafel auf „annulliert“.

„Wir haben weder von der Fluggesellschaft noch vom Flughafenpersonal etwas gehört“, klagte Robert Mutanda drei Stunden nach der eigentlichen Ankunftszeit von ET302 gegenüber Reuters: Der Kenianer wollte seinen aus Kanada anreisenden Schwager abholen.

Dagegen wollte Wendy Otieno ihre Mutter abholen: „Ich hoffe noch, dass sie einen anderen Flug genommen hat. Aber sie hebt ihr Telefon nicht ab.“

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