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Tierschützer stoppen Waljagd

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Schützenswerte Tierart: die Wale.
Schützenswerte Tierart: die Wale. © dpa

Japanische Walfänger geben unter dem Druck der Aktivisten auf. Ob der Walfang im nächsten Winter weitergeht ist jedoch unklar.

Von Martin Fritz

Der Dauerkampf zwischen internationalen Walschützern und japanischen Waljägern im Südpolarmeer ist zu Ende – vielleicht für immer. Der japanische Fischereiminister Michihiko Kano erklärte die diesjährige Fangsaison für beendet. Angesichts der ständigen Angriffe durch Tierschützer müsse man die Sicherheit der Besatzungen und Schiffe gewährleisten. Der letzte Harpunenschuss wurde offenbar schon am 9. Februar abgegeben, nun hat die Regierung auch offiziell kapituliert. Ob der Walfang im nächsten Winter weitergeht, blieb noch offen.

Auf den drei Booten der Meeresschutzorganisation „Sea Shepherd“ fielen sich 88 Aktivisten aus 23 Ländern freudestrahlend in die Arme. „Das Fabrikschiff Nisshin Maru hat seinen Kurs geändert“, jubelte Alex Carnelissen, Kapitän des Shepherd-Bootes „Bob Barker“. „Es sieht so aus, als ob es nach Hause fährt!“ Der Gründer der Organisation, Paul Watson, sprach von einem Sieg und kündigte eine Fortsetzung des Kampfes im nächsten Jahr an.

Australien und Neuseeland begrüßten die japanische Entscheidung. Beide Länder hatten in der Vergangenheit den Walschützern erlaubt, von ihren Häfen aus zu operieren. „Australien findet, dass es nie wieder eine Walfangsaison geben sollte“, sagte Umweltminister Tony Burke.

Walschützer bewarfen Fangboote mit Buttersäure

Aus Protest gegen die ständigen Störaktionen von Sea Shepherd bestellte der japanische Außenminister Seiji Maehara die Botschafter von Australien, Neuseeland und den Niederlanden ein. Er warf ihren Ländern vor, die „Zerstörungsaktionen“ der Tierschützer zu unterstützen, indem sie die Boote unter ihrer Flagge fahren ließen und ihnen Einfahrt in ihre Häfen gewährten. Die Botschafter seien „mit Nachdruck“ aufgefordert worden, weitere Störaktionen zu unterbinden.

Ursprünglich wollte Japan in den Gewässern vor der Antarktis zwischen November und März 850 Zwergwale schießen. Doch wegen der fortgesetzten Störmanöver durch die Walschützer konnten sie bis vergangene Woche offenbar nur ein Fünftel dieser Quote erreichen. Unter dem Motto „Operation No Compromise“ hatten die Aktivisten von Sea Shepherd die Fangflotte über eine Strecke von 3 000 Kilometern verfolgt und mit ihren Booten immer wieder Harpunenschüsse auf die Wale blockiert. Die Fangschiffe wurden mit Flaschen voll Buttersäure beworfen, einmal blockierte ein Seil die Schiffsschraube eines Harpunenbootes.

Nachfrage nach Walfleisch in Japan gering

Die Walschützer waren so gut ausgerüstet wie noch nie: Zwei jeweils über 50 Meter lange, hochseetaugliche Schiffe, ein 35 Meter langer, sehr schneller und wendiger Trimaran und ein Hubschrauber ermöglichten eine effektive Behinderung der Waljagd. „Falls sie nächstes Jahr wiederkommen, werden wir noch stärker und noch besser ausgerüstet sein“, versprach Watson. Zu seinen Unterstützern gehören prominente Schauspieler wie Pierce Brosnan und Sean Penn und der US-Fernsehmoderator Bob Barker.

Mit dem Abbruch der Jagd steht auch die japanische Fangpolitik vor dem Scheitern. Die Waljagd im abgelegenen Polarmeer kostet jährlich rund 45 Millionen Euro, der Fleischverkauf finanziert 85 Prozent davon. Nun klafft eine doppelte Lücke im Etat: Erstens wurde nicht genug Fleisch gewonnen, zweitens drücken hohe Lagerkosten auf das Budget. Ende Dezember warteten 4 500 Tonnen Walfleisch tiefgefroren auf Käufer. Die Nachfrage nach dieser Ware in Japan ist nämlich gering. „Die japanische Fangflotte hat überhaupt keine Existenzberechtigung“, erklärte Junichi Sato, Chef von Greenpeace Japan. Die vorzeitige Rückkehr der Fangschiffe sei aber noch nicht genug. „Sie sollten nie wieder einen Hafen verlassen.“

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