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Endlich Ruhe für’s Schuppentier – zumindest kurzzeitig. imago

Covid-19

Tierschützer atmen auf

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Organisationen begrüßen Verbot von Wildtierfleisch in China.

Seit Jahrzehnten treten Tierschützerinnen und Tierschützer vergeblich für ein Verbot des Verzehrs von Wildfleisch vor allem in der Volksrepublik China ein – dem mit Abstand größtem Markt des von der UN auf jährlich 23 Milliarden US-Dollar geschätzten illegalen Wildtierhandels. Nun aber hat das Corona-Virus geschafft, was den Tierfreunden in all den Jahren vorenthalten blieb.

Anfang der Woche verbot Chinas höchstes gesetzgebendes Gremium, das Ständige Komitee des Nationalen Volkskongresses, den Konsum aller Arten von auf dem Land lebenden wilden Tieren. Das wurde von vor allem in Afrika aktiven Umweltschutzorganisationen einhellig begrüßt: „Wir hoffen, dass ein strikter Vollzug dieser Gesetze den Schutz der zahlreichen bedrohten Tierarten stärkt“, kommentierte Steven Broad, Direktor der Tierschutzorganisation Traffic.

Epidemie als Anstoß

Peking hatte den Verzehr von wilden Tieren zunächst nur zeitweise verboten, nachdem der Ausbruch der derzeitigen Corona-Epidemie mit einem Markt für Wildtierfleisch in der Provinzhauptstadt Wuhan in Verbindung gebracht wurde. Forschungen legten nahe, dass das Covid-19-Virus in Fledermäusen lebt, die gegen den Erreger immun sind – und dass es von Fledermäusen womöglich über aus Afrika importierte Schuppentiere übertragen wurde.

Schon der vor 17 Jahren identifizierte Sars-Virus war von Fledermäusen übertragen worden: In diesem Fall von den in Afrika und Asien verbreiteten Zibetkatzen, die in Teilen Chinas als Leckerbissen gelten. Die chinesische Regierung sei bereit, eine Tausende von Jahren alte Tradition zu stoppen, die heute völlig unangemessen sei, kommentierte Jeff He, Direktor der Tierschutzorganisation Ifaw in China.

„Wir applaudieren diesem Bann“, sagte er. Allerdings müssten weitere Schritte folgen: Eine lückenlose Vollstreckung des Verbots und seine Ausweitung auf in der Luft und im Wasser lebende Tiere. Ungewiss ist, ob der Bann auch die Einnahme von gemahlenem Nashorn sowie den Genuss von aus Löwenknochen gewonnenem Tee verbietet.

Beide chinesischen Gepflogenheiten haben in den vergangenen Jahrzehnten die Wilderei in Afrika immer weiter angeheizt und Naturschützerinnen und Naturschützer vor erhebliche Probleme gestellt. Zum Schutz ihrer Nashörner müssen afrikanische Wildparkbesitzer ganze Armeen an schwerbewaffneten Rangern anstellen.

Auch die Hunderttausende von Eseln, die in Afrika jährlich geschlachtet werden, weil ihr zu Gelatine verarbeitetes Fell schlaf- und libidogestörten Chinesinnen und Chinesen helfen soll, wird der Bann nicht retten. Denn als wild kann man die akut gefährdeten Grautiere nun wahr- lich nicht bezeichnen – selbst wenn ihr Hufschlag eine Knie- scheibe zu zertrümmern vermag. 

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