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Teurer Fummel für die Gold-Else

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Die Siegessäule am Grossen Stern in Berlin wird in den kommenden Monaten aufgehübscht.
Die Siegessäule am Grossen Stern in Berlin wird in den kommenden Monaten aufgehübscht. © ddp

An der Siegessäule ist der Lack ab - jetzt wird sie für 4,5 Millionen saniert und aufgehübscht. Das letzte Lifting von Berlins Gold-Else liegt drei Jahrzehnte zurück. Von Roland Mischke

Von Roland Mischke

Viktoria macht einen matten Eindruck. Die Siegesgöttin, 8,30 Meter groß, rund 35 Tonnen schwer und auf 200 Quadratmetern gänzlich mit Blattgold überzogen, besitzt kaum noch Glanz. Das letzte Lifting von Berlins Gold-Else, wie der Volksmund sie nennt, liegt drei Jahrzehnte zurück. In den nächsten acht Monaten wird die kämpferische Göttin mit Flügeln, Lorbeerkranz, Speer und dem Falken auf dem Helm ihre Garderobe wechseln.

Mit 1,2 Kilo Blattgold soll das Wahrzeichen Berlins, einst vom Bildhauer Friedrich Drake entworfen, aufgehübscht werden; das Gramm kostet derzeit auf dem Weltmarkt 31 000 Euro. Im Zuge der Verschönerung wird das Denkmal am Großen Stern gleich mitsaniert. Das kostet voraussichtlich 4,5 Millionen Euro, die sich das Land Berlin, der Bund und die EU teilen.

Die Sanierung kommt spät. Unter Viktorias Rock sieht man bereits viele Risse und Rost, außerdem sind bei ihr einige Schrauben locker. Bauleiterin Barbara Wels betont, dass zwar keine Einsturzgefahr für die 70 Meter hohe Siegessäule bestanden habe, aber die Sanierung sei "längst überfällig".

1,2 Kilo Blattgold sind nötig

Eine Grundsatzentscheidung hatte die Senatsverwaltung getroffen: "Keine kommerzielle Verhängung", so Sprecher Richard Meng. In Deutschland ist Berlin die Stadt mit den höchsten und breitesten Plakaten, überlebensgroß werben Models für Unterwäsche oder Getränke. Für viele ein optisches Ärgernis, das allerdings die leere Stadtkasse füllt. Nicht kommerziell also. Deshalb erhält das Denkmal rund um den Säulenschaft wechselnde Umhänge mit Aufnahmen, die Arbeiten im Innern zeigen. Zur Fußball-WM in Südafrika wird es dann Sportmotive und Fußballbanner geben. Den Millionen Touristen, die in der warmen Jahreszeit vom Brandenburger Tor zur Siegessäule flanieren, soll kein verdecktes Bauwerk die Laune verderben.Die Siegessäule (1864 bis 1873 erbaut) erinnert an drei von Preußen gewonnene Kriege. Weil die Nazis 1940 einen vierten Ring dazu taten, der an den Sieg über Frankreich erinnern sollte, wollten die französischen Alliierten sie nach dem Krieg abreißen.

120 Experten sind an der Siegessäule und Rondell zugange, sie reinigen, entrosten und bessern aus. Im Treppenaufgang mit seinen 285 Stufen werden die Wandflächen aus Carrara-Marmor gereinigt und gegen Graffiti geschützt, eine neue Beleuchtung installiert. Einziger Wermutstropfen für alle, die sich dort verewigt haben: Die Namen von Touristen aus aller Welt, die hier an den Wänden stehen, werden getilgt.

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